Ein Hoch auf Patrioten-Aktien

Der starke Franken spielt Unternehmen in die Karten, die den grössten Teil des Umsatzes in der Schweiz generieren. Erstaunlich viele von ihnen gehören zu den besten Titeln des laufenden Jahres.
16.03.2015 01:05
Von Ivo Ruch
Erinnert an die Ur-Schweiz: das Willhelm-Tell-Denkmal in Altdorf.
Erinnert an die Ur-Schweiz: das Willhelm-Tell-Denkmal in Altdorf.
Bild: iNg

Es wird wieder in Schweizer Unternehmen investiert. Seit dem Kursrutsch vor zwei Monaten (Stichwort: Aufgabe Mindestkurs) hat sich die Schweizer Börse in beeindruckender Manier zurückgekämpft. Nur noch wenige Zähler fehlen dem Swiss Market Index (SMI) bis zum Jahreshoch bei 9292 Punkten. Milliarden von Anlegergeldern sind also zurück in Schweizer Aktien geflossen.

Betrachtet man die Performance der einzelnen Titel am Schweizer Aktienmarkt des laufenden Jahres fällt zudem auf: Erstaunlich viele der besten Unternehmen sind sogenannte Binnen-Aktien. Also Firmen, die den grössten Teil ihres Umsatzes in der Schweiz erwirtschaften. Den Swiss Performance Index (YTD: +3 Prozent) lassen sie deutlich hinter sich (siehe Tabelle).

Solche Aktien könnten auch in Zukunft zu den Gewinnern gehören. Sie sind nicht nur einigermassen gut geschützt gegen weiter drohende Währungsturbulenzen, weil sie einen tiefen Fremdwährungsanteil aufweisen. Auch profitieren sie davon, dass die Schweiz im internationalen Vergleich immer noch relativ gut dasteht.

Zum Problem könnte allerdings ein deutlicher Wirtschaftsabschwung in der Schweiz werden. Kurz nach der Aufgabe des Mindestkurses prophezeiten mehrere Ökonomen eine Rezession für das laufende Jahr. Mittlerweile hat sich der Staub etwas gelegt. Neuste Zahlen der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH erwarten einen BIP-Anstieg von 0,5 Prozent für 2015 und von 1 Prozent für 2016. Eine weitere Gefahr ist der Import- und Margendruck.

Resistente Telekom-Aktien

Schon kurz nach dem SNB-Schock wurde klar, dass der Telekomriese Swisscom vom starken Franken wenig betroffen sein dürfte. Denn die Aktie kam fast als einzige unbeschadet durch das Börsengewitter vom 15. und 16. Januar. Das Unternehmen mit impliziter Staatsgarantie bietet zudem nach wie vor eine interessante Dividendenrendite von 4 Prozent und kommunizierte kürzlich eine Preisoffensive für das Telefonieren im Ausland.

Noch nicht ganz so etabliert ist der Konkurrent Sunrise. Nach dem fulminanten Börsendebüt fehlt der Aktie zwar noch etwas eine klare Richtung. Aber auch der Börsenneuling lockt die Anleger mit einer ähnlich hohen Ausschüttung wie Swisscom.

Zwar gilt der Schweizer Mobilfunkmarkt als einer der lukrativsten überhaupt. Aber der Einstieg von Xavier Niel bei Orange Schweiz könnte das bald ändern. Denn mit seinem Telekommunikationskonzern Illiad rollte der milliardenschwere Unternehmer schon den französischen Mobilfunkmarkt innerhalb von gerade mal zwei Jahren mit einer aggressiven Preispolitik von hinten auf. Es darf vermutet werden, dass Niel in der Schweiz ähnlich vorgehen wird.

Beliebte Schweizer Immobilien

Der Preisanstieg bei Schweizer Wohneigentum hat sich im letzten Jahr etwas verringert. Aber immer noch erfreuen sich Immobilien hierzulande grosser Beliebtheit. Das spielt Immobiliengesellschaften, die sich auf den Schweizer Markt konzentrieren, in die Karten. Hierzu gehören PAX, Hiag, Allreal oder Zug Estates. Peach Property und Züblin haben hingegen relativ grosse Engagements im Ausland.

Vom hiesigen Bauboom profitieren auch Baufirmen oder in der Schweiz verankerte Zulieferer. Hier können Titel wie Burkhalter, Implenia, Metall Zug oder Walter Meier genannt werden, die alle zwischen 70 und 100 Prozent des Umsatzes in der Schweiz machen, wie Zahlen der Bank Vontobel zeigen.

Detailhandel und Tourismus: Ja, aber

Intersport oder Mobilezone generieren den grössten Anteil ihre Umsatzes in der Schweiz. Insbesondere der Handyanbieter ist dabei eine spannende Story. Mobilezone kehrt nicht nur zurück zu einer stolzen Dividendenrendite von 5 Prozent. Der Konzern dürfte in Zukunft auch von weiteren Produktneuheiten von Apple und Samsung profitieren, sowie von neuen, günstigeren Preisplänen der Telekomanbieter.

Die starke einheimische Währung macht Reisen ins Ausland billiger. Das ist positiv für Tourismusunternehmen wie Kuoni, Bravofly oder der Flughafen Zürich. Gleichzeitig ist der starke Franken aber auch ein Fluch. Und zwar für den Detailhandel sowie die Tourismusbranche. Konsumenten fahren ins Euro-Ausland, um einzukaufen. Und für ausländische Touristen wird die Schweiz zusehends unerschwinglich. Zu den Leidtragenden könnten langfristig die Jungfraubahn oder die Titlisbahnen gehören.

Kantonalbanken im Aufwind

Ein Blick auf den Banken-Index des Schweizer Aktienmarktes zeigt deutlich: Es sind die Kantonalbanken, die sich in diesem Jahr auf den vordersten Plätzen einreihen (siehe Tabelle). Mit ihrem auf den Schweizer Markt fokussierten Geschäftsmodell sind sie eindeutig besser durch die Börsenturbulenzen gekommen als die Grossbanken. Der geringe Free Float dieser Staatsinstitute macht die Aktien allerdings nur etwas für Anleger mit Sitzleder.

Ebenfalls erwähnen muss man die Aktie des Kreditinstituts Cembra. Hier liegt der Fokus in den Bereichen Konsumkredite, Autoleasing und Kreditkarten.

 

Performance ausgewählter Binnen-Aktien

Titel Performance 2015, in %
Burkhalter +24
Mobilezone +17
PAX +17
Implenia +16
Kuoni +16
Bravofly +14
Berner KB +12
KB Basel +12
Zug Estates +11
Walter Meier +10

Quelle: cash.ch, Stand 13.03.2015