Dow Jones und Co. - Wo im US-Aktienmarkt der Erfolg winkt

US-Börsen springen von Rekord zu Rekord. Sogar der gewöhnlich vorsichtige Warren Buffett ist «bullish». cash wirft einen Blick auf US-Indizes sowie Aktiensektoren und sagt, wo das Potential intakt ist.
28.02.2017 22:55
Von Marc Forster
New York ist das Nervenzentrum des US-Aktienmarktes: Yellow cabs in Manhattan.
New York ist das Nervenzentrum des US-Aktienmarktes: Yellow cabs in Manhattan.
Bild: Pixabay

Der US-Aktienmarkt hat es bei seinem Start ins Jahr nicht schlecht erwischt: Die grossen Indizes sind ansprechend gestiegen. Der Dow Jones hat seit Anfang Januar um 5,4 Prozent zugelegt, der breitere S&P 500 um 5,9 und der technologielastige Nasdaq um knapp 10 Prozent. Der Dow erreichte am Montag den zwölften Handelstag in Folge einen Rekordschluss.

Wer dieser Tage USA sagt, denkt automatisch an Donald Trump. Die Anzeichen werden immer deutlicher, dass der seit Januar amtierende Präsident durch und durch unkonventionell - oder unberechenbar - regieren will. Unklar ist aber, wie sehr die Aktienmärkte darauf reagieren. Ob die Aktienrally wegen oder trotz Trump stattfindet, ist Gegenstand von Kontroversen. Auch ob der "Honeymoon" der Märkte mit dem Immobilienmilliardär im Weissen Haus weitergeht oder vorbei ist, ist eine Streitfrage. Am euphorischsten haben die Märkte bisher auf mögliche Steuersenkungen und die Erwartung massiver Infrastrukturausgaben reagiert. Ein konkreter Plan dafür liegt aber bisher nicht vor.

Möglicherweise überbewerten Beobachter diese politischen Aspekte auch. Der US-Aktienmarkt profitiert derzeit von einer guten Gesamtsituation: "Die verbesserten Fundamentaldaten deuten darauf hin, dass der S&P 500 seine bisherige Rally von 4 bis 5 Prozent in diesem Jahr noch ausbauen könnte", schreibt das Chief Investment Office der UBS.  Die Gewinne der Unternehmen dürften nach Ansicht der UBS-Ökonomen im Schlussquartal 2016 insgesamt gestiegen sein.

Bewertungen gar kein Thema?

Der Arbeitsmarkt läuft gut, die Konsumneigung ist einigermassen robust und die Kapitalmarktzinsen sind, wenn auch langsam, im Steigen begriffen. Im Gegensatz etwa zur Eurozone zeichnet sich auch bei der Notenbank Fed eine weitere Anhebung der Leitzinsen ab.

Der erstarkte Dollar ist für die grosste Zahl an vor allem binnenorientierten US-Unternehmen kein schwerer Nachteil. US-Aktien sind allerdings seit Jahren höher bewertet als europäische. Das vorwärtsgerichtete Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 beträgt 17,7, nach Angaben von J.P. Morgan Asset Management sind dies 11 Prozent mehr als der 25-jährige Durchschnitt. Die Bewertung des Dax, zum Vergleich, beträgt gemessen am KGV nur 13,9. Doch Warren Buffett sagte vor wenigen Tagen, dass US-Aktien nicht teuer, sondern billig seien: Dank des tiefen Zinsniveaus gebe es keine Preisblase. Der legendäre Investor mit seinem glücklichen Händchen, der Aktien oft bei tiefen Kursen kauft, ist nach wie vor positiv für US-Aktien gestimmt.

Vor kurzem hat Buffett bei Apple erneut deutlich aufgestockt: Das Placet von - sozusagen - "allerhöchster Stelle" schiebt eine erfolgreiche Aktie weiter an. Apple führt die Bestenliste im Dow Jones Industrial Average an, wie folgende Tabellle zeigt:

Aktien Dow Jones Performance  seit 1.1. (in %) Aktien S&P 500 Performance  seit 1.1. (in %) Aktien Nasdaq* Performance  seit 1.1. (in %)
Index +5,44 Index +5,85 Index +9,95
Apple +18,2 Arconic +57,7 NetEase +40,1
Boeing +15,3 NRG Energy +36,8 Hasbro +25,4
Nike +13,5 CSX +35,6 Seagate +24,9
Cisco +13,4 Incyte +33,7 Viacom +23,9
Visa +12,8 Illumina +30,3 Liberty Global +22,4
Merck & Co. +11,9 Qorvo +28,2 JD.com +21,1
Home Depot +8,4 Skyworks +28,1 Ctrip +20,7
American Express +8,2 Xerox +27,6 Vertex Pharma +20,7
Procter & Gamble +8,1 Activision Blizz +26,5 Broadcom +20,7
IBM +8,1 Centene +25,8 Amgen +20,5

Die jeweiligen Top Ten der grossen US-Indices/*Nasdaq ohne bereits bei S&P 500 aufgeführte Aktien (Quelle: cash.ch)

Aber wo soll man sonst kaufen, wenn man Warren Buffetts impliziten Rat befolgen will? Die Tabelle gibt Hinweise darauf, welche Sektoren derzeit gut im Rennen sind. Aber nicht jedes Papier in der Bestenliste hat gleich viel Potential, wie zum Beispiel die zweitplatzierte Boeing-Aktie zeigt.

Boeing: Die Aktie des neben Airbus weltweit wichtigsten Herstellers von Passagierflugzeugen ist mit einem Kursanstieg von 15,3 Prozent seit Anfang Jahr die zweitbeste Aktie im Dow Jones. Überhaupt befindet sich die Aktie auf einem Allzeithoch. Die Entwicklung in den vergangenen Wochen begünstigte zyklische Aktien. Gemäss Christoph Riniker von Julius Bär Strategy Research befindet sich der Markt aber bereits in einer Gegenbewegung zu zyklischen Titeln.

Generell bleibt Boeing von Unsicherheiten behaftet. Mit Ausnahme von Flughafen-Aktien ist derzeit alles, was mit Flugzeugen zu tun hat, ein Investment mit hoher Rückschlaggefahr. Der Markt ist hart umkämpft, die Auftragslage schwankt und technologische Risiken sind beträchtlich.

Visa: Die am fünftbesten performende Aktie im Dow Jones seit Anfang Jahr ist Visa (+12,8 Prozent). Ebenfalls unter den Top Ten ist American Express (+8,2 Prozent). Die beiden Kreditkartenkonzerne sind Finanzunternehmen, die eng mit dem Konsumverhalten der Bevölkerung verbunden sind. Der US-Konsum dürfte weiter robust bleiben, sagt Julius-Bär-Stratege Riniker. Somit besteht weiter Potential für Firmen wie Visa und Amex. Auch der Sportartikel-Gigant Nike (+13,5 Prozent) und die weltgrösste Baumarktkette Home Depot (+8,4 Prozent) sind typische Konsum-Titel.

Dass sich unter den Top Ten im Dow Jones keine grossen Banken befinden, ist keine absolute Überraschung. Zwar schossen die Banktitel nach der Trump-Wahl in die Höhe, auch in der Erwartung einer lockereren Regulierung. Aber aus Sicht der Strategen von Julius Bär erleben Finanz-Titel in den USA derzeit schon wieder eine Verschnaufpause. "Für eine anhaltende Outperformance der Financials braucht es tendenziell steigende Bond-Renditen", sagt Christoph Riniker. Dies dürfte jedoch mehr Zeit in Anspruch nehmen als derzeit vom Markt eskomptiert ist.

Merck & Co. und Procter & Gamble: Gesundheitsaktien waren im Präsidentenwahlkampf heiss disktutiert - die unterlegene Hillary Clinton hatte in ihrem Wahlkampfprogramm angekündigt, Medikamentenpreise zu regulieren. Mittlerweile haben sich die Gemüter beruhigt, auch wenn unter Trump nicht klar ist, wie sich Gesundheitspolitik entwickeln wird. Den Pharma-Titeln nützt aber auch, dass sich in den USA wieder vermehrt ein Trend zu defensiven Titeln abzeichnet.

Auch Illumina, ein Hersteller von Geräten für die Gentechnik und im S&P 500 mit einen Kursgewinn von 30,3 Prozent fünftbeste Aktie, profiert als Pharma-Zulieferer von der Gunst der Anleger. Incyte - +33,7 Prozent seit Anfang Jahr und viertbeste Aktie im S&P 500 - ist eine Ein-Medikament-Erfolgsstory um das Medikament Jakafi bzw. Ruxolitinib. Das Medikament ist von der Federal Drug Authority FDA zugelassen und wird gegen Knochenmarkerkrankungen eingesetzt. Wie das Beispiel Actelion in der Schweiz eindrücklich gezeigt hat, können solche Erfolgsgeschichten lange anhalten.

Arconic: Dieses Unternehmen besteht erst seit 1. November 2016 und ist eine Abspaltung des Aluminiumkonzerns Alcoa. Mit einer Kurssteigerung von 57,7 Prozent in den vergangenen zwei Monaten ist die Aktie die am besten performende im S&P 500. Allerdings ist die nur wenige Monate alte Geschichte des Unternehmens, das sich auf Aluminum- und Titanlegierungen für Autos, Flugzeuge und den Bausektor konzentiert, höchst turbulent.

Finanzielle Belastungen aus der Trennung von Alcoa haben Arconic im ersten Quartal einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar eingebracht. Der Aktionär Elliott Management, ein Hedge-Fonds, will CEO Klaus Kleinfeld absetzen; Um die Barmittelausstattung des Unternehmens zu verbessern, hat Kleinfeld wiederum den 890 Millionen Dollar schweren Aktienanteil an Alcoa veräussert.

Es sind Nachrichten wie diese, welche den Kurs nach oben und nach unten ausschlagen lassen. Die operative Situation des Unternehmen wird von Analysten positiv gedeutet. Wer sich für die Arconic-Aktie interessiert, muss drauf vertrauen, dass dies so bleibt. Vor allem aber auch muss man in ein Unternehmen investieren wollen, in dem ein aktivistischer Grossaktionär grosse Unruhe auslöst.