Edelmetall - Höhere Zinsen drücken auf den Goldpreis

Seit Anfang Juni verliert Gold an Wert. Haupttreiber dürften vor allem die steigenden Zinsen in den USA sein. Doch wie geht es mit dem Goldpreis im zweiten Halbjahr weiter?
17.07.2017 15:43
Von Pascal Züger
Gold: Einiges spricht gegen, aber auch einiges für einen Preisanstieg.
Gold: Einiges spricht gegen, aber auch einiges für einen Preisanstieg.
Bild: Bloomberg

Der Goldpreis ist an den Finanzmärkten seit einigen Wochen unter Druck. Vom Jahreshöchststand am 6. Juni bei knapp 1300 Dollar pro Unze bis heute (1231 Dollar pro Unze, Stand Montagnachmittag) beträgt der Wertverlust über fünf Prozent.

Entwicklung Goldpreis (in Dollar pro Unze) seit Anfang Juni 2017, Quelle: cash.ch

Was hat plötzlich auf den Preis geschlagen, nachdem das Edelmetall in diesem Jahr bisher an Wert zulegte? "Zwei Faktoren haben dem Goldpreis zugesetzt: Einerseits der Anstieg der realen 10-jährigen US-Anleihenrenditen. Darüber hinaus hat sich die Stimmung im Minenmarkt deutlich abgekühlt", sagt Julius-Bär-Rohstoffanalyst Carsten Menke gegenüber cash.

Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen in den USA betrug beim Goldjahreshöchststand im Juni noch 2,14 Prozent, inzwischen sind diese auf 2,29 Prozent angestiegen. Die höhere Verzinsung nagt an der Attraktivität von Gold, da dieses selbst keine Zinsen abwirft.

Gold vom Dollarkurs losgekoppelt

Daneben hat in der Vergangenheit häufig auch der Dollar auf den Goldpreis eingewirkt: Fällt der Greenback, steigt der Goldpreis an und umgekehrt. Das hat damit zu tun, dass Gold quasi die Rolle als Wertaufbewahrungsmittel übernimmt, wenn der Dollar schwächelt.

Aber genau diese Wechselwirkung ist aktuell ausser Kraft gesetzt, denn der Dollar hat sich gegenüber dem Franken und auch anderen Währungen im letzten Monat deutlich abgeschwächt. "Die Marktteilnehmer fokussieren sich auf die Realzinsen", erklärt sich Menke diese Abkoppelung des Goldes zum Dollar.

Die Frage nach der weiteren Entwicklung des Goldpreises hängt denn auch stark mit der Frage der langfristigen Zinsentwicklung zusammen. Die US-Notenbank hat zuletzt Mitte Juni ihren Leitzins auf ein Zielniveau von 1,00 bis 1,25 Prozent angehoben. Weitere Anstiege dieses kurzfristigen Zinssatzes, zu welchem amerikanische Geschäftsbanken Geld untereinander leihen können, dürften in regelmässigen Abständen folgen. Das könnte auch die langfristigen Zinsen weiter anheben - und zugleich dämpfend auf den Goldpreis wirken.

Negativ für den Goldpreis sind auch die Aussichten an der Währungsfront: Der Dollar wird sich in den nächsten Monaten gemäss Julius-Bär-Prognose wieder aufwerten. Setzt die altbekannte Dollar-Gold-Wechselwirkung wieder ein, drückt dies im zweiten Halbjahr zusätzlich auf den Goldpreis. 

Möglicher Börsencrash im Hinterkopf

Also deutet alles auf einen fallenden Goldpreis hin? Nicht ganz. "Kurzfristig motivierte Anleger sehen den Goldpreis etwas tiefer", meint zwar Edelmetall-Spezialist Menke. Mittel- bis langfristige Anleger hingegen würden dem Gold die Stange halten. "Sie verspüren möglicherweise eine gewisse Nervosität in Bezug auf die Aktienbewertung."

Menke spricht damit die Angst vor einem Börsencrash an: In einer Mitte Juni durchgeführten cash-Umfrage glaubten 42 Prozent der Teilnehmenden an eine Korrektur von mindestens 30 Prozent am Swiss Market Index in den nächsten 12 Monaten (siehe Artikel). In solchen Fällen hat sich Gold als "Krisenwährung" bewährt.

Möglicher Crash-Auslöser könnte etwa ein geopolitischer Schock sein:  Vor allem die Spannungen zwischen der USA und Nordkorea sind derzeit sehr schwer abzuschätzen. Wenn sich der Konflikt auf rein diplomatischer Ebene entwickelt, hat dies keinen Einfluss auf den Goldpreis. Eine militärische Auseinandersetzung hingegen wäre "positiv" für den Goldpreis.

Alles in allem erwartet die Bank Julius Bär aufgrund der unterschiedlich wirkenden Einflüsse einen seitwärts tendierenden Goldpreis bei ungefähr 1200 Dollar pro Unze aus Sicht von drei und zwölf Monaten. Das deckt sich mit der Einschätzung verschiedener Experten. Aber nicht mit allen: "Bullish" zeigt sich etwa die Privatbank Odier. In einem Kommentar empfiehlt sie zum Gold-Kauf, da sie viele globale Risikofaktoren sieht und gleichzeitig nicht an einen weiteren Anstieg der realen Zinsen in den USA glaubt.