DividendenperleZurich: Die befürchtete Zahlenenttäuschung bleibt aus

Allen Unkenrufen zum Trotz legt die Zurich Insurance Group ein überzeugendes Resultat vor. Vor allem die starke Eigenkapitalquote kommt gut an. Dennoch liegt die Aktie über weite Strecken im Angebot.
10.08.2017 15:36
Von Lorenz Burkhalter
Unter Konzernchef Mario Greco hat die Zurich Insurance Group im zweiten Quartal wieder Tritt gefasst.
Unter Konzernchef Mario Greco hat die Zurich Insurance Group im zweiten Quartal wieder Tritt gefasst.
Bild: ZVG

Die gute Nachricht zuerst: Die von einigen Analysten künstlich geschürte Angst vor einer Zahlenenttäuschung erweist sich bei der Zurich Insurance Group rückblickend als übertrieben. Die Geschäftsentwicklung kann in der ersten Jahreshälfte problemlos mit den Markterwartungen schritthalten.

Sowohl beim Betriebsgewinn (BOP) als auch beim Reingewinn werden letztere dank kostenseitigen Fortschritten sogar etwas übertroffen. Nachdem eine vom britischen Gesetzgeber vorgeschriebene Aufstockung der Reserven im ersten Quartal noch zu einem Gewinnrückgang geführt hatte, fasste der Versicherungskonzern im Folgequartal wieder Tritt.

Dennoch will die Zurich-Aktie an der Schweizer Börse SIX nicht so recht auf Touren kommen. Nach einem vorübergehenden Taucher auf 292 Franken verliert sie zur Stunde 0,4 Prozent auf 292,20 Franken. Das mag auch mit dem schwierigen Börsenumfeld zu tun haben.

In einem Kommentar aus dem Hause Baader-Helvea wird der vorliegende Zahlenkranz als gut bezeichnet. Dem Autor zufolge bewegt sich der Gewinnbeitrag des einstigen Sorgenkinds General Insurance im Rahmen der Erwartungen. Dasselbe gilt für jenen der US-Tochter Farmers.

Gewinnüberraschung von eher mässiger Ergebnisqualität überschattet

Positiv überrascht zeigt sich der Analyst vom erneut starken Abschneiden des weltweiten Lebensversicherungsgeschäfts. Letzteres wuchs insbesondere in Asien sowie in Mittel- und Südamerika kräftig. Leicht enttäuscht zeigt man sich hingegen vom etwas höher als erwartet ausgefallenen Combined Ratio. Der Analyst stuft die Zurich-Aktie zwar weiterhin nur mit "Hold" und einem Kursziel von 290 Franken ein, erachtet sie allerdings als ein Muss für dividendenorientierte Anleger.

Bei der US-Investmentbank Morgan Stanley, der Commerzbank sowie der Bank Vontobel wird hingegen auf die auf der Kostenseite erzielten Fortschritte verwiesen. Die in der Vergangenheit eingeleiteten Sparmassnahmen würden endlich greifen, so lautet der Tenor.

Etwas vorsichtiger äussert sich ein Spezialist aus dem spezialisierten Handel bei der UBS Investmentbank in London. Dessen Berechnungen zufolge überragt der Betriebsgewinn (BOP) die Konsensschätzungen rückblickend um 16 Prozent. Ohne qualitative Abstriche gehe es dennoch nicht, so lässt er durchblicken. Der Experte rechnet bei der mit "Neutral" und einem 265 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel eingestuften Aktie deshalb eher mit einer verhaltenen Kursreaktion.

Starke Eigenkapitalquote weckt Dividendenfantasien

Auch sein Berufskollege bei Kepler Cheuvreux warnt davor, sich von den auf den ersten Blick starken Zahlen blenden zu lassen. Er erachtet die Ergebnisqualität als gering und bezeichnet die um Sondereffekte bereinigte Gewinnentwicklung im Nicht-Leben-Geschäft als leicht enttäuschend.

Sichtlich Gefallen findet der Analyst an der starken Eigenkapitalbasis der Zurich Insurance Group. Die Verbesserung der Z-ECM-Kapitalquote auf 134 Prozent sei der eigentliche Lichtblick in der ersten Jahreshälfte, so lässt er mit Blick auf eine mögliche Sonderdividende oder ein Aktienrückkaufprogramm durchblicken. Dennoch wird die Zurich-Aktie bei Kepler Cheuvreux vorerst mit "Reduce" und einem Kursziel von gerademal 275 Franken zum Verkauf empfohlen.

Die starke Z-ECM-Kapitalquote angesprochen, fragt sich der für RBC Capital Markets tätige Experte, wie viel Überschusskapital zu viel Überschusskapital sei. Da die Zurich Insurance Group selber ein Zielband von 100 bis 120 Prozent anstrebt, rechnet er damit, dass aus dem Aktionariat Forderungen nach einer Sonderdividende oder einem Aktienrückkaufprogramm laut werden lässt. Trotz der davon ausgehenden Fantasie stuft der Analyst die Aktie weiterhin nur mit "Sector Perform" ein.