Draghi befürwortet staatliche Sicherung bei Bankenproblemen

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi hat sich für ein gewisses Mass an staatlicher Unterstützung bei den aktuellen Bankenproblemen ausgesprochen.
21.07.2016 16:40
«Sehr hilfreich» wäre nach Meinung von EZB-Präsident Mario Draghi eine öffentliche Absicherung von Banken mit vielen notleidenden Krediten.
«Sehr hilfreich» wäre nach Meinung von EZB-Präsident Mario Draghi eine öffentliche Absicherung von Banken mit vielen notleidenden Krediten.
Bild: Bloomberg

Eine öffentliche Absicherung (Backstop) wäre "sehr hilfreich", sagte Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Die zahlreichen notleidenden Kredite, unter denen etwa italienische Banken leiden, seien "ein grosses Problem", das aber Zeit brauche, um gelöst zu werden.

Draghi nannte drei Säulen, auf denen eine Lösung von Problemen mit notleidenden Krediten ruhen könne: Erstens ein konsistentes Aufsichtsrecht, zweitens die Etablierung eines funktionierenden Marktes für notleidende Kredite und drittens die Möglichkeit öffentlicher Hilfen.

Schwache Gewinnentwicklung als Problem

Das Hauptproblem der Banken der Eurozone sei nicht die Solvenz, sondern die schwache Gewinnentwicklung, sagte Draghi. Insgesamt seien die Banken jedoch besser aufgestellt als im Jahr 2009 - also zu Zeiten der Finanzkrise.

Derzeit wird zwischen der italienischen Regierung und der EU-Kommission debattiert, wie den vielen notleidenden Krediten in den Büchern von Italiens Banken beizukommen ist. Der italienische Staat will Staatsgeld einsetzen. Die Kommission drängt dagegen auf die Anwendung neuer EU-Regeln, wonach nicht der Steuerzahler (Bail-out), sondern die Eigentümer und Gläubiger zur Kasse gebeten werden (Bail-In).

Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kommentierten, Draghis Äusserungen seien als Hinweis zu werten, dass die EZB eine Lösung unter Umgehung eines Bail-Ins nicht kategorisch ablehnen würde.

(AWP)