Draghi verspricht weiter Billiggeld

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr Billiggeld-Versprechen und die Bereitschaft zu neuen Notkrediten für strauchelnde Banken bekräftigt.
02.10.2013 15:53
Mario Draghi verspricht weiter billiges Geld.

"Die Geldpolitik bleibt so lange wie nötig locker", sagte Notenbankchef Mario Draghi am Mittwoch im Anschluss an die EZB-Ratssitzung in Paris. Der EZB-Rat tagt jedes Jahr zweimal ausserhalb des Sitzes Frankfurt.

Der Leitzins werde "für einen längeren Zeitraum" auf dem derzeitigen Niveau bleiben oder weiter sinken, versicherte Europas oberster Währungshüter. Zuvor hatte die EZB den Leitzins wie von Ökonomen erwartet auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent bestätigt. Eine Zinssenkung sei im Rat der Notenbanker aber diskutiert worden, verriet Draghi.

Abwärtsrisiken überwiegen

"Die Stimmungsindikatoren deuten eine schrittweise wirtschaftliche Erholung an", sagte der EZB-Chef zwar. Dennoch bleibt Draghi skeptisch: Die Abwärtsrisiken für das Wachstum würden weiterhin überwiegen, die Kreditdynamik bleibe schwach.

Die EZB ist grundsätzlich bereit zu neuen Notkrediten an Europas Banken. Man werde die Entwicklung der Marktzinsen genau beobachten und gegebenenfalls eingreifen, bekräftigte Draghi. "Wir sind bereit, alle verfügbaren Instrumente zu nutzen - ein LTRO eingeschlossen."

Draghi hält sich alle Optionen offen

"Draghi hält sich alle Optionen offen, wenngleich es keine klaren Signale für eine Zinssenkung oder einen neue Notkredite gab", kommentierte Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Derzeit gebe es wohl keinen akuten Handlungsbedarf für die Notenbank.

Ende 2011 und Anfang 2012 hatten sich Geschäftsbanken bei der EZB insgesamt mehr als eine Billion Euro für die ungewöhnlich lange Frist von bis zu drei Jahren geborgt (LTRO). Inzwischen ist ein wesentlicher Teil davon wieder zurückgezahlt, doch die Lage vieler Geldhäuser ist nach wie vor kritisch.

"Eurozone belastbarer als früher"

Zudem treibt die Rückzahlung der Zentralbankgelder die Kreditraten am Markt für kurzfristige Geldleihen. Dies könnte die einsetzende wirtschaftliche Erholung abwürgen. Draghi betonte jedoch, seit Sommer 2012 hätten sich die Finanzierungsbedingungen für Banken verbessert.

Draghi äusserte sich auf Nachfrage auch indirekt zur Regierungskrise in seinem Heimatland Italien: Solche Instabilitäten könnten zwar die Erholung in einzelnen Ländern bremsen, aber nicht mehr an den Grundpfeilern der Währungsunion rütteln. "Mit anderen Worten: Die Eurozone und der Euro sind heute belastbarer als vor einigen Jahren."

Euro steigt

Der Euro stieg während der Pressekonferenz des EZB-Präsidenten auf den höchsten Stand seit Anfang Februar. Die europäische Gemeinschaftswährung kletterte um fast einen Cent und knackte zwischenzeitlich die Marke von 1,36 US-Dollar. Zuletzt stand sie bei 1,3596 Dollar.

"Draghis lockere Töne reichten nicht aus, um den Euro nach unten zu reden", sagte Stratege Athanasios Vamvakidis von der Bank of America Merrill Lynch. Parallel zu der EZB-Pressekonferenz konnte in Rom der italienische Premier Enrico Letta seine wackelnde Regierung bei einer Vertrauensabstimmung retten. Auch das dürfte den Euro gestützt haben.

(AWP)