Droht in den USA eine Rezession wie 2008?

Die Angst vor einer wirtschaftlichen Rezession der USA nach dem Vorbild von 2008 steigt. Diese sei übertrieben, schreibt aber die Commerzbank und liefert überzeugende Argumente.
15.02.2016 08:40
Von Lorenz Burkhalter
Ganz so wolkenlos ist der Himmel über der US-Wirtschaft nicht mehr.
Ganz so wolkenlos ist der Himmel über der US-Wirtschaft nicht mehr.
Bild: Marc Fischer

Während Europa stagnierte und viele Schwellenländer mit einer Wachstumsflaute zu kämpfen hatten, entwickelte sich die amerikanische Wirtschaft überraschend solide. Obschon das dortige Bruttoinlandprodukt im Schlussquartal gegenüber den vorangegangenen neun Monaten verlangsamte, wuchs es auf das Gesamtjahr betrachtet dennoch mit gut 2,3 Prozent.

Seither brauen sich jedoch dunkle Wolken am Horizont zusammen. So fiel beispielsweise der landesweite Einkaufsmanager-Index im Januar auf 48,2 Punkte. Erhebungen unter 50 Punkte deuten bei diesem vorauseilenden Indikator auf eine wirtschaftliche Kontraktion hin. Erste Ökonomen haben deshalb damit begonnen, ihre diesjährigen Wachstumserwartungen für die USA zusammenzustreichen. Das wiederum weckt bei den Anlegern Rezessionsängste.

Dem widerspricht man bei der Commerzbank vehement. Ein von der deutschen Grossbank entwickeltes Echtzeit-Modell zeigt gegenwärtig eine Rezessions-Wahrscheinlichkeit von lediglich 5 Prozent.

Dollarstärke scheint verkraftbar

Wie aus dem Economic Research der Commerzbank zu vernehmen ist, sprechen insbesondere die jüngsten Arbeitsmarktdaten dagegen, dass der amerikanischen Wirtschaft eine Kontraktion droht. In den sechs Monaten bis Ende Januar 2016 habe die private Beschäftigung in Übersee kräftig um 1,1 Prozent zugelegt, so die Experten. Alleine dadurch sei die Arbeitslosenquote um 0,4 Prozent zurückgegangen. Ihre Schlüsselbotschaft: In den sechs Monaten vor einer Rezession sei die private Beschäftigung bei früheren Gelegenheiten gerademal zwischen 0,1 und 0,3 Prozent gewachsen und die Arbeitslosenquote um durchschnittlich 0,3 Prozent gestiegen.

Die Ökonomen räumen zwar ein, dass die amerikanische Wirtschaft gegenwärtig mit Gegenwind zu kämpfen hat. Solchen sehen sie insbesondere vom starken Dollar ausgehen, hat sich dieser seit dem Sommer 2011 handelsgewichtet doch um 37 Prozent aufgewertet.

US-Notenbank wird wohl kein Öl ins Feuer giessen

Auch was die Risiken für das Finanzsystem anbetrifft, geben die Experten Entwarnung. Als Folge der Finanzkrise der Jahre 2007/08 hätten amerikanische Banken ihre Verschuldung deutlich verringert und die Eigenkapitalbasis gestärkt, so schreiben sie. Auch von den drohenden Forderungsausfällen gegenüber der heimischen Ölindustrie sehen sie keine grundlegende Erschütterung des Bankensystems ausgehen.

Nach der Zinserhöhung von Mitte Dezember sieht man die US-Notenbank eine gemächlichere Gangart einlegen. Die Ökonomen der Commerzbank orientieren sich dabei an den Renditen von fünf- bis siebenjährigen amerikanischen Unternehmensanleihen. Diese haben sich seit dem Zinsschritt vom Dezember sogar rückläufig entwickelt. Für die Experten steht deshalb fest, dass die Rezessionsängste der Anleger übertrieben sind und sich diese früher oder später wieder legen werden.

Wichtige Anhaltspunkte in Bezug auf die wirtschaftliche Situation der USA sind diese Woche für Mittwoch zu erwarten. An diesem Tag stehen sowohl Zahlen zur Industrieproduktion im Januar als auch das Protokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank zur Veröffentlichung an. Was die Industrieproduktion anbetrifft, so erwarten Experten ein moderates Wachstum von 0,4 Prozent.