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Ein Dividenden-Liebling auf Abwegen?

Die Zurich-Aktie hat an Glanz verloren. Eine Milliardenübernahme in Grossbritannien soll das Image des Versicherers wieder aufpolieren. Aber wenn das schief geht: Bleibt Zurich nur noch die Aura der Dividendenperle?
17.08.2015 15:09
Von Marc Forster
Anleger wissen: Die Zurich Insurance Group zahlt gute Dividenden.
Anleger wissen: Die Zurich Insurance Group zahlt gute Dividenden.
Bild: ZVG

Am Markt wird nicht gut über die Zurich Insurance Group gesprochen. Dies erstaunt etwas, denn auch Kleinanlegern wurde in der Vergangenheit die Zurich-Aktie immer wieder ans Herz gelegt, nicht zuletzt dank der seit Jahren überdurchschnittlichen Dividende. Da ist es für Zurich wohl wenig tröstlich, dass die Anlagestrategen die Schweizer Versicherer derzeit generell etwas kritisch sehen.

Der Grund für den Image-Schaden liegt zum einen in der operativen Leistung von Zurich. Die Zweitquartalszahlen des grössten Schweizer Versicherungskonzerns, die am 6. August herausgegeben wurden, haben enttäuscht. Die Sachversicherung, das grösste Geschäft des weltumspannenden Unternehmens, ist punkto Profitabilität wegen gestiegenen Schadenlasten zurückgefallen. Dass die Kosten immer noch zu hoch sind, ist aber das grössere Problem.

Kostenbremse wirkt noch nicht

Das Management um CEO Martin Senn ist zwar auf die Bremse getreten; die Früchte von Kostenprogrammen, die auch einen Stellenabbau enthalten, kann der Konzern offenbar erst im ersten Quartal 2016 ernten. Die Restrukturierungskosten im laufenden Jahr sind wahrscheinlich höher als dies die Zurich Ende 2014 gegenüber den Investoren in Aussicht gestellt hatte.

Die Aktie des Versicherers fiel am Berichtstag deutlich. Ein Paukenschlag kam schon am frühen Morgen: Die Zürcher Kantonalbank stufte den SMI-Titel auch gleich noch von Übergewichten auf Marktgewichten herunter, rät also zur Vorsicht beim Kauf. Nicht zum ersten Mal verfehlte Zurich die Analystenprognosen und gab den Experten damit allen möglichen Grund zum Mäkeln. Einig sind sich die Experten bezüglich der Aktie nicht: Kaufs-, Verkaufs- und Halteempfehlungen sind bunt gemischt. Zur aktuell 286 Franken teueren Aktie weist das Tableau Kursziele zwischen 245 und über 340 Franken aus.

In den vergangenen Monaten hat sich das Papier volatil gezeigt. Seit Anfang April hat der Titel fast 15 Prozent verloren, ausschlaggebend waren dabei auch der Dividendenabschlag; Seit Anfang Jahr beträgt das Minus 7,6 Prozent. Zwischendurch sorgten erst Gerüchte und dann die Gewissheit von News für Aufsehen: Seit Ende Juli ist bekannt, dass Zurich an der britischen Versicherung Royal & Sun Alliance (RSA Group) interessiert ist. Dies löst an den Märkten gemischte Gefühle aus.

Grossbritannien-Deal mit Fragezeichen

Geboten sind 530 Pence, als Übernahmepreis werden 550 bis 600 Pence pro RSA-Aktie genannt. Bis spätestens am 25. August muss Zurich zu den RSA-Plänen Farbe bekennen.

Strategisch, so sind sich die Experten einig, könnte Zurich das Geschäft mit dem britischen Anbieter auf sinnvolle Weise arrondieren. Der Konzern würde vor allem in Grossbritannien und Irland stärker, könnte sich aber auch in Kanada und Lateinamerika ausweiten, und das skandinavische RSA-Geschäft könnte entweder als Einstieg in den lukrativen Markt dienen, oder für gutes Geld verkauft werden.

Es bestehen aber Ängste, dass die Übernahme des Londoner Unternehmens überteuert sein wird. Zurich hat drei Milliarden Dollar Überschusskapital, müsste aber für einen ähnlich hohen Betrag Bonds herausgeben oder weitere Finanzierungsquellen finden, um RSA zu kaufen. Schon bei rund 550 Pence Übernahmepreise müsste Zurich zudem  deutliche Synergien vorweisen können, um die Märkte zu überzeugen.

Welche Dividende geht, welche nicht?

Würde ein RSA-Deal möglicherweise gehegte Phantasien von Sonderdividenden in Luft auflösen? Stefan Schürmann, Versicherungsanalyst bei der Bank Vontobel, sagt dazu: "Die Message ist klar - entweder wendet die Zurich Mittel für eine Sonderdividende oder einen Aktienrückkauf auf, oder Zurich verwendet die Mittel für die Akquisition." Sinnvoll sei die Übernahme schon deswegen, weil die Zurich im Nichtleben-Geschäft vorwärts machen müsse.

Es gibt kritischere Stimmen, die sogar glauben, dass gar die reguläre Dividende gekappt werden müsste, um den UK-Deal zu stemmen - wohl sind dies aber Minderheitsmeinungen. Seit längerem schüttet die Zurich 17 Franken auf eine Aktie aus und dürfte dieses Niveau gemäss den meisten Beobachtern beibehalten.

Die Dividendenrendite betrug im vergangenen Jahr knapp 6 Prozent. Die Dividende hat sich stets als Stütze für den Kurs erweisen, doch muss sowohl der RSA-Deal (wenn er denn kommt) gute Resultate liefern, als auch die operative Leistung besser werden, damit die Anleger die Zurich wieder liebgewinnen.