Ebner: «Hände weg von Schweizer Bankaktien»

Laut Investor und Helvetic-Besitzer Martin Ebner ist das Schlimmste in der Schuldenkrise vorbei. Im cash-Interview sagt er, wieso Anleger die Finger von Banktitel lassen und besser auf zwei andere Branchen setzen sollen.
03.06.2013 08:20
Interview: Pascal Meisser
Financier und Helvetic-Besitzer Martin Ebner im cash-Video-Interview.
Bild: cash

cash: Herr Ebner, dieses Interview findet im Flughafen Bern im Anschluss an einen Helvetic-Sonderflug mit dem neu geleasten Airbus A319 statt. Sie möchten deshalb vor allem über ihre Fluggesellschaft reden. Als Banker und Airline-Besitzer sind Sie in zwei Branchen tätig, die auf eher schwierige Jahre zurückschauen. Welches Geschäft macht Ihnen mehr Spass?

Martin Ebner: Ich habe das Glück, dass ich an beiden Orten gut investiert bin. Die BZ Bank arbeitet sehr gut, und zum Glück auch die Helvetic. Deshalb machen beide Branchen Freude.

Die Helvetic hat kürzlich mit dem Airbus A319 ein neues Flugzeug in Betrieb genommen. Welche neuen Destinationen sind im Gespräch?

Der A319 hat eine grössere Reichweite und fasst mehr Passagiere als der Fokker 100. Das ermöglicht uns, an Ziele am Roten Meer und auf den Kanarischen Inseln zu fliegen.

Gut laufen auch die Finanzmärkte seit längerer Zeit. Ihr spannendstes Investment der letzten Monate?

Gar keins. Wenn ich etwas Spannendes möchte, schaue ich einen Krimi. Investieren ist bei mir seriöse Knochenarbeit.

Knochenarbeit wird auch im Steuerstreit mit den USA geleistet. Ihre Meinung zum bundesrätlichen Vorschlag?

Keine. Wir kennen noch nicht das Rahmengesetz, selbst das Parlament kennt dieses noch nicht.

Schweizer Banken drohen hohe Bussen drohen. Sie sind auch aus Investorensicht ein profunder Bankenkenner. Was raten Sie als Bankenkenner den Anlegern?

Solange weder aus den USA noch aus Europa Ruhe eingekehrt, ist man gut beraten, die Hände von Schweizer Bankaktien zu lassen – rein wegen der Risikobeurteilung. Es ist extrem schwierig, die Haltung der Amerikaner einzuschätzen.

Die UBS verschlankt die Investmentbank deutlich, auch die Credit Suisse bringt Retouchen an. Ein guter Weg?

Es geht alles in die richtige Richtung. Trotzdem: Die herrschenden Unberechenbarkeiten lassen es aus meiner Sicht nicht zu, in den Bankensektor zu investieren.

Ihre BZ Bank hat Anfang Jahr einen Pharma-Fonds lanciert. Die Bewertung der Branche ist ansehnlich gestiegen. Wieso ist sie weiterhin attraktiv?

Pharma ist eine ausserordentlich interessante Branche. Das Wachstum ist allerdings stark zurückgekommen. Die Kurssteigerung ist darauf zurückzuführen, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis expandiert hat. Nicht etwa, weil die Gewinne derart gestiegen wären. Deshalb investiere ich und die Kunden der BZ Bank in mittelgrosse Pharmaunternehmen. Mein Flaggschiff ist Galenica (an welcher die von Ebner kontrollierte Patinex 3 Prozent beteiligt ist, Anm. der Red.). Daneben kaufe ich Aktien von Biotechfirmen.

Was ist mit Novartis und Roche?

Alle grossen Pharmafirmen sind potenzielle Käufer der Biotech-Firmen, in denen ich investiert bin. Deshalb verfolge ich das Geschehen bei Novartis und Roche sehr genau – aber nicht als Investor.

Andere Aktien, die noch Potenzial aufweisen?

Ein interessantes Geschäft sind die Versicherungen.

Auf was setzen Sie? Erst- oder Rückversicherer? Sie halten ja einen Anteil von 8 Prozent an Scor...

Ja, ich persönlich bin bei der Rückversicherung engagiert. Ich bin überzeugt, dass diese vom Zinszyklus her weniger riskant sind als Erstversicherer. 

Versicherungsaktien sind dieses Jahr aber nicht wirklich gut gelaufen.

Das ist an mir vorbeigegangen. Mein Gefühl sagt mir, dass sie sehr gut performt haben.

Die Swiss-Re-Aktie hat seit Anfang Jahr 8 Prozent zugelegt, der Gesamtmarkt dagegen 16 Prozent.

Das ist Zufall. Der Zeithorizont muss länger gewählt werden, um über die Performance zu urteilen.

Für das kommende Jahr erwarten Versicherer höhere Prämieneinnahmen. Das sollte die Aktien doch antreiben?

Die Qualität der Erträge ist bei Versicherern sicher gestiegen. Sie erzielen dieses wieder mehr im Underwriting, also dort, wo das Know-how liegt, und nicht mehr vor allem mit Finanzanlagen. Das ist vielleicht gar nicht so schlecht für den Investor. Aber jetzt sollten wir dieses Thema abbrechen. Wir sind nun gar weit vom eigentlichen Thema Helvetic abgekommen.

Wechseln wir zur Euro-Schuldenkrise, von der auch die Airline-Industrie betroffen ist.

Wenn Sie es wünschen...

Ist das Schlimmste der Krise vorüber?

Ja, das glaube ich.

Weshalb?

Aufgrund der Massnahmen, die eingeleitet wurden. Die peripheren Länder wie Italien, Portugal und Spanien mussten ihre Kosten drastisch reduzieren. Damit werden sie wieder konkurrenzfähig. Jetzt schon zeihen die Exportzahlen an. Es braucht einfach alles viel Zeit.

Aber der wirtschaftliche Aufschwung bleibt weiterhin aus.

Bis dieser prononciert wird, muss man noch eine Weile warten. In Tat und Wahrheit ist er bereits da. In Spanien verdient ein Softwareentwickler rund 1500 Euro, in der Schweiz wesentlich mehr. Das ist der Konkurrenzvorteil, den sich diese Länder geholt haben – mit Schmerzen. 

Obwohl die die Konjunkturdaten aus der Euro-Zone weiterhin auf Rezession hindeuten?

Die Zahlen, die wir derzeit erhalten, sind rückblickend und damit bereits Geschichte. Ich schaue hingegen in die Zukunft.

Im Video-Interview äussert sich Ebner über Helvetic und sagt, wieso die zwei starken Partner Swiss und Kuoni keine Klumpenrisiken sind.