Ein Schwergewicht in der SMI-Favoritenrolle

Roche löst den Schweizer Rivalen Novartis in seiner Rolle als Börsenfavorit für den Swiss Market Index ab. Doch kann der Basler Pharmakonzern den Erwartungen überhaupt gerecht werden?
29.12.2015 09:18
Von Lorenz Burkhalter
Die Banken sind sich einig: Über Roche geht 2016 die Sonne auf.
Die Banken sind sich einig: Über Roche geht 2016 die Sonne auf.
Bild: ZVG

Vor einem Jahr wurde die Aktie von Novartis von vielen Strategen als heisser Favorit für das neue Börsenjahr gefeiert. Kaum eine Bank, welche die Aktie des Basler Gesundheitskonzerns damals nicht zum Kauf empfahl. Doch der Jubel ist längst verstummt. Aufgrund von Problemen mit der teuer erkauften US-Tochter Alcon haben Anleger mit der Aktie von Novartis in den vergangenen 12 Monaten sogar Geld verloren. Die Aktie verlor 2015 7 Prozent an Wert.

Im Hinblick auf das Börsenjahr 2016 übernimmt nun Roche die Favoritenrolle vom Platzrivalen aus Basel. Analysten der Finanzhäuser Vontobel, Société Générale, Deutsche Bank, Jefferies oder Barclays - sie alle trauen dem Genussschein im kommenden Jahr eine überdurchschnittliche Kursentwicklung zu. In diesem Jahr legte der Titel gerademal 1 Prozent zu.

Das Jahr der Entscheidung

Gerade bei der Deutschen Bank wird Roche als Kernanlage am Schweizer Aktienmarkt empfohlen. Das ist mutig, räumt die Bank doch selber ein, dass die kommenden 12 Monate darüber entscheiden werden, wie das Unternehmen in Zukunft beurteilt wird.

Schon in zwei Jahren werden die beiden milliardenschweren Brustkrebsmedikamente Herceptin und Rituxan in ersten wichtigen Absatzmärkten den Patentschutz verlieren. Im Hinblick darauf haben sich die Hersteller von Billigpräparaten längst mit eigenen Versionen in Stellung gebracht. Ab 2018 wird mit Avastin dann auch das umsatzstärkste Produkt dasselbe Schicksal ereilen. Roche muss schon im Vorfeld, sprich im Laufe des nächsten Jahres, den Beweis antreten, mit kommerziell differenzierbaren Nachfolgemedikamenten in die Fussstapfen von Rituxan, Herceptin & Co. treten zu können.

Favorit mangels vernünftiger Alternativen?

Mit Perjeta und Gazyva hat der Weltmarktführer auf dem Gebiet der Krebstherapie vielversprechende Produktkandidaten in den Startlöchern. Ob diese allerdings ausreichen, um den nach dem Patentablauf drohenden Umsatzzerfall bei Herceptin und Rituxan aufzufangen, wird sich zeigen müssen. Fest steht jedenfalls: 2016 wird ein Schlüsseljahr für Roche. Das Unternehmen muss überzeugen, will es den Erwartungen gerecht werden.

Kritische Beobachter sehen den Basler Pharmahersteller denn auch bloss mangels anderer Alternativen in der Favoritenrolle. Der Rivale Novartis wird noch auf Monate hinaus von der US-Tochter Alcon gebremst. Die in der Vergangenheit eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen greifen nur langsam. Das dritte Indexschwergewicht, Nestlé, gilt hingegen als stolz bewertet. Ohne grössere Veränderungen im Firmenportfolio wird der Nahrungsmittelhersteller im kommenden Jahr erneut ein Wachstum unter dem Zielwert von 5 Prozent aufweisen.

So gibt es aus Anlegersicht bis auf weiteres wohl kein Vorbeikommen an Roche. Bleibt zu hoffen, dass der Basler Pharmakonzern der Favoritenrolle besser gerecht wird sein Rivale Novartis in den vergangenen 12 Monaten.