«Druck auf Franken wird abnehmen»

Der Franken wird zu seiner traditionellen Rolle als Finanzierungswährung zurückkehren, sagt Ian Stannard im cash-Interview. Der Währungsstratege von Morgan Stanley prognostiziert zudem dem Pfund eine schwache Zukunft.
09.09.2014 00:41
Interview: Ivo Ruch
Ian Stannard ist Leiter Währungsstrategie bei Morgan Stanley in London.
Bild: cash

cash: Der Wechselkurs zwischen Euro und Franken hat sich in den letzen Wochen sehr nahe an den Mindestkurs von 1,20 angenähert. Müsste die SNB den Mindestkurs erhöhen?

Ian Stannard: Die jüngsten Aktionen der Europäischen Zentralbank liessen Erwartungen aufkommen, die SNB könnte ebenfalls aktiv werden. Aber obwohl der Franken stärker wurde, hielt der Mindestkurs und die SNB musste nicht intervenieren. Wenn der Mindestkurs aber getestet wird, wird die Nationalbank reagieren. Ob die SNB noch weitere Massnahmen ergreift, hängt aber mehr von der Situation in der Schweiz ab. Wir erwarten zudem einen stärkeren Dollar in Bezug zum Franken und das sollte zusätzlich Druck von der Schweizer Währung nehmen.

Der Mindestkurs ist seit drei Jahren in Kraft. Wie beurteilen Sie diese Periode?

Die Schweizerische Nationalbank war sehr erfolgreich im Eindämmen der Franken-Stärke. Aber bis die Schweiz von einem deflationären in ein inflationäres Szenario kommt, dauert es noch eine Weile.

Wenn die EZB weitere Massnahmen ergreifen würde, würde das den Franken als sicheren Hafen attraktiver machen?

Ich würde es anders betrachten. Die Aktionen der EZB machen den Euro empfindlicher auf weitere geldpolitische Lockerungsmassnahmen. Der Einfluss auf den Franken wären also eher indirekter Art. Wegen den tiefen Zinsen hat die Eurozone für Investoren an Attraktivität eingebüsst. Der Franken wird zu seiner traditionellen Rolle als Finanzierungswährung zurückkehren, während der Dollar eher eine Anlagewährung wird.

Mario Draghi hat oft betont, er wünsche sich einen schwächeren Euro. Ist das das richtige Werkzeug für die Eurozone?

Ich glaube nicht, dass die EZB den Euro als Werkzeug sieht. Vielmehr wird er als Übermittlungskanal ihrer Massnahmen angesehen.

Der Euro würde also reagieren, wenn die EZB ein "quantitative easing"-Programm starten würde?

Wir erwarten kein QE-Programm. Aber wenn es das geben sollte, dann würde der Euro unter zusätzlichen Druck geraten.

Das britische Pfund geriet am Montag unter starken Druck nachdem die Befürworter schottischer Unabhängigkeit in einer Umfrage erstmals die Mehrheit haben. Was sind die Gründe dafür?

In erster Linie die zunehmende Unsicherheit. Das Referendum über die Unabhängigkeit könnte neben ökonomischen auch politische Konsequenzen haben. Zum Beispiel die Wahlen im nächsten Jahr. Unter dem Strich könnte das die Investments in Grossbritannien beeinträchtigen. Denn das Pfund war in der jüngsten Vergangenheit gerade wegen zunehmender Investments erstarkt. Ein weiterer Grund dürften die zurückgegangenen Erwartungen an die britische Wirtschaft sein. Ich erwarte, dass das Pfund bis zum Referendum hin unter Druck bleiben wird.

Was würde eine Annahme des Referendums auf lange Sicht für das Pfund bedeuten?

Das Pfund würde noch stärker unter Druck geraten. Wir sind sowieso eher zurückhaltend für das Pfund. Denn die Erholung Grossbritanniens wird sich abschwächen.

Sollten britische Exportunternehmen auf ein Ja hoffen? Schliesslich profitieren diese von einem schwachen Pfund.

In der Regel ist eine schwache Währung gut für die Exporte. Aber in diesem Fall würde die Unsicherheit über die schottische Unabhängigkeit schwerer wiegen.

 

Im Video-Interview mit cash sagt Ian Stannard zudem, welche Leitwährung einiges an Aufwärtspotenzial hat und was er von den Währungen der Schwellenländer erwartet.