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Ein Weltmarktführer zum Ausverkaufspreis

Schwache Zahlen und ein noch viel schwächerer Ausblick haben der Aktie von LafargeHolcim zugesetzt. cash geht der Frage nach, ob sich ein Griff «ins fallende Messer» lohnt.
04.08.2015 01:05
Von Lorenz Burkhalter
Nach der Hochzeit von Holcim und Lafarge wartet noch viel Arbeit auf die Firmenverantwortlichen. Im Bild: CEO Eric Olsen.

Am 4. April letzten Jahres berichteten Nachrichtenagenturen erstmals von Fusionsverhandlungen zwischen dem Ostschweizer Zementhersteller Holcim und seinem französischen Rivalen Lafarge. Als die beiden Unternehmen tags darauf solche Gespräche einräumten, kletterte die Aktie von Holcim in der Spitze bis auf 86 Franken.

Der anfänglichen Euphorie folgte allerdings ziemlich rasch Ernüchterung. Heute, nur 16 Monate später, notiert die Aktie des neuen Weltmarktführers LafargeHolcim bei gerade mal 67 Franken. Alleine seit Mitte Juli beläuft sich das Minus auf gut 10 Prozent, während sich der Gesamtmarkt seitwärts entwickelte.

Aktienkurs von LafargeHolcim in der letzten Woche, Quelle: cash.ch

Der Grund für das zuletzt magere Abschneiden ist der enttäuschende Zahlenkranz für die ersten sechs Monate. Bei Holcim ging der Nettoumsatz im Jahresvergleich um 3 Prozent auf 8,65 Milliarden Franken zurück, der bereinigte Betriebsgewinn sogar um knapp 6 Prozent auf 912 Millionen Franken. In beiden Fällen wurden die jeweiligen Analystenerwartungen klar verfehlt.

Geduld der Aktionäre wird auf eine harte Probe gestellt

Und als ob das nicht schon genug wäre, wartete das Unternehmen auch gleich noch mit einer Reduktion der diesjährigen Gewinnprognosen auf. Neu soll der um Fusionskosten bereinigte Betriebsgewinn rund 10 Prozent unter dem ursprünglich angestrebten Mindestwert von 2,7 Milliarden Franken zu liegen kommen.

Für Diskussionsstoff sorgte allerdings der Ausblick für die zweite Jahreshälfte. Bis Ende Jahr sollen Synergien von mindestens 100 Millionen Franken realisiert werden. Geplant ist zudem eine Dividende von mindestens 1,30 Franken je Aktie. Analysten hatten ihrerseits mit Synergien im Umfang von bis zu 150 Millionen Franken und eine Dividende von bis zu 1,50 Franken gerechnet.

Analysten lassen sich nicht abschrecken

Grundsätzlich ist der vorsichtige Ausblick aus Aktionärssicht zu begrüssen. Denn nachdem die Analysten ihre Gewinnschätzungen im Anschluss an die Halbjahresergebnispräsentation mit dem Rotstift überarbeitet haben, dürfte LafargeHolcim in Zukunft endlich mit positiven Ergebnisüberraschungen aufwarten.

Die Banken und ihre Analysten glauben jedenfalls weiterhin an die Aktie des Weltmarktführers in Sachen Zement. Gemäss Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP haben neun von 18 Experten eine Kauf- aber nur gerade ein einziger Analyst eine Verkaufsempfehlung ausstehend. Mit 77,77 Franken liegt das durchschnittliche Kursziel um knapp 14 Prozent über dem aktuellen Aktienkurs.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 auf Basis der Schätzungen für das Geschäftsjahr 2017 ist LafargeHolcim nicht gerade hoch bewertet. Die ab dann zu erwartende Free Cash Flow Rendite von 7,5 Prozent lässt durchaus Spielraum für eine grosszügigere Dividendenpolitik erahnen - wäre da nicht die noch immer stolze Verschuldung des kombinierten Unternehmens.

So attraktiv die Aktie auf den ersten Blick erscheinen mag, so viel Geduld dürfte sie Anlegern in den nächsten Jahren abverlangen. Oder um es in den Worten des verstorbenen Finanzinvestors André Kostolany zu sagen: Aktiengewinne sind Schmerzensgeld - erst kommt der Schmerz, dann das Geld.