Edelmetall - Leerverkäufer sitzen beim Gold fest im Sattel

Obwohl der Preis für eine Unze Gold zuletzt gestiegen ist, haben die Leerverkäufer ihre Wetten gegen das Edelmetall weiter erhöht. Die Stimmung ist so pessimistisch wie seit 17 Jahren nicht mehr.
03.09.2018 08:28
Von Lorenz Burkhalter
Gold kostet derzeit 1200 Dollar pro Unze.
Gold kostet derzeit 1200 Dollar pro Unze.
Bild: Bloomberg

Die gute Nachricht zuerst: Eine Unze Gold kostet mittlerweile wieder 1200 Dollar. Das sind gut 3 Prozent mehr als noch vor zwei Wochen. Seit Jahresbeginn errechnet sich allerdings noch immer ein Minus von 8 Prozent. Vom Jahreshoch von Ende Januar aus betrachtet beträgt es sogar mehr als 12 Prozent.

Wer nun denkt, dass die Leerverkäufer den Rückschlag auf 1160 Dollar dazu nutzten, ihre Wetten gegen das Edelmetall zu reduzieren, der irrt. Wie die Grossbank UBS in einem Kommentar schreibt, sitzen die Leerverkäufer weiterhin fest im Sattel.

Schmerzgrenze der Leerverkäufer noch nicht erreicht

An der Rohstoffbörse Comex wird unter dem Strich mit 1,27 Millionen Unzen auf einen rückläufigen Goldpreis spekuliert. Zum ersten Mal seit 17 Jahren überragt die Anzahl leerverkaufter Terminkontrakte sämtliche anderen.

Aus Sicht der Edelmetallstrategin der UBS ist die Schmerzgrenze der Leerverkäufer mit der jüngsten beim Goldpreis beobachteten Erholung noch nicht erreicht. Mit konkreten Angaben, wo diese Schmerzgrenze liegen könnte wartet sie zwar nicht auf. Wie die Strategin aber durchblicken lässt, braucht es wohl erst eine kräftigere Erholung.

Entwicklung des Preises für eine Unze Gold über die letzten 12 Monate (Quelle: www.cash.ch)

Rückblickend scheint man das Rückschlagspotenzial bei der UBS unterschätzt zu haben. Noch vor wenigen Wochen hiess es, die Gold-Unze werde in der Region von 1200 Dollar Boden finden. Die Grossbank rechnet im weiteren Jahresverlauf mit einem höheren Goldpreis, wenn auch von einem tiefer als ursprünglich gedachten Stand aus.

Auch Julius Bär hält den Pessimismus für übertrieben

Wie es heisst, dürften dem Edelmetall neben der physischen Nachfrage auch die nachlassenden Zinserwartungen eine Stütze geben. Dass die US-Notenbank in gut zwei Wochen die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte anheben wird, gilt als sicher. Angesichts der negativen Folgen der Handelsstreitigkeiten auf die Realwirtschaft ist ein weiterer Zinsschritt im Dezember hingegen nicht mehr länger in Stein gemeisselt. Sollte die US-Notenbank im Dezember mit einer Leitzinserhöhung zuwarten, spräche das für einen schwächeren Dollar und einen festeren Goldpreis.

Keine zwei Wochen ist es her, dass Gold aus einer ungewohnten Ecke Zuspruch erhielt. Die Stimmung sei übertrieben pessimistisch und das weitere Abwärtsrisiko dadurch gering, so schrieb man damals bei Julius Bär. Die Zürcher Bank traut dem Edelmetall einen Anstieg um bis zu 10 Prozent zu, sollte der Pessimismus nachlassen (cash berichtete).

Andere Banken sind hingegen auch weiterhin eher zurückhaltend als die UBS und Julius Bär.