Einheitliche Mehrwertsteuer - Indien will mit historischer Steuerreform Wirtschaft ankurbeln

In Indien tritt am 1. Juli die grösste Steuerreform seit der Unabhängigkeit von Grossbritannien vor 70 Jahren in Kraft. Kleinunternehmen fürchten sich davor.
29.06.2017 20:00
Ein Imbissstand in Mumbai, Indien.
Ein Imbissstand in Mumbai, Indien.
Bild: Bloomberg

Ministerpräsident Narendra Modi will am Freitag im Parlament den Startschuss für die neue, einheitliche Mehrwertsteuer geben. Die Steuer auf Waren und Dienstleistungen (GST) soll zahlreiche Landes- und Bundessteuern ersetzen und den Subkontinent mit seinen 29 Bundesstaaten und 1,3 Milliarden Menschen wirtschaftlich enger zusammenschweissen. Die Regierung will damit nicht nur einen einheitlichen Binnenmarkt schaffen, den Unternehmen die Geschäfte erleichtern sowie Bürokratie und andere Handelshemmnisse abbauen. Sie will auch die Korruption und Schattenwirtschaft ausbremsen.

Probleme für Kleinunternehmen

Experten zufolge dürfte die historische Reform vor allem grösseren Unternehmen zugutekommen und der boomenden indischen Wirtschaft einen weiteren Schub verleihen. Von der Opposition kommt allerdings Kritik. Sie warnt vor Überforderung und Chaos, denn viele kleine Firmen seien nicht auf die technischen Anforderungen vorbereitet. Allein rund ein Drittel der 60 Millionen Mitglieder des Handelsverbands All India Traders verfügten zuletzt nicht einmal über einen Computer. Tausende Einzelhändler und Textil-Hersteller protestierten deswegen auch kürzlich mit einem Streik gegen die Reform. Sie fordern vor allem Erleichterungen bei den Vorgaben während der Übergangsphase. Die Regierung will im Juli und August noch ein Auge zudrücken. Dann soll es ernst werden.

Die Kleinunternehmer bangen aber auch, weil ihnen erst kürzlich Modis Reformeifer das Geschäft vermasselt hatte. Der Ministerpräsident hatte Ende 2016 kurzfristig die beiden grössten Geldscheine im Land - die 500- und 1000-Rupien-Noten - aus dem Verkehr ziehen lassen und damit der auf Bargeld basierenden Wirtschaft einen schweren Schlag versetzt. Bei Millionen Händlern blieben die Käufer daher vorübergehend aus. Auch diesen Schritt hatte Modi mit seinem Kampf gegen Schwarzgeld begründet.

(Reuters)