Ein Schweizer Bankenchef twittert

Die Credit Suisse ist mit ihrer Social-Media-Strategie in der Schweiz mit Abstand führend, so eine Studie. Sie unterschlägt aber wichtige Details.
19.11.2013 14:42
Von Pascal Meisser
Sinnbildlich für Social Media: Der Vogel des Kurznachrichtendiensts Twitter.
Sinnbildlich für Social Media: Der Vogel des Kurznachrichtendiensts Twitter.
Bild: iNg

Credit Suisse vor Postfinance, Swissquote und UBS – so lautet die Rangliste der Schweizer Banken, die den Umgang mit Sozialen Medien am besten im Griff haben. Am unteren Ende der Tabelle stehen Finanzinstitute wie die vor zwei Wochen an die Börse gegangene Cembra Money Bank, die Bank Julius Bär und die Bank J. Safra Sarasin.

Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Analyse des Internetvergleichsdiensts Moneyland, der die Social-Media-Auftritte von 20 Schweizer Banken anhand von zahlreichen Bewertungskriterien untersucht hatte. So wurde die Präsenz auf Facebook und Co. bewertet und Anfragen über den Kurznachrichtendienst Twitter gestellt.

"Die Credit Suisse hat tatsächlich eine der besten Social-Media-Auftritte in der Schweiz", bestätigt Experte Christian König gegenüber cash. Der Geschäftsführer von Finanzpro GmbH und ehemalige Banker gilt auf diesem Gebiet als einer der besten Kenner der Szene und publiziert auf seinem Blog finanzprodukt.ch die aktuellen Trends des digitalen Bankings.

Die CS habe es bisher als eine von wenigen Banken hierzulande verstanden, eine adäquate Twitter- und Facebook-Strategie umzusetzen. So ist beispielsweise deren Twitter-Kanal international ausgerichtet. Und ein globales Team erstellt für die Mitarbeiter Richtlinien für den Umgang mit Sozialen Medien. Andere Banken hinken bereits in diesem Punkt hinterher.

Zudem führt die CS seit 2012 den Blog The Financialist, der nicht unter dem Logo der Credit Suisse geführt wird. "Das macht Sinn, es vermittelt den Eindruck von Unabhängigkeit", urteilt König. Sein einziger Kritikpunkt: "Der Facebook-Auftritt ist zu fest auf Tennisstar Roger Federer ausgerichtet. Was ist, wenn er dereinst zurücktritt?"

Andere Banken zu wenig gewürdigt

König sieht bei der Studie aber auch einige Schwachpunkte. "Es ist nicht opportun, bei einem Social-Media-Vergleich Grossbanken und regionale Banken in denselben Topf zu werfen. Für kleinere Banken mag es durchaus Sinn machen, sich nur auf einzelne Kanäle wie Blogs oder Twitter zu beschränken", sagt König.

So sind folgende Social-Media-Auftritte in der Studie zu wenig gewürdigt worden:

UBS: Bei der grössten Bank der Schweiz ist der Schweizer Chefökonom Daniel Kalt auf Twitter aktiv. @daniel_kalt weist auf bemerkenswerte Artikel und Blogs hin und antwortet auf Fragen.

LGT: Die liechtensteinische Fürstenbank zeigt sich seit einigen Monaten sehr aktiv auf Twitter und pflegt das Dialogverhalten mit ihren Followern vorbildlich.

Clientis: Bei der Zürcher Regionalbank twittert der Chef Rolf Zaugg himself. @rza1960 äussert sich privat zu Geld-, Bank- und Finanzmarktthemen.

Basellandschaftliche Kantonalbank (BKLB): Die Staatsbank aus Basel-Landschaft ist auf Twitter präsent und schafft es, mit Kunden einen Dialog aufzubauen. Trotzdem kommt die BLKB in der Studie nur wenig besser weg als die Zürcher Kantonalbank - obwohl die ZKB auf Twitter seit Monaten nicht mehr aktiv ist. 

Pictet: Die Genfer Bank führt unter Perspectives Pictet einen Blog, der ihre aktuelle Sicht auf makroökonomische Themen wiedergibt. Ergänzt wird das Angebot mit Video-Interviews.

Swisscanto: Der Fondsanbieter der Kantonalbanken führt ebenfalls einen Blog, in dem ihre Experten wie Anlagechef Peter Bänziger zu Wort kommen. Ihr neuester Wurf sind Google-Hangouts – das sind Video-Konferenzen, zu denen man sich live einschalten und Fragen stellen kann.

Mit diesen Angeboten sind die Schweizer Banken aber im Vergleich mit dem Ausland noch immer deutlich im Hintertreffen. Dass die Credit Suisse in der Studie unter den 50 so genannnt relevanten internationalen Banken auf Platz sechs auftaucht, hat vor allem damit zu tun, dass nur eine beschränkte Auswahl der führenden amerikanischen und australischen Banken in die Wertung aufgenommen wurden.

Aber auch in Deutschland geben die Finanzinstitute bezüglich Sozialen Medien Gas. So hat beispielsweise die Deutsche Bank in den letzten Monaten ein 18-köpfiges Team auf die Beine gestellt, das sich ausschliesslich um den firmeneigenen Twitter-Account kümmert.

Den Rückstand der Schweiz sieht König unter anderem mit dem Bankkundengeheimnis begründet. "Während Banken aus anderen Ländern in Sozialen Netzwerken viel mehr ausprobieren, sind die Schweizer Banken viel zurückhaltender. Die Angst, das Bankkundengeheimnis zu verletzen, hemmt sie."