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«Ein neues Kaufsignal für den SMI»

Das neue Mehrjahreshoch des SMI bedeutet aus charttechnischer Sicht ein Kaufsignal, sagt Sophia Wurm. Die Commerzbank-Analystin nennt im cash-Börsen-Talk gute und weniger gute europäische Börsenindizes.
16.05.2014 01:00
Von Daniel Hügli
Commerzbank-Analystin Sophia Wurm im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Der Swiss Market Index hat in dieser Woche die Marke von 8545 Punkten, die ein Mehrjahreshoch bedeutete, überschritten. Er liess dann sogar die Marke von 8600 Punkten deutlich hinter sich. In dieser Region notierte die Schweizer Börse letztmals im Dezember 2007.

Das neue Mehrjahreshoch des Schweizer Leitindex "ist ein neues Kaufsignal für den SMI, die Lage hat sich durchaus verbessert", sagt Sophia Wurm im cash-Börsen-Talk. Wurm ist Chartanalystin und befasst sich mit der technischen Analyse und Index Research von deutschen und europäischen Aktienindizes bei der Commerzbank in Frankfurt.

Positiv sei vor allem, dass die SMI-Schwergewichte Nestlé und Novartis in letzter Zeit "sehr gut gelaufen sind", so Wurm. In der Tat hat die Aktie von Novartis jüngst ein neues Allzeithoch erklommen, der Titel kratzt an der Marke von 80 Franken. Auch die Aktie von Nestlé erreichte am Donnerstag eine neue Rekordmarke.

Bereits dreimal - im Januar, im Februar und Ende März - hatte der Schweizer Leitindex Anläufe nach oben genommen und die Marke von 8500 Punkten ins Visier genommen. Der Index fiel dann aber immer wieder zurück - sogar auf 8100 Punkte noch Mitte März. Der Rückfälle waren bezeichnend für das bislang volatile Handelsjahr 2014.

Das neue Mehrjahreshoch könnte nun aber neuen Schub geben. "9000 Punkte kann ich mir für den Swiss Market Index in diesem Jahr durchaus vorstellen", so Chartanalystin Wurm im Börsen-Talk.

«Interessante Situation» in England

Die Chartanalyse versucht, aus Mustern in der historischen Kursentwicklung mögliche Zukunftsszenarien zu entwerfen. Der Hauptunterschied zur Fundamentalanalyse ist, dass betriebs- oder volkswirtschaftliche Kennzahlen, Branchenanalysen oder Börsennews vollständig ausgeblendet werden.

Eine andere "interessante Situation" beobachtet Wurm beim englischen Leitindex FTSE100, der sich auf einem 14-Jahres-Hoch befindet und ans Allzeithoch gelaufen ist. "Da ist die kritische Frage, ob der Index diese Marke überwinden kann." Der FTSE100 ist seit dem Tief vom 24. März gegen 6 Prozent gestiegen.

"Sonst muss man ganz klar sagen: Die Musik spielt in Südeuropa wie Spanien, Italien oder Portugal, also in den Ländern, in denen sich die Börsen in den letzten Jahren nicht so gut entwickelt haben", so Wurm weiter. Diese Indizes hätten derzeit ein sehr hohes Momentum.

Der deutsche Leitindex Dax dagegen habe momentan eher das Nachsehen relativ zu den südeuropäischen Ländern, weil diese ein sehr starkes Nachholpotenzial hätten, so Wurm weiter. Dennoch eilt der Dax derzeit von Rekordhoch zu Rekordhoch und befindet sich laut Wurm in der Widerstandszone im Bereich zwischen 9700 und 9800 Punkten. Das Kursziel in diesem Jahr ist laut Wurm 10'500 Punkte.

Eher verhalten sind laut der Chartanalystin die Aussichten für andere Börsenplätze. "Gerade in Schwellenländern gibt es Indizes, die sich nicht so gut entwickeln." Wurm erwähnt dabei explizit die Börse in Russland.

Im cash-Börsen-Talk erklärt Sophia Wurm überdies, wie sie zur Charttechnik kam, mit welchen Analyse-Werkzeugen sie arbeitet und was die Vorteile der Chartanalyse gegenüber der Fundamentalanalyse sind.