«Eine realistische Strategie der Credit Suisse»

Für Andreas Venditti, Chefanalyst bei der Bank Vontobel, ist an der neuen Strategie der CS einzig das IPO der Schweizer Einheit überraschend, wie er im Video-Interview erläutert. Die Kapitalerhöhung begrüsst er.
21.10.2015 13:42
Andreas Venditti, Chefanalyst bei der Bank Vontobel.
Bild: cash

Die Credit Suisse versucht mit einem Umbau und weiteren Kostensenkungen auf die Erfolgsspur zurückzukehren. Sie will sich dazu verstärkt auf den Schweizer Heimmarkt und die reichen Kunden in den Schwellenländern konzentrieren. Der Kapitaleinsatz im Investment Banking soll deutlich reduziert und die Bilanz durch zwei Kapitalerhöhungen gefestigt werden. Ein stark verändertes Management-Team unter dem neuen CEO Tidjane Thiam wird die Aufgaben in Angriff nehmen.

"Wer erwartet hat, dass die CS einen ähnlich radikalen Einschnitt bei der Investment Bank durchführt wie die UBS, der wird ein bisschen enttäuscht sein", sagt Andreas Venditti, Chefanalyst bei der Bank Vontobel, im Video-Interview. Insgesamt sei es aber eine realistische Strategie der Credit Suisse. Die meisten Punkte seien mehr oder weniger erwartet worden, "überraschend ist einzig das IPO der Schweizer Einheit", so Venditti weiter. Die Credit Suisse hat angekündigt, ein partielles IPO von 20 bis 30 Prozent bis Ende 2017 durchzuführen, als Teil der Ausbau-Strategie der Schweizer Universalbank.

Neben dem Teil-IPO und weiteren Sparmassnahmen – worin auch ein Personalabbau bis 2017 von 1600 Stellen in der Schweiz enthalten ist - sind auch zwei Kapitalerhöhungen geplant. Eine erste Erhöhung soll durch die Ausgabe neuer Namenaktien an einige qualifizierte Investoren erfolgen und  1,35 Milliarden Franken einbringen. Die zweite Erhöhung soll via Bezugsrechtsemission für bestehende Aktionäre erfolgen und Einnahmen von 4,7 Milliarden Franken generieren.

"Mit der Kapitalerhöhung ist die Credit Suisse sicher besser gestellt als bisher", so Venditti. Zusätzlich könne aus dem IPO in ein bis zwei Jahren zwischen 2 bis 4 Milliarden dazukommen. Dementsprechend könnten allfällige Unsicherheiten durch dieses Kapital bereinigt werden.

Investmentbanking mit Verlust

Unter dem ganzen Trubel um die neue strategische Ausrichtung des neuen CEO Tidjane Thiam, gingen die Drittquartalszahlen die Drittquartalszahlen fast ein bisschen unter. Der Reingewinn lag mit 779 Millionen Franken deutlich über den Analystenerwartungen von etwa 470 Millionen Franken. Im Vorquartal wie auch im dritten Quartal 2014 lag der Gewinn noch bei rund 1 Milliarde Franken.

Grosse Enttäuschungen blieben aber nicht aus: In der Sparte Investmentbanking verbuchte die CS einen Vorsteuerverlust von 125 Millionen Franken und im Private Banking & Wealth Management schloss die CS mit einem Vorsteuergewinn von 647 Millionen Franken ebenfalls relativ deutlich unter den Prognosen (cash berichtete).

Wie er den geplanten Stellenabbau der Credit Suisse einordnet und warum der Ausblick auf das 4. Quartal für die Grossbank eher düster ist, das erklärt Venditti im Video-Interview.

(cash/AWP)