Droht dem Euro ein Rückschlag?

Bei der Europäischen Zentralbank zeichnet sich ein Umdenken ab. Ein Grund mehr für die Commerzbank, weshalb der Euro zur Finanzierungswährung verkommen und schwächer werden könnte.
25.04.2014 07:51
Von Lorenz Burkhalter
Der Euro bleibt nicht mehr lange stark, sagt die Commerzbank.
Der Euro bleibt nicht mehr lange stark, sagt die Commerzbank.
Bild: iNg

Für die europäische Exportwirtschaft bleibt der starke Euro ein Problem. Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt deshalb keine Gelegenheit aus, um verbal dagegen vorzugehen.

Die Währungsstrategen der Commerzbank gehen sogar noch einen Schritt weiter und berichten von einem grundlegenden Umdenken bei den Entscheidungsträgern. Sie hätten vor, den Wechselkurs zum Mittelpunkt ihrer Zins- und Geldpolitik zu machen, so heisst es in einem aktuellen Kommentar.

Dem Kommentar ist auch zu entnehmen, was das für den Euro bedeutet: Die Strategen befürchten, dass die Einheitswährung in Zukunft vermehrt zur Finanzierung sogenannter Carry-Trades genutzt wird.

Der Euro könnte den Dollar als Finanzierungs-Währung ablösen

Die Korrelation vom Dollar zu den gängigsten Schwellenländerwährungen habe nachgelassen, was auf eine geringere Bedeutung des Greenbacks als Finanzierungswährung für Zinsspekulationen hindeute. Das Umdenken bei den Entscheidungsträgern der EZB spreche sogar dafür, dass der Euro den Dollar in seiner Rolle ablöse.

Das mache denn auch durchaus Sinn, strebe die US-Notenbank doch eine langsame Normalisierung ihrer Geldpolitik an. Die EZB stehe hingegen an einem Punkt, an dem sie vermutlich auf einen noch expansiveren geldpolitischen Kurs einlenken werde. Diese Kombination lasse für die kommenden Monate wenn nicht gar für die nächsten Quartale einen gegenüber dem Dollar schwächeren Euro erwarten.

Bisher neige die europäische Einheitswährung nur deshalb nicht zur Schwäche, weil die US-Notenbank die Zinserwartungen mit ihren Aussagen im Zaum halten konnte. Daran, dass sich die Geldpolitik in Übersee nach und nach normalisieren sollte, ändere sich allerdings nichts.

Entwicklung zum Franken nur am Rande betroffen

Baissespekulationen beim Euro in der Region von 1,40 Dollar seien deshalb mit deutlich geringeren Risiken verbunden als Spekulationen auf eine höhere Einheitswährung. Dennoch verzichten die Strategen im Kommentar auf eine konkrete Prognose für das Währungspaar.

Aufgrund des von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im September 2011 für den Euro eingeführten Mindestkurs bleibt eine schwächere europäische Einheitswährung aus Schweizer Sicht nur ein Nebenschauplatz. Ein Rückschlag beim Euro würde sich hierzulande vermutlich in Form eines gegenüber dem Franken festeren Dollars bemerkbar machen, was zumindest für die Exportindustrie zu begrüssen wäre.