Eine bewegende Woche für den SMI

Wichtige Schweizer Unternehmen wie Roche und Novartis präsentieren diese Woche die Jahreszahlen 2015. Aber auch etwas kleinere Firmen stehen im Fokus des Börseninteresses. Eine Vorschau.
25.01.2016 06:45
Von Lorenz Burkhalter
Gebäude von Novartis in Basel.
Gebäude von Novartis in Basel.
Bild: Bloomberg

Mit den beiden Basler Pharmagiganten Roche und Novartis legen gleich zwei Schwergewichte des Swiss Market Index (SMI) diese Woche ihre Jahresergebnisse vor. Die beiden Unternehmen sind im SMI für nicht weniger als 40 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich. Da dürfte es selbst Nicht-Aktionären kaum egal sein, ob die beiden Unternehmen im letzten Jahr reüssiert haben oder nicht.

Resultate von Firmen aus der "zweiten Linie" spielen diese Woche, wenn, dann nur eine sehr untergeordnete Rolle. Nicht zu unterschätzen sind aber unerwartete Vorankündigungen, nach dem Vorbild der Zurich Insurance Group. Die Firma sah sich vor wenigen Tagen zu einer Gewinnwarnung genötigt.

Ab Mittwoch wird es spannend

Den Anfang macht am Dienstag SFS Group, welche erst im Mai vor zwei Jahren den Schritt an die Schweizer Börse SIX gewagt hatte. Von den Umsatzzahlen verspricht man sich in Analystenkreisen wichtige Anhaltspunkte, zählt das Unternehmen doch zu den Zulieferern des Weltkonzerns Apple. Zudem verfügt es über einen hohen Umsatzbeitrag aus China. SFS besteht darauf, dass es sich bei den chinesischen Abnehmern um verarbeitende Betriebe handelt und ein Grossteil der Fertigprodukte von dort wieder in den Westen exportiert wird.

Nur einer geringen Aufmerksamkeit sind Huber+Suhner, Tornos und ihren Umsatz- und Auftragszahlen sicher.

Zur Wochenmitte legt mit Novartis das erste Schwergewicht den Zahlenkranz vor. Obschon nur für 6 Prozent des Gruppenumsatzes verantwortlich, gilt das Interesse vor allem Alcon. Nachdem die auf Augenheilpräparate spezialisierte Tochter den Erwartungen in den ersten neun Monaten einiges schuldig blieb, hat sie das Gruppenergebnis vermutlich auch im Schlussquartal belastet.

Die Bank Vontobel erwartet auf das vierte Quartal bezogen einen Rückgang des Konzernumsatzes um 1,6 Prozent auf knapp 13,1 Milliarden Dollar. Während sie dem Pharmageschäft und dem Generikahersteller Sandoz eine stabile Umsatzentwicklung zutraut, befürchtet sie bei Alcon einen weiteren Umsatzrückgang um gut 9 Prozent. Beim operativen Kerngewinn und beim Reingewinn geht die Zürcher Bank ebenfalls von einer im Jahresvergleich recht stabilen Entwicklung aus.

Da die hausgemachten Probleme bei Alcon nicht über Nacht gelöst sind, erwartet die Bank Vontobel bei Novartis einen eher verhaltenen Ausblick für 2016. Das deckt sich mit der Erwartung anderer Banken wie beispielsweise Kepler Cheuvreux. Mit einem Kursrückgang um knapp 20 Prozent seit Mitte Juli nimmt die Novartis-Aktie bereits einiges vorweg.

Wird Roche dem Ruf als "Musterknabe" gerecht?

Ein solides Jahresergebnis im Rahmen der firmeneigenen Projektionen traut man selben Tags hingegen Lonza zu. Was 2016 anbetrifft, so zeichnet sich ein weiteres gutes Jahr für das Unternehmen ab.

Ähnliches ist am Donnerstag auch von Roche zu erwarten. Der starke Franken dürfte beim Basler Pharma- und Diagnostikkonzern zwar Spuren in der Umsatz- und Gewinnentwicklung hinterlassen haben. In Branchenkreisen wird dem "Musterknaben unter den Publikumsgesellschaften in der Schweiz" jedoch eine positive Ergebnisüberraschung nachgesagt.

Des starken Franken wegen prognostiziert die Deutsche Bank auf das Gesamtjahr betrachtet einen leichten Umsatzrückgang um 0,5 Prozent auf 49,6 Milliarden Franken sowie eine auf knapp 36 Prozent rückläufige operative Gewinnmarge (EBITDA). Unter dem Strich sollte dennoch ein gegenüber dem Vorjahr höherer Reingewinn von 9,5 Milliarden Franken resultieren.

Wartet Roche darüber hinaus auch gleich noch mit einem überzeugenden Ausblick auf, kann das Unternehmen seine Favoritenrolle bei den europäischen Pharmaaktien zementieren. Denn alleine in der zweiten Hälfte vergangener Woche legte der Genussschein kurzerhand um 4,6 Prozent zu.

Aktionäre von Rieter müssen sich in Geduld üben

Die undankbare Rolle des "Schlusslichts der Woche" kommt am Freitag dem Textilmaschinenhersteller Rieter zu. Anlässlich des letztjährigen Investorentages von Mitte November konkretisiert das Unternehmen endlich die Jahresprognosen. Mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Franken, einer operativen Marge (EBIT) von rund 7 Prozent und einer Reingewinnmarge von 4 bis 5 Prozent wussten diese zu gefallen. Noch hat der Abschwung in den Schwellenländern das Unternehmen nicht erreicht. Trotz der Kursdelle der letzten Wochen legte die Aktie seither gut 9 Prozent zu.

In Anbetracht dieser Vorschusslorbeeren müssen die Umsatz- und Auftragszahlen schon sehr überzeugend ausfallen, um weitere Käufer zu mobilisieren.