Drei Marktwetten, die platzen könnten

Ex-Fed-Chef Ben Bernanke hatte einst gesagt: «Eine entstehende Blase zu identifizieren, das ist wirklich schwierig.» Das hindert Analysten aber keinesfalls daran, es trotzdem zu versuchen.
26.02.2016 19:55
Es braucht nicht viel und eine Blase platzt...
Es braucht nicht viel und eine Blase platzt...
Bild: Pixabay

Strategen der UBS unter Führung von Julian Emanuel haben sich drei beliebte Handelswetten angeschaut, die sie in einer aktuellen Kundennotiz als potenzielle Blasen ausmachen. Blasen sind die Wetten jedenfalls in dem Sinn, als dass sie von vielen Marktteilnehmern eingegangen werden. Konkret handelt es sich um Wetten auf steigende Kurse bei US-Gesundheitsaktien, auf fallende Kurse bei US-Energiefirmen sowie Titeln aus Schwellenländern. Die Strategen argumentieren, dass diese Handelswetten in den vergangenen Wochen Anzeichen dafür gezeigt haben, dass sie an Luft verlieren. Das bringe Sorgen mit sich, dass die Geschäfte auslaufen.

"Mit Blick auf institutionelle Bestände, Ertragskorrelationen innerhalb der Vergleichsgruppen und Stimmung auf Verkäuferseite scheint es so, dass dies - quantitativ betrachtet - in der Tat der Fall ist, in unterschiedlichem Ausmass und Umfang", schreiben die Strategen in ihrer Notiz.

Es muss nicht zum Knall kommen

Weiter heisst es: "Und falls es sich bei den drei wirklich um Blasen handelt, dann haben sie wahrscheinlich in den jüngsten Monaten begonnen, Luft zu verlieren. Aber ganz klar gibt es noch zusätzlichen Spielraum für eine grössere Entwicklungsumkehr in den kommenden Monaten - basierend auf der Ertragsverteilung, zu der es in den vier Jahren seit dem Ende der letzten Marktkorrektur gekommen ist (Oktober 2011), vergleichbar mit der aktuellen Korrektur."

Das UBS-Team kommt zum Schluss, dass die drei Wetten einigen Kennzahlen zufolge zwar so aussehen, als würden sie vor einem Wendepunkt stehen. Dennoch könnten die Blasen noch grösser werden oder nur langsam Luft verlieren. Es müsse nicht unbedingt zu einem grossen Knall kommen.

Eine Vielzahl von Faktoren könnte signifikante Auswirkungen auf die weitere Entwicklung haben. Der Ölpreis wird sich sicherlich bei den Bilanzen des US-Energiesektors bemerkbar machen. Und die Stärke des Dollars dürfte den Ausblick für die Schwellenländer beeinflussen. Eine Kundennotiz von Morgan Stanley stellte zudem vor Kurzem in Frage, wie umfangreich die Short-Wetten im Ölbereich eigentlich tatsächlich sind. Das wiederum weckt Zweifel an der Einschätzung der UBS zum Sektor.

Auch Politik spielt eine grosse Rolle

Und letztlich, wenn es um Aktien aus dem US-Gesundheitsbereich geht, wird nicht zuletzt die Regierung in Washington eine übergrosse Rolle bei der künftigen Kursentwicklung spielen. Die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen und eine mögliche Abkehr von der amerikanischen Gesundheitsreform, auch bekannt als Obamacare, sind hier durchaus Faktoren.

Das sehen wohl auch die UBS-Strategen. "Der anhaltende politische Druck und die Möglichkeit eines gesetzgeberischen Angriffs auf die Gewinne 2017 und 2018 könnte Investoren dazu bringen, Gesundheitsaktien neu zu bewerten", schreiben sie. Sie ziehen dabei Parallelen dazu, wie neue aufsichtsrechtliche Bestimmungen nach der globalen Finanzkrise zu geringeren Durchschnittsbewertungen bei Finanzwerten führten.

(Bloomberg)