DKSH-Chef: «Asiens Lage besser als Ruf»

Die Konjunkturkrise in Asien bremst auch DKSH. CEO Jörg Wolle sagt, warum sich das geschichtsträchtige Unternehmen nicht aus der Spur bringen lässt und wo die Chancen in der Marktbegleitung von Unternehmen liegen.
08.02.2016 15:02
Interview: Marc Forster
Jörg Wolle ist seit 2002 Konzernchef von DKSH.
Jörg Wolle ist seit 2002 Konzernchef von DKSH.
Bild: ZVG

cash: In China ist heute Neujahrsfest. Das 'Jahr des Affen' verheisst Wachstum. Wie sind Sie gestimmt?

Jörg Wolle: Laut dem Feng-Shui-Kalender soll das 'Jahr des Affen' Wachstum bringen, auf Grundlage bisheriger Anstrengungen. Das hört sich doch nach einem guten Omen für DKSH an. Generell gesehen befindet sich China, mittlerweile die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt, derzeit in einem sehr dynamischen Umwandlungsprozess, der mich aber weiterhin zuversichtlich stimmt.

Es wird viel über Asien geschrieben. Wie ist die Lage wirklich?

Aus meiner Sicht ist die Lage besser als ihr Ruf. Genau so wenig, wie wir bei Asien zu den Zeiten des Emerging Market Hypes in Euphorie verfallen sind, genau so wenig schliessen wir uns jetzt undifferenziert den Pessimisten an. Das grösste Problem der Schweizer Sicht auf Asien ist, dass viele oft nur auf China schauen. Und in China schaut man nur auf den Rückgang der Wachstumsraten, aber wir sind dort immer noch bei Werten über sechs Prozent. Weder Europa noch die USA haben das in den zurückliegenden 15 Jahren auch nur ein einziges Mal erreicht.

Wie differenzieren Sie innerhalb Chinas?

Die Bau- und Immobilienbranche ist derzeit sehr schwach. Was über Jahre superheiss war, ist seit 18 Monaten superkalt, als hätte man einen Schalter umgelegt. Der Werkzeugmaschinenbau hingegen, also auch Hersteller, die wir in China vertreiben, beispielsweise in der Luft- und Raumfahrtindustrie, läuft nach wie vor gut.

Wie wirkt sich die Lage Chinas in Südostasien aus?

Ich stelle fest, dass dort, wo die Chinesen weniger investieren, oft die Japaner einspringen. Industrien wie etwa die Textilbranche wandern von China weg und gehen in südostasiatische Länder wie Vietnam, Thailand, Myanmar oder Kambodscha.

Wie koppelt sich DKSH von den politischen Wirren im Hauptmarkt Thailand und im wichtigen Markt Malaysia ab?

Wir sind seit rund 100 Jahren in beiden Ländern stark verankert. Wir wissen, wie wir unabhängig von politischen Turbulenzen arbeiten müssen. Unser Hauptgeschäft mit Konsumgütern und Pharmaprodukten ist sehr nah an den täglichen Bedürfnissen.

Operativ restrukturieren Sie das Luxusgütersegment, und die Uhrenmarke Maurice Lacroix soll verkauft werden. Was können wir 2016 erwarten?

Was Maurice Lacroix anbelangt, fahren wir den ordentlichen Prozess weiter. Wenn die Zeit reif ist, werden wir dazu kommunizieren.