«Eine Premium-Zigarre ist krisenresistent»

Oettinger Davidoff, Umsatzmilliardär und weltgrösster Hersteller von Premium-Zigarren, steigert den Umsatz 2014 leicht. Ob das anhält und ob ein IPO ansteht, sagt CEO Hans-Kristian Hoejsgaard im cash-Video-Interview.
18.06.2015 01:00
Von Daniel Hügli, Basel
Davidoff-Oettinger-CEO Hans-Kristian Hoejsgaard im cash-Interview an der Art Basel.
Bild: cash

Umsatzzunahme um 1,7 Prozent auf 1,23 Milliarden Franken. Produktion von insgesamt 44 Millionen Premium-Zigarren, eine Steigerung um 13 Prozent. Ausbau des Personalbestandes auf 3672 Mitarbeitende. Das sind die Zahlen 2014 des Basler Tabakriesen Oettinger Davidoff. Sie beweisen, dass die weltweite Nachfrage nach Premium-Zigarren und dazugehörenden Accessoires nicht nachlässt - trotz mehr und mehr Tabakverbote, Anti-Raucher-Kampagnen und lahmender Konjunktur in vielen Teilen der Welt. 

"Eine Premium-Zigarre ist halt krisenresistent", sagt Davidoff-Konzernchef Hans-Kristian Hoejsgaard im cash-Video-Interview an der Kunstmesse Art Basel, bei der Davidoff als Sponsor auftritt. Der 56-jährige Däne, der seit vier Jahren die Geschicke des Basler Milliardenkonzerns leitet, ist der Meinung, dass Krisen die Luxusgüterindustrie nur leicht tangieren. Und sowieso: Eine Zigarre, die vielleicht 15 bis 25 Franken koste, sei nicht vergleichbar mir einer Uhr oder einer teuren Tasche.

Aber vielleicht besteht doch ein kleiner Zusammenhang mit der Konjunkturentwicklung. Im Davidoff-Schlüsselmarkt USA, der wie Europa etwa 40 Prozent des Umsatzes ausmacht, konnte der Zigarrenabsatz 2014 um hohe 21 Prozent gesteigert werden. Hoejsgaard führt das auf die Erholung der US-Wirtschaft zurück, aber hauptsächlich auf eine neue Produktelancierung. Das half mit, das Betriebsergebnis der Gruppe auf Stufe EBITDA um sechs Prozent zu steigern. Genaue Gewinnzahlen gibt Oettinger Davidoff nicht bekannt.

Das Umsatzwachstum in Asien betrug 17 Prozent und in Europa 6,4 Prozent, obwohl der Gesamtmarkt dort um drei bis vier Prozent schrumpfte. Das Davidoff-Wachstum in Europa hat Hoejsgaard "ein wenig überrascht". Der Vergleich zum schrumpfenden Gesamtmarkt in Europa zeige, dass Davidoff dort klar Marktanteile gewonnen habe.

Aufhebung der Kursuntergrenze schmerzt

Dass der Oettinger Davidoff-CEO nicht mehr ganz so positiv aufs Jahr blickt wie noch vor zwölf Monaten, hängt denn auch weniger mit der Situation in Europa zusammen, sondern mit der Aufhebung der Kursuntergrenze der SNB im Januar. Oettinger Davidoff produziert die Zigarren in der Dominikanischen Republik, in Nicaragua und in Honduras. Die Zigarren werden via Schweiz nach Europa exportiert.

"Nach dem Franken-Schock sind unsere Preise und unser Geschäft unter Druck gekommen", sagt Hoejsgaard zu cash. Von konkreten Sparmassnahmen ist jedoch noch nichts zu hören. Diese hatte VR-Präsident Andreas Schmid, der die gleiche Funktion bei Gategroup und Flughafen Zürich innehält, Anfang März in einem Interview angekündigt. 

Der Umsatz des Tabak-Multis verharrt seit Jahren auf der Höhe von etwa 1,2 Milliarden Franken. Das hat damit zu tun, dass Oettinger-Davidoff zwischen 2012 und 2014 vier Tochtergesellschaften verkauft hat. Seit dem Tod des Firmenpatriarchen Ernst Schneider gehört die Oettinger Davidoff Group dessen ältesten Töchtern mit ihren Familien Schaffner-Schneider und Ryhiner-Schneider.

Börsengang ist kein Thema

Bei Firmen in der Grössenordnung von Oettinger Davidoff, die sich zudem in Familienbesitz befinden, stellt sich auch immer die Frage nach einem Börsengang - vor allem dann, wen die Konditionen auf den Märkten so günstig sind wie jetzt. Hoejsgaard, der auch im Verwaltungsrat "seiner" Firma sitzt, winkt ab: "Es gibt überhaupt keine Pläne für ein IPO", sagt er. "Und ich bin froh darüber. Wenn man eine Marke aufbaut wie wir, braucht man eine langfristige Perspektive."

Wachstum heisst für Oettinger Davidoff vor allem auch der Ausbau der Flagship Stores. Derzeit sind es rund 70, bis 2020 sollen es 100 sein. Eher eine mittel- bis langfristige Geschichte ist auch die Rückkehr von Davidoff nach Kuba. "Ich glaube, wir werden nach Kuba zurückkehren. Aber das kann noch eine Weile dauern", sagt Hoejsgaard. Bis ein Kuba-Comeback ansteht, dürften fünf bis zehn Jahre verstreichen. Voraussetzung sei, dass nicht nur das US-Handelsembargo fällt, sondern auch die Qualität für kubanische Zigarren gewährleistet ist. Wegen ungenügender Qualität hatte sich Oettinger Davidoff 1989 aus Kuba zurückgezogen.

Im cash-Video-Interview äussert sich Oettinger Davidoff-Konzernchef Hans-Kristian Hoejsgaard detailliert zu den Jahreszahlen und zu den Zukunftsplänen der Firma.