Eine weitere Herunterstufung für die AMS-Aktie

Monatelang empfahl Barclays die einst beliebte Aktie von AMS zum Kauf. Nun krebst sie in der Nähe der Mehrjahrestiefststände mit einer eher fadenscheinigen Begründung zurück.
06.07.2016 08:27
Von Lorenz Burkhalter
Neben Apple beliefert der Halbleiterhersteller AMS auch Samsung mit Smartphone-Sensoren.
Neben Apple beliefert der Halbleiterhersteller AMS auch Samsung mit Smartphone-Sensoren.
Bild: Bloomberg

In den letzten Jahren führte die Aktie des Halbleiterherstellers AMS an der Schweizer Börse SIX regelmässig die Gewinnerliste an. Einst als Zulieferer für die bekannten Smartphone-Hersteller Samsung und Apple gefeiert, ist die Abhängigkeit von solchen Grosskunden jedoch zum Bumerang für das Unternehmen geworden.

Nach mehreren Ergebnisenttäuschungen und Umsatzwarnungen hat sich der Aktienkurs in den vergangenen 12 Monaten mehr als halbiert. Alleine seit Anfang dieses Jahres hat AMS einen Viertel des Börsenwerts verloren.

Nachdem der für die britische Grossbank Barclays tätige Technologieanalyst der Aktie des Herstellers von Sensoren stets die Treue gehalten hat, stuft er diese überraschend von "Overweight" auf "Equal-weight" herunter. Nach einer Reduktion der Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre um bis zu 26 Prozent lautet das Kursziel nur noch 30 (38) Franken.

Stellt das vergangene Quartal die Talsohle dar?

Eigentlich müsste das Unternehmen vom Ausgang des EU-Referendums in Grossbritannien profitieren, produziert es seine Sensoren doch in Europa und verkauft sie vorwiegend an Abnehmer von ausserhalb. Der zuletzt schwächere Euro schlägt sich damit positiv in der Umsatz- und Gewinnentwicklung nieder. Dessen scheint sich auch der Experte bewusst zu sein. Seinen Berechnungen zufolge führt ein gegenüber dem Dollar um 10 Prozent tieferer Euro zu einem um 4 Millionen Euro höheren Jahresgewinn.

Beispielloser Kurszerfall der AMS-Aktie seit gut einem Jahr, Quelle: www.cash.ch

Dennoch begründet er die vorsichtigere Einschätzung der AMS-Aktie nicht zuletzt mit den jüngsten politischen Entwicklungen in Europa. Diese setzte der kurzfristigen Vorhersehbarkeit im Tagesgeschäft des Halbleiterherstellers zusätzlich zu, so schreibt der Analyst. Er zeigt sich zwar weiterhin zuversichtlich, dass die Umsatzentwicklung im zurückliegenden zweiten Quartal die Talsohle durchschritten haben sollte. In der zweiten Jahreshälfte rechnet der Experte jedoch neu mit einer geringeren Belebung.

Eine wenig ruhmreiche Herunterstufung

Für die kommenden sechs Monate prognostiziert er nur noch einen um 8 Prozent über dem Vorjahr liegenden Umsatz, was rund 5 Prozent unter den Konsensschätzungen liegt.

Während viele seiner Berufskollegen die einst sehr beliebte Aktie von AMS im Herbst letzten Jahres zurückhaltender einschätzten, nahm der Barclays-Analyst Anfang September auf einem Kursniveau von 36 Franken deren Erstabdeckung mit einer "Overweight" lautenden Kaufempfehlung und einem Kursziel von 55 Franken auf. Damals spekulierte er noch darauf, dass das Unternehmen den Grosskunden Apple länger als gedacht mit NFC-Verstärkern beliefern kann. Rückblickend war das vermutlich aber nicht der Fall, weshalb der Experte seine Umsatz- und Gewinnschätzungen im Zuge mehrerer Umsatzwarnungen deutlich zurückschrauben musste.

Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zufolge empfehlen selbst nach der Herunterstufung durch die britische Grossbank noch immer 6 von 11 Analysten die AMS-Aktie zum Kauf. Mit 32 Franken liegt der Durchschnitt aller Kursziele um knapp 30 Prozent über dem aktuellen Stand.