Droht Novartis ein Abschreiber in Milliardenhöhe?

Novartis selber stellt den Verbleib der Augenheiltochterfirma Alcon unter dem eigenen Dach in Frage. Spekuliert wird nun bereits über milliardenschwere Goodwill-Abschreibungen.
14.11.2016 08:20
Von Lorenz Burkhalter
Die in der Augenheilkunde tätige Alcon bleibt ein Sorgenkind für Novartis.
Die in der Augenheilkunde tätige Alcon bleibt ein Sorgenkind für Novartis.
Bild: Bloomberg

Die einstige Übernahme der in der Augenheilkunde tätigen Alcon wird für das Basler Mutterhaus Novartis immer mehr zum Bumerang. In einem Interview mit der "Sonntagszeitung" räumt Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt ein, dass sich das amerikanische Tochterunternehmen in den vergangenen zwei Jahren nicht wie erwartet entwickelt hat. Gleichzeitig stellt er die Frage, ob Novartis selber überhaupt noch der beste Eigner für Alcon ist.

Mit anderen Worten: Der Gesundheitskonzern aus Basel könnte sich des unter Reinhardts Vorgänger Daniel Vasella für umgerechnet 51 Milliarden Franken übernommenen Geschäftszweigs entledigen. Als Käufer käme einerseits ein diversifizierter Medizinaltechnikkonzern, wie es sie vorwiegend in den USA gibt, andererseits aber auch ein Bieterkonsortium aus der Private Equity Industrie in Frage.

Auch ohne Verkauf drohen schmerzhafte Wertberichtigungen

Ob Novartis in Anbetracht der vorwiegend hausgemachten Probleme wieder 51 Milliarden Franken für Alcon lösen würde, gilt in Expertenkreisen allerdings als unwahrscheinlich. Es gibt sogar Schätzungen, welche das Tochterunternehmen nicht mal mehr mit der Hälfte des ursprünglich bezahlten Kaufpreises bewerten.

Kursentwicklung der Novartis-Aktie während der letzten 12 Monate, Quelle: www.cash.ch

Alcon wurde ab 2008 in mehreren Schritten von Nestlé und den Publikumsaktionären übernommen. Die Angst vor ausserordentlichen Abschreibungen auf Teilen des aktivierten Alcon-Goodwills ist nicht neu. Spätestens mit der Ergebnisveröffentlichung für das dritte Quartal von Ende Oktober erhielten solche Spekulationen wieder Auftrieb, gingen damit doch jegliche Hoffnungen auf einen raschen Turnaround in Rauch auf. Sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Gewinn (EBIT) trug das Tochterunternehmen weniger zum Gruppenergebnis bei als Analysten erhofft hatten.

Zeitpunkt für einen Verkauf gilt als ungünstig

Dass Alcon die firmeneigenen Erwartungen Jörg Reinhardt zufolge in den vergangenen zwei Jahren verfehlt hat, lässt hellhörig werden. Denn die Werthaltigkeit des für den damaligen Kauf aktivierten Goodwills stützt sich nicht zuletzt auf firmeninterne Erwartungen ab. Werden diese nicht erreicht, müsste der Goodwill eigentlich neu beurteilt und bilanzierungstechnisch einer ausserordentlichen Korrektur unterzogen werden. Dasselbe droht, sollte ein Verkauf von Alcon einen unter dem für das Tochterunternehmen bilanzierten Wert liegenden Erlös einbringen.

Generell gilt der Zeitpunkt für einen solchen Verkauf in Expertenkreisen als ungünstig. Novartis solle sich besser nach erfolgreich beendeten und nicht inmitten der eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen von diesem Geschäftsbereich trennen, so lautet der Tenor. Erst Ende Januar kündigte Novartis tiefgreifende Restrukturierungsmassnahmen und einen Transfer der pharmazeutischen Produkte von Alcon ins Pharmageschäft an. Damals hiess es beim Mutterhaus noch, dass man zum Tochterunternehmen stehe.