Edelmetall unter Druck - Unterstützung für den angeschlagenen Goldpreis

Der Goldpreis ist in den letzten Wochen immer wieder stark unter Druck gekommen. Die Verunsicherung bei den Anlegern ist gross. Die UBS bleibt jedoch zuversichtlich und mahnt zur Besonnenheit.
06.07.2017 08:31
Von Lorenz Burkhalter
Gold übt seit je her eine Faszination auf den Menschen aus.
Gold übt seit je her eine Faszination auf den Menschen aus.
Bild: Bloomberg

Seit Wochen durchleben Anleger beim Gold eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ein starker Anstieg liess den Preis für eine Unze des Edelmetalls bis Mitte April auf über 1290 Dollar steigen. Dann folgte ein Rückschlag, gefolgt von einem erneuten Vorstoss in Richtung der Jahreshöchststände. Seit gut drei Wochen zeigt die Goldpreisentwicklung nun wieder nach unten. Am Donnerstag im asiatischen Handel tauchte die Unze vorübergehend sogar in die Nähe des Zwischentiefs von Anfang Mai bei 1216 Dollar. Dadurch hat sich das Plus seit Jahresbeginn von 12 auf 6 Prozent halbiert, was bei den Anlegern für Verunsicherung sorgt.

Zur Besonnenheit mahnt nun die Edelmetallstrategin der UBS Investmentbank. In einem Kommentar räumt sie zwar ein, dass das Gold etwas angeschlagen sei. Das gelbe Metall habe wichtige charttechnische Unterstützungslinien verletzt. Zudem könnten nach der US-Notenbank auch andere führende Zentralbanken auf einen weniger expansiven geldpolitischen Kurs umschwenken, so lässt die Expertin durchblicken. Wie sie weiter schreibt, sind die Edelmetallmärkte mit dem Sommerbeginn jedoch in eine wenig aussagekräftige Phase eingetreten.

Impulse dürften vom Dollar ausgehen

Ihre Schlüsselbotschaft: Die jüngste Schwäche beim Goldpreis sollte den Anlegern deshalb keine schlaflosen Nächte bescheren. Und um dieser beruhigenden Aussage Nachdruck zu verleihen, bekräftigt die UBS-Strategin die diesjährige Unzen-Prognose von durchschnittlich 1'300 Dollar.

Schon seit Wochen geht es runter fürs Gold (Quelle. www.cash.ch)

Neue Impulse erhofft sie sich vom schwachen Dollar. Schon seit Jahren besteht eine Wechselwirkung zwischen dem Goldpreis und dem Greenback. Steigt der Dollar, fällt der Preis für das Edelmetall, und umgekehrt. Seit wenigen Wochen führt das Gold allerdings ein Eigenleben. Nicht auf Dauer, wenn man der Expertin Glauben schenken darf.

Ihres Erachtens bieten die kommenden Monate den Anlegern eine gute Gelegenheit, um das Risikoprofil des Wertschriftenportfolios mit dem Aufbau einer strategischen Goldposition zu verbessern. Sie sieht im Edelmetall denn auch einen Schutz vor den gedrückten Realzinsen, dem schwächeren Dollar sowie den zahlreichen (geopolitischen) Gefahrenherden.

Rolle von Gold als Depotbeimischung nicht unumstritten

Anleger sollten mindestens 5 Prozent ihres Wertschriftenvermögens in Gold halten, so lautet eine alte Faustregel. Einige Banken predigen gar einen Edelmetall-Anteil von bis zu 20 Prozent fürs Depot. Der Grund: Da das Gold ein Eigenleben fernab der Kursentwicklung von Anleihen und Aktien führt, wird ihm nicht nur eine risikodämpfende, sondern auch eine die Rendite auf lange Sicht erhöhende Rolle nachgesagt. In der Finanzmathematik spricht man in diesem Zusammenhang auch vom sogenannten "Diversifikationseffekt".

Erst kürzlich stellte die Zürcher Traditionsbank Julius Bär diesen Effekt in einer 16-seitigen Studie jedoch in Frage. Es lasse sich nicht mit Zahlen unterlegen, dass sich in einem langfristig ausgerichteten Wertschriftenportfolio mit einem Edelmetall-Anteil ein Mehrwert erzielen lasse, so die ernüchternde Erkenntnis der Studienautoren.

Auch was die vom Dollar ausgehenden Impulse anbetrifft, ist man sich bei den beiden Schweizer Banken nicht einig. Denn anders als die UBS Investmentbank sieht Julius Bär die US-Notenbank ihre Leitzinsen weiter anheben. Das am Mittwoch veröffentlichte Protokoll der letzten Notenbanksitzung scheint diese Annahme jedenfalls bestätigen zu wollen. Von den Anleihenkursen lässt sich in New York mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent für einen baldigen Zinsschritt ableiten.