Economiesuisse-Direktor ist schwer erkrankt

Neuerlicher Rückschlag für den Wirtschaftsdachverband Economiesuisse: Aus gesundheitlichen Gründen kann der designierte Direktor Jean-Marc Hensch sein Amt nicht antreten. Nun wird ein Nachfolger gesucht.
10.12.2013 14:33
Jean-Marc Hensch kann das Amt nicht antreten.
Jean-Marc Hensch kann das Amt nicht antreten.
Bild: Twitterprofil

Wie der Verband am Dienstag mitteilte, trat die Krankheit vor wenigen Tagen auf. Hensch müsse sein Arbeitspensum stark reduzieren, schreibt der Verband. Das sei mit seinem neuen Posten als Direktor nicht vereinbar.

Er arbeitet heute als Geschäftsleiter beim Verband der Informations-, Kommunikations- und Organisationstechnik-Anbieter (Swico). Hensch war am 18. November vom Economiesuisse-Vorstand zum Geschäftsleiter gewählt worden.

Der 54-Jährige hätte den Posten am 1. März 2014 antreten sollen. Sein Vorgänger Pascal Gentinetta war im Juni per sofort zurückgetreten. Seither leitete Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch den Verband ad interim.

Der Wirtschaftsverband wird den Anstellungsprozess für den Direktorenposten nun "neu aufsetzen", wie er am Dienstag mitteilte. Zu gegebener Zeit werde über Entscheide informiert. Minsch bleibt demnach bis auf weiteres Geschäftsleiter. Der Verband wünscht Hensch eine baldige, möglichst vollständige Genesung.

Karriere in PR und Verbänden

Jean-Marc Hensch spricht Deutsch und Französisch als Muttersprache, ist Jurist und diplomierter PR-Berater. Während siebzehn Jahren arbeitete er im Marketing, unter anderem als Partner und Mitglied der Geschäftsleitung von Farner PR.

2003 wechselte Hensch als Direktor zum Verband der Schweizerischen Gasindustrie. Seit 2012 ist er Geschäftsführer bei der Swico.

Economiesuisse hat turbulente Zeiten hinter sich. Anfang des Jahres rebellierte der Uhrenverband gegen die Verbandslinie bei der Swissness-Vorlage. Im November zog der Verband seinen Austritt dann wieder zurück.

Abzockerinitiative als Wendepunkt

Wirklich ins Schlingern geriet Economiesuisse allerdings wegen der Abzockerinitiative. Der Verband stellte sich an die Spitze der Gegner; das Stimmvolk aber hiess die Initiative mit 67,9% deutlich gut. Economiesuisse hatte für die Abstimmung ein Budget von rund 8 Mio CHF.

In ein schlechtes Licht geriet der Verband dabei insbesondere, als bekannt wurde, dass ein Werbebüro Studenten für Online-Kommentare gegen die Initiative besoldete.

Bürgerlicherseits wurde nach der Abstimmungsschlappe kritisiert, der Verband habe ein Glaubwürdigkeitsproblem, da er zu stark mit Grossverdienern und Grossunternehmen identifiziert werde. Den Abstimmungskampf gegen die 1:12-Initiative der Juso führten in der Folge der Gewerbe- und der Arbeitgeberverband an.

Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli und Geschäftsführer Gentinetta nahmen im Sommer den Hut. Auf Wehrli folgte im August der ehemalige Axpo-Chef Heinz Karrer.

Derzeit engagiert sich der Verband stark im Kampf gegen die SVP-Initiative "gegen Masseneinwanderung" und die Ecopop-Initiative "Stopp der Überbevölkerung". Die SVP-Initiative kommt am 9. Februar 2014 zur eidgenössischen Abstimmung.

(AWP)