Ein Fall für Abenteurer: Die besten und schlechtesten Börsen 2016

Ein Aktienmarkt in Zentralasien schlägt 2016 die USA, Deutschland und die Schweiz. Auch Peru, Pakistan und Namibia sind viel besser als die etablierten Börsen. Dennoch bleiben exotische Aktienmärkte ein Risiko.
28.12.2016 16:30
Von Marc Forster
Blick auf das Finanzzentrum von Almaty, der grössten Stadt in Kasachstan.
Blick auf das Finanzzentrum von Almaty, der grössten Stadt in Kasachstan.
Bild: Pixabay

Der SMI fällt 2016 um 6,5 Prozent zurück. Der Dax in Frankfurt legt etwa um so viel zu, wobei die Performance des deutschen Leitindex Dividendenzahlungen anders als beim SMI mit berechnet. Der Dow Jones schafft immerhin ein sattes Plus von 17 Prozent.

Aber das ist noch nichts im Vergleich zum Kazakhstan Stock Exchange, kurz KASE. Dieser Index schaffte im Jahresverlauf, in Dollar gerechnet, ein Plus von 61,6 Prozent.

Der KASE Index enthält neun Aktien, vor allem Banken und Rohstoffunternehmen. Das Wirtschaftswachstum des zentralasiatischen Landes war dieses Jahr eher bescheiden, nur 0,1 Prozent. 2011 etwa verzeichnete das Land noch 7,5 Prozent Wachstum. Laut der Asiatischen Entwicklungsbank leidet das Land unter dem tiefen Ölpreis, hoher Inflation, einem Leistungsbilanzdefizit und Währungsturbulenzen.

Aber gerade vor einem Hintergrund wirtschaftlicher Instabilität fliesst oft viel Geld in Aktien, die Inflationsschutz bieten. So erklärt sich der Spitzenplatz des kasachischen Aktienmarktes. Auf ähnliche Weise lässt sich auch die Positionen der Leitindizes von Peru (Rang 2), Pakistan (Rang 5) oder Namibia (Rang 6) im Jahr 2016 erklären.

Die zehn besten Börsen 2016

Börsenplatz Land Performance in Prozent
Kazakhstan KASE Stock Exchange Kasachstan 61,6
S&P/BVL Peru General Index Peru 58
Brazil Ibovespa Index Brasilien 56,7
Russian RTS Index Russland 52
Karachi 100 Index Pakistan 42,3
Namibia Overall Index Namibia 37,3
Budapest Stock Exchange Index Ungarn 27,8
MASI Free Float Index Marokko 24,7
Colombia Colcap Index Kolumbien 23,6
Venezuela Stock Market Index Venezuela 23

Quelle: Bloomberg, Angaben in Dollar (Stand: 22. Dezember 2016)

Wer in diese Aktienmärkte investieren will, muss nach Exchange Traded Funds (ETF, oder: Börsenkotierte Indexfonds) mit der Bezeichnung "Frontier Markets" Ausschau halten. Ein Frontier Market ist ein Land in der Vorstufe zum Schwellenland. Der Name kommt aus dem geschichtlichen Begriff Frontier, der ein angrenzendes, aber noch unbesiedeltes oder unerforschtes Land bezeichnet. Abenteuer also: Einen Börsenmarkt wie Ghana, die Mongolei oder Marokko, aber auch einiger osteuropäischer Länder zu betreten erfordert für westliche Investoren tatsächlich den Mut der Eroberer.

Was auch aber auch wahr ist: Diese Länder bemühen sich oft, ein investorenfreundliches Klima zu schaffen. Nur bleiben dort die Risiken gross. An den Aktienmärkten solcher Frontier-Länder sind hohe Kurssteigerungen nicht unüblich, allerdings ist fraglich, ob sie sich so leicht wiederholen.

Grosse Schwellenländer vorn

Die Charakteristika von Frontier-Märkten treffen allerdings auch die grossen Schwellenländer Brasilien (Rang 3) und Russland (Rang 4) zu. Russland ist von Westen mit Sanktionen belegt, scheint aber die Rezession der vergangenen zwei Jahre zu überwinden. Der Aktienmarkt boomt. Fragt sich aber auch, wie lange noch.

Die Wirtschaft im Olympia-Gastgeberland Brasilien durfte 2016 um rund 3,5 Prozent geschrumpft sein, der Leitzins liegt bei 13,25 Prozent, und im Staatsapparat grassiert die Korruption. Allerdings stieg der Index monatelang in der Erwartung, dass Staatschefin Dilma Rousseff stürzt: Ende August würde sie aus dem Amt gehoben. Der Index stieg weiter und erhielt erst durch die Trump-Wahl in den USA einen kleineren Dämpfer.

Der venezolanische Aktienmarkt liegt 2016 nur noch auf Platz 10. Es gab Jahre, da legte die Börse von Caracas um 300 Prozent zu, getrieben auch Investoren, die angesichts von wirtschaftlichem Totalchaos und Hyperinflation in neben Gold in Aktien schlicht die einzige verlässliche Anlage sahen. Diesmal ist der Aktienmarkt in Venezuela "nur" um 23 Prozent gestiegen – was auch damit zu tun hat, dass die Landeswährung Bolivar gegenüber dem Dollar stark abgewertet hat.

Banken belasten Italien, Pharma belastet Dänemark

Das Schlusslicht im Ranking ist Nigeria – der Markt fiel um 41,4 Prozent und liefert einen Beweis mehr, dass Frontier-Märkte traditionell einmal unter den absoluten Tops und einmal unter den totalen Flops figurieren.

Zu dem Börsenplätzen mit der schlechtesten Performance gehören aber auch Mailand (FTSE MIB, -14,2 Prozent), Kopenhagen (-17,4 Prozent) und Shanghai (-17,9 Prozent). Italien und Dänemark gehören zu den wenigen Industrieland-Aktienmärkten, die noch schlechter abschnitten als der SMI. Auf Italien lastet die ungewisse Zukunft des Landes im Euro und die schwere Bankenkrise. Der FTSE MIB der Mailänder Börse umfasst 40 Titel, darunter die Krisenbanken Unicredit und Monte dei Paschi di Siena.

Die Börse in Kopenhagen leidet unter einem ähnlichen Problem wie der SMI: Im 20-Titel Index OMX Copenhagen dominieren Pharmakonzerne wie Novo Nordisk und Novozymes oder die Chemiegruppe Chr. Hansen, die wie Roche und Novartis stark nachgaben. Auch die Brauerei Carlsberg oder der Energieversorger Vestas Wind Systems belasten den nordischen Index.

Der Shanghai Composite schliesslich hat  sich das Jahr über von seinem massiven Sturz im Januar erholt, liegt aber immer noch deutlich tiefer als zum Jahresbeginn. An dieser Fernost-Börse lässt sich somit ablesen, dass missglückte Stabilisierungsmassnahmen von Regierung und Notenbank und die Folgen der Überhitzung des chinesischen Marktes sind noch nicht ausgestanden sind.

Die schlechtesten Börsen 2016

Börsenplatz Land Performance in Prozent
FTSE MIB Index Italien -14,2
Laos Composite Index Laos -14,8
PSI 20 Index Portugal -16,9
Lusaka Stock Exchange Sambia -17,3
OMX Copenhagen 20 Index Dänemark -17,4
Shanghai Stock Exchange Composite China -18
GSE Composite Index Ghana -24,5
MSE Top 20 Index Mongolei -25,5
EGX 30 Index Ägypten -29,9
Nigeria Stock Exchange All Shares Nigeria -41,4

Quelle: Bloomberg, Angaben in Dollar (Stand: 21. Dezember 2016)