Edelmetall wird teurer - Gold hält sich wieder einmal nicht an die Theorie

Was für Gold in der Praxis funktioniert, funktioniert selten in der Theorie: Die letzten drei US-Zinserhöhungen haben sich nicht negativ, sondern positiv auf das Edelmetall ausgewirkt. Wie es nun weitergehen könnte.
26.02.2017 11:35
Glänzend und wertvoll: Goldbarren.
Glänzend und wertvoll: Goldbarren.
Bild: Pixabay

Gold verteuerte sich um rund sieben Prozent, seit die Federal Reserve ihre Zinsen am 14. Dezember angehoben hat. In den zwei Monaten nach der vorherigen Straffung im Dezember 2015 kletterte der Goldpreis um 13 Prozent, und sechs Prozent waren es damals nach dem Zinsschritt im Juni 2006.

Teilweise lag das an rationalen Erwartungen, teils an anderen Dingen, die für Störfeuer sorgten. Diesmal gehört auch die Präsidentschaft von Donald Trump dazu. Unsicherheiten im Zusammenhang mit seiner Regierung haben die Märkte seit seiner Wahl am 8. November beherrscht.

Anfänglich waren Edelmetalle noch unter Druck geraten. Anleger reagierten auf die Zusage von Trump, die Wirtschaft über Infrastrukturausgaben kräftig anzukurbeln. Das würde die Erträge von Vermögenswerten wie Aktien steigern und das Interesse an sicheren Häfen wie Gold schmälern.

ETF-Zuflüsse und chinesisches Neujahr

Doch da Trump seine Zeit bislang auf andere Fragen ausrichtet, stoppte der Trend schnell und kehrte sich um. Die Fed-Zinserhöhung im Dezember stellte mal wieder den Zyklustiefpunkt für Gold dar, und auch die Erwartung weiterer Straffungen vermochten einen weiteren Preisanstieg nicht aufzuhalten.

"Der Markt sorgt sich vor einem Ereignis mehr als danach", schrieb Ole Hansen, Leiter Rohstoffstrategie bei Saxo Bank, in einer E-Mail. "Sobald die Straffung vorbei war, kam ein ausgewogeneres Bild auf, und zusammen mit einem Realitätcheck des möglichen Trump-Effekts tat das sein Übriges."

Anleger in den grössten mit Gold unterlegten börsengehandelten Fonds haben in diesem Monat 44 Tonnen zugekauft, was dem Edelmetall zu einem Preisanstieg um vier Prozent auf etwa 1240 Dollar je Feinunze verhalf. Zuvor hatte das chinesische Neujahrsfest im Januar für saisonalen Auftrieb gesorgt, weil die Chinesen zu diesen Feiertagen gerne Gold verschenken.

"Es scheint fast so, als ob ein grosser Fondsmanager in den Markt kommt", sagte Bernard Dahdah, einer der treffsichersten Prognostiker der London Bullion Market Association. "Das werden wir erst im nächsten Quartal erfahren."

Zumindest einer von ihnen äusserte sich öffentlich dazu. Milliardär Stan Druckenmiller sagte diesen Monat, er sei im Dezember und Januar als Käufer aufgetreten - wegen der fehlenden Klarheit über die US-Regierungspolitik.

Politische Risiken im Fokus

Es gibt noch andere Gründe, vor politischen Unsicherheiten Zuflucht zu suchen. In Deutschland und den Niederlanden stehen Wahlen an, während Grossbritannien noch immer über die Bedingungen für den Austritt aus der Europäischen Union feilscht.

In Frankreich schlug Marine Le Pen, die Parteichefin des Front National, vor, die Kontrolle über die Zentralbank zu übernehmen, Geld zur Finanzierung des Sozialstaats zu drucken und Frankreich aus dem Euroraum zu führen - natürlich unter der Annahme, dass sie die Präsidentschaftswahlen im Lande auch gewinnt.

"Anleger suchen noch immer nach einer Zuflucht", sagt Analystin Eily Ong von Bloomberg Intelligence.

(Bloomberg)