Diesen Aktien drohen Dividendenkürzungen

Auftragsflaute, starker Franken oder hausgemachte Probleme: cash nennt Schweizer Unternehmen, bei welchen sich die Aktionäre besser auf eine Kürzung der Dividende einstellen.
30.01.2015 01:00
Von Lorenz Burkhalter
Bei den SMI-Unternehmen muss vor allem Transocean die Dividendenpolitik grundlegend überdenken.
Bei den SMI-Unternehmen muss vor allem Transocean die Dividendenpolitik grundlegend überdenken.
Bild: cash

Täglich legen neue Schweizer Firmen ihre Zahlenkränze für das vergangene Jahr vor. Die Unternehmensberichterstattung ist in vollem Gange. Überschattet wird sie vom Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den vor drei Jahren eingeführten Mindestkurs aufzugeben und dem quasi über Nacht erstarkten Franken.

Die sackfeste Heimwährung ist allerdings bei weitem nicht die einzige Widrigkeit, welcher sich die hiesigen Firmen ausgesetzt sehen. Da wären auch der immer intensivere Wettbewerb von Konkurrenten aus den Schwellenländern, die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa und die zunehmende Regulierungsdichte. Einigen Unternehmen machen zudem hausgemachte Probleme das Leben schwer.

Eine Dividendenperle, die gar keine ist

Diese Faktoren drücken nicht nur auf die Gewinnentwicklung, sie haben auch Folgen für die Dividendenpolitik einiger Firmen. Die Vergangenheit zeigt, dass eine restriktivere Handhabung der Ausschüttung kein Kavaliersdelikt ist.

Ungeschlagener Dividendenchampion ist hierzulande Transocean. Unter dem Druck des US-Milliardärs Carl Icahn hat sich das in Zug niedergelassene Ölserviceunternehmen schon vor Jahren zu einer grosszügigeren Ausschüttung verpflichtet. Viermal im Jahr erhalten die Aktionäre eine Dividende von 0,75 Dollar je Titel.

Nachdem die Aktie von Transocean seit Anfang letzten Jahres ziemlich genau zwei Drittel ihres Kurswerts eingebüsst haben, entspricht das auf das Gesamtjahr hochgerechnet einer geradezu atemberaubenden Rendite von 18,3 Prozent.

Im eigenen Geschäftsmodell gefangen

Die Zeiten, in denen das auf die Ölförderung auf hoher See spezialisierte Unternehmen einen Tiefenrekord nach dem nächsten feierte, sind endgültig vorüber. Der Ölpreiskollaps und branchenweite Überkapazitäten machen die Förderung auf offener See unrentabel. Dazu kommen hausgemachte Probleme wie die überalterte Förderflotte. Der skandinavische Rivale Seadrill hat es vorgemacht und sich schon vor Monaten zu einem Dividendenverzicht durchgerungen. Dass auch Transocean über die Bücher gehen muss, gilt in Analystenkreisen als so gut wie sicher.

Als Gefangene des eigenen Geschäftsmodells gilt auch die Credit Suisse. Anders als die Hauptkonkurrentin UBS hält die Zürcher Grossbank unbeirrt am kapitalintensiven Investment Banking fest - mit eher mässigem Erfolg.

Obschon die Frankenstärke die Risikoaktiven etwas schmälert und das Kernkapital gegen Währungsfluktuationen abgesichert ist, steht die Credit Suisse hinsichtlich des sogenannten Leverage Ratio eher mässig da. Von einer Eigenkapitallücke in Milliardenhöhe ist die Rede. Dass die Verschiebungen im Währungsgefüge auf die Gewinnentwicklung drücken, kommt daher ziemlich ungelegen. Alleine seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus der CS-Aktie auf gut 23 Prozent.

Traditionsbank und die Vergangenheitsbewältigung

Das nicht ohne Grund, rechnen immer mehr Analysten mit einer Dividendenkürzung. Möglich ist auch, dass die Grossbank zwar an der Höhe der in den letzten Jahren entrichteten Ausschüttung von 0,70 Franken je Aktie festhält, diese den Aktionären jedoch in Form einer Stock-Dividende entrichtet.

Zu den Opfern der Frankenstärke gehört auch Julius Bär. Analysten zufolge fallen bei der Zürcher Traditionsbank geschätzte 60 Prozent der Kosten in der Heimat und damit in Franken an. Dem steht ein Gewinnbeitrag von knapp 20 Prozent gegenüber.

Der finanzielle Spielraum für Dividendenzahlungen wird zudem vom noch immer ausstehenden Vergleich im Steuerstreit mit den USA begrenzt. Die am Markt herumgereichten Schätzungen für die Kosten dieser Vergangenheitsbewältigung liegen zwischen 50 und 950 Millionen Franken. Vermutlich macht der starke Franken die Vergleichszahlung in Richtung USA etwas günstiger.

Ob Julius Bär den Aktionären auch in diesem Frühling wieder eine Dividende im Umfang von 0,60 Franken je Titel entrichten kann, bleibt dennoch fraglich. Und falls ja, errechnet sich nach dem Kursrückgang von 18 Prozent seit Anfang Jahr eine eher magere Rendite von 1,6 Prozent.

Bei Zurich ist nichts in Stein gemeisselt

Eine interessante Alternative bleibt die Aktie der UBS. Erst letzte Woche liess die grössere der beiden Schweizer Grossbanken durchblicken, dass sie neben der regulären Dividende von 0,45 Franken je Titel zusätzliche 0,25 Franken in Form einer einmaligen Ausschüttung entrichten werde. So kommen die ansonsten nicht sonderlich erfolgsverwöhnten Aktionäre zumindest in den Genuss einer Rendite von 4,6 Prozent.

Ein einfacheres Leben hatten in den letzten Jahren die Aktionäre der Zurich Insurance Group. Sie wurden vom Versicherungskonzern jeweils mit einer Dividende von 17 Franken pro Titel bedacht. Da das Unternehmen jedoch in Dollar Rechnung legt und in Franken ausschüttet, ist die Dividende faktisch über Nacht teurer geworden.

Flaute statt Sonderdividende

Kommt dazu, dass erste Analysten die Nachhaltigkeit der Ertragslage der vergangenen Jahre in Frage stellen und alleine schon deshalb mit einer Dividendenkürzung rechnen. Aufgrund der seit je her hohen Ausschüttungsquote von über 70 Prozent des Jahresgewinns mag es keine substanzielle Verschlechterung der Ertragssituation leiden.

Im Aktionariat von Sulzer hatte man sich nach dem Verkauf von Metco an OC Oerlikon vermutlich schon auf eine Sonderdividende oder ein gewinnverdichtendes Aktienrückkaufprogramm eingestellt. Doch neben hausgemachten Problemen im Geschäft mit Abwasserpumpen machen dem in Winterthur beheimateten Industriekonzern mittlerweile auch die Folgen des schwachen Ölpreises das Leben schwer. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich die Auftragslage im Kerngeschäft mit Pumpen für die Öl- und Gasindustrie weiter eingetrübt hat. Stummer Zeuge ist die Aktie, welche in den vergangenen 12 Monaten gut eine Drittel ihres Kurswerts eingebüsst hat.

Zu einer immer grösseren Belastung wird auch der starke Franken. Zwar sitzt Sulzer seit dem besagten Bereichsverkauf auf Nettobarmittel in dreistelliger Millionenhöhe. Sollte der Gewinneinbruch im vergangenen Jahr jedoch stärker als erwartet ausgefallen sein, könnte dies die Dividende im bisherigen Umfang von 3,20 Franken pro Titel in Frage stellen. Insbesondere der Grossaktionär Viktor Vekselberg dürfte nicht bereit sein, die Publikumsaktionäre zu Lasten der Substanz zu entschädigen.

Im Berufshandel werden neben Sulzer unter anderem auch Dufry, Galenica, Gategroup, Gurit und Huber + Suhner als Kandidaten für eine eventuelle Dividendenkürzung genannt. Ihnen allen drohen vor allem im Zusammenhang mit der Frankenstärke Schockwellen auf das Tagesgeschäft.