stock alert

Eine beeindruckende Aktie aus gutem Stoff

Die Aktie des spanischen Textilkonzerns Inditex kennt seit Jahren nur eine Richtung - nach oben. Geht die Reise der Zara-Mutterfirma so weiter? Experten sind unterschiedlicher Meinung. Und es gibt Alternativen.
12.06.2015 08:32
Von Ivo Ruch
Zara-Läden gehören zum Bild europäischer Grossstädte.

Wieder einmal legte Inditex beeindruckende Zahlen vor. Im ersten Geschäftsquartal 2015 kletterte der Umsatz um 17 Prozent auf 4,37 Milliarden Euro, wie der spanische Textilkonzern mitteilte. Der Gewinn stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 521 Millionen Euro. Die Erwartungen der Analysten wurden damit übertroffen. In allen Regionen legte die Mutter der Modemarke Zara auch dank neuer Läden kräftig zu.

Wie schon seit längerer Zeit wird die operative Leistung der Spanier auch vom Aktienmarkt honoriert. Seit Jahresbeginn hat die Inditex-Aktie mehr als 25 Prozent zugelegt. Das ist deutlich mehr als der spanische Leitindex IBEX 35 (+7 Prozent). Nur fünf Aktien aus dem IBEX sind besser unterwegs, allen voran Gamesa, ein Hersteller von Windkraftanlagen. Seit 2007 hat sich der Wert der Inditex-Aktie gar auf 30 Euro mehr als verdreifacht. Nicht einmal die lange und harte Wirtschaftskrise in Spanien konnte Inditex etwas anhaben, obwohl 20 Prozent des Umsatzes in der Heimat generiert werden.

Verlauf der Inditex-Aktie in den letzten 5 Jahren, Quelle: cash.ch

Eine Reihe von Faktoren dürfte Inditex auch künftig in die Karten spielen: Spanien scheint sich langsam aber sicher von der Finanz- und Schuldenkrise zu erholen. Hergestellt werden die Kleider vor allem in Spanien, Portugal und Marokko. Der schwache Euro macht die Produktion noch erschwinglicher. Weiteres Wachstum soll aus Asien und Amerika kommen, wo die Firma derzeit noch untervertreten ist. Grundsätzlich sind die Aussichten also sehr solide.

Ob der Höhenflug der Zara-Mutter auch an der Börse weitergeht, darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander – zumindest in der Gemeinde der Finanzanalysten. Die Bank J. Safra Sarasin bestätigte unlängst ihre Kauf-Empfehlung. Der Start ins aktuelle Quartal sei vielversprechend verlaufen und deute auf eine starke Dynamik hin, schreiben sie in einer Analyse. Die UBS und die Barclays Bank sind hingegen neutral eingestellt. Mit Kurszielen zwischen 28 und 30 Euro prophezeien sie eher eine Seitwärtsbewegung.

Ist die Konkurrenz spannender?

Einen Wehrmutstropfen hat die Aktie. Der jahrelange Anstieg hat den Titel teuer gemacht. Laut Daten von Bloomberg wird er aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 36 gehandelt. Aktien mit einem KGV über 18 gelten in der Regel als teuer.

Aus diesem Grund bevorzugen die Barclays-Analysten die H&M-Aktie gegenüber Inditex. Die grössten Textilkonzerne Europas liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. H&M erwirtschaftete im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 19 Milliarden Euro, bei Inditex war es eine Milliarde weniger. Geht es nach der Anzahl Filialen ist Inditex aber schon Branchenprimus. Das Unternehmen hat 6746 Läden in 88 Ländern in Betrieb, bei den Schweden sind es 3500 Läden. H&M ist aber günstiger bewertet und bietet eine attraktivere Dividendenrendite.

Ein Milliardenimperium

Zu den Marken von Inditex gehören neben Zara zum Beispiel auch Bershka, Massimo Dutti und Pull&Bear. Für das laufende Geschäftsjahr sind Hunderte Neueröffnungen geplant. Angesichts der wachsenden Konkurrenz von Internet-Händlern wie Zalando baut Inditex auch den Online-Verkauf weiter aus. Obwohl sich das Unternehmen bislang auf Filialen an zentralen und dementsprechend teuren Standorten fokussiert, dürfte auch ein massgeblicher Teil seiner Zukunft im Netz liegen.

Indiens grösster Online-Modehändler Myntra setzt beispielsweise ausschliesslich auf den Kleiderverkauf per App. Weil das Handy ständig mitgetragen wird, ist so die weitere Personalisierung des Einkaufens möglich. Je mehr Informationen ein Konsument an die Modekette abliefert, desto einfacher ist es, massgeschneiderte Angebote anzupreisen.

Gegründet wurde Inditex von Amancio Ortega. Er gilt als Spaniens Vorzeigeunternehmer, weil er sein Imperium aus dem Nichts aufgebaut hat. Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, wird Ortega mittlerweile als reichster Europäer und als zweitreichster Mann der Welt aufgeführt.