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Ein Ex-Paar driftet weiter auseinander

Firmen spalten sich auf, weil zwei Gesellschaften allein erfolgreicher werden sollen - auch beim Aktienkurs. Bei Rieter und Autoneum, die sich 2011 trennten, entwicklten sich die Aktien zuletzt aber verschieden.
13.01.2015 14:02
Von Marc Forster
Autoneum hat den Weg zu wachsender Profitabilität gefunden.
Autoneum hat den Weg zu wachsender Profitabilität gefunden.
Bild: ZVG

Innerhalb von knapp einer Woche ist die Autoneum-Aktie um gut 11 Prozent gestiegen. Der Kurs klettert aber schon seit Oktober stetig nach oben. Mit 189 Franken ist die Aktie noch etwas vom Anfang April 2014 erreichten bisherigen Rekordstand von 209 Franken entfernt. Die UBS hat das Kursziel vor kurzem von 170 auf 195 Franken angehoben, bei Vontobel ist es schon sei längerem bei 190 Franken.

Zwar läuft das Geschäft mit Dämmsystemen gegen Lärm und Hitze in Autos nicht in allen Märkten gleich rund, doch orten die Analysten der Neuen Helvetischen Bank (NHB) der Winterthurer Firma noch einiges an Potenzial: Das Unternehmen habe eine starke Führung und habe die Profitabilität enorm verbessert, könne dort aber noch mehr erreichen, heisst es in einem Kommentar von Ende Oktober. Zudem dürfte der seit Ende 2014 beobachtete massive Aufschwung der US-Autoindustrie einem Branchenzulieferer wie Autoneum nützen.

Autoneum existiert unter diesem Namen erst seit Mai 2011, nachdem sich Rieter-Gruppe auf das Textilmaschinengeschäft beschränkte und die Autozulieferer-Tocher als eigenes Unternehmen an die Börse brachte. Am Anfang lief die Aktie schlecht, doch seit Anfang 2013 steigt der Kurs dank erkennbaren Ergebnisverbesserungen. Heute ist der Autoneum-Titel 86 Prozent mehr wert zur Zeit des Börsengangs. Die NHB-Analysten erwarten, dass Autoneum vor allem mit Innovation dem Preis- und Margendruck in der Autozulieferbranche standhalten wird. Beispielsweise könne das Geschäft von der angestrebten Reduktion von Fahrgeräusch- und CO2-Emissionen profitieren.

Der Kurs von Rieter und Autoneum während 5 Jahren (Quelle: cash)

Ein ganz anderes Bild zeigt Rieter: Das Papier des Textilmaschinenbauers Rieter ist heute 35 Prozent weniger wert als Ende Mai 2011. Seit vergangenem Juli ging es mit der Aktie nur noch bergab - der Kursverlust über das letzte halbe Jahr beträgt rund 30 Prozent. Zwar steht der über 200 Jahre alte Name für hocheffiziente Textilmaschinen und ein hervorragendes Renommée und auch das Kostemanagement funktioniert, aber das Geschäft bleibt zyklisch. Investitionen haben in den letzten Jahren den Gewinn gedrückt und die Entwicklung der Märkte bleibt unstet.

Bei den Analysten der UBS und Baader Helvea steht die Aktie, die aktuell 160 Franken wert ist, auf dem Kaufzettel. Vontobel hingegen hat den Titel Ende Oktober von Buy auf Hold zurückgestuft. Bei der Credit Suisse tragen Rieter immer noch das Prädikat 'Outperform', allerdings senkte die Grossbank das Kursziel von 260 auf 210 Franken.

Rieter fehlt das, was Autoneum gelingt: Eine Verbesserung der Profitabilität. Der tiefe Marktanteil bei mittelteuren Maschinen, die aktuell am schnellsten wachsen, sind laut der Analyse der Zürcher Kantonalbank eine der Hauptschwächen von Rieter. Auch hat Rieter zu wenig Geschäft in Indien und China. Würde das Unternehmen dort und im Markt mittelpreisiger Maschinen expandieren wollen, käme es möglicherweise zu einem schädlichen Preiskampf und einem Zerfall der Margen.