Einkaufsmanagerindex - Britsche Wirtschaft steuert auf Rezession zu

Nach der Industrie und dem Bausektor leiden jetzt auch die britischen Dienstleister unter der Brexit-Angst. Der Einkaufsmanagerindex für den Servicesektor fiel im September unter die Wachstumsgrenze von 50 Punkten.
03.10.2019 13:22
Britische Flagge an einem Gebäude im Londoner Stadtteil South Kensington.
Britische Flagge an einem Gebäude im Londoner Stadtteil South Kensington.
Bild: cash

 Der Einkaufsmanagerindex des Forschungsunternehmens Markit für den Servicesektor fiel im September um 1,1 Punkte auf 49,5 Zähler, wie Markit am Donnerstag in London mitteilte. Damit liegen alle drei von Markit erhobenen Konjunkturbarometer unter der Wachstumsgrenze von 50 Punkten. Eine technische Rezession wird damit wahrscheinlicher. Es ist das zweite Mal in diesem Jahr, dass die Stimmung der Dienstleister unter die Wachstumsmarke von 50 Punkten fällt.

Zuletzt war dies vor dem ursprünglichen Brexit-Termin im März der Fall gewesen. Die Warnleuchte für eine Rezession blinke jetzt rot, kommentierte Neil Wilson, Chefanalyst der Handelsplattform Markets.com. Im Frühjahr war die britische Wirtschaft bereits um 0,2 Prozent geschrumpft. Setzt sich die Entwicklung im Sommer fort, kann von einer Rezession gesprochen werden.

Wie Markit erklärte, hätten die befragten Unternehmen von hoher Unsicherheit wegen des Brexit-Termins Ende Oktober berichtet. Es habe Befürchtungen gegeben, Kunden könnten deswegen Anschaffungen aufschieben. Zudem habe es Anzeichen gegeben, dass Auslandskunden ihr Geschäft auf andere Märkte verlagert hätten, um Brexitrisiken zu umgehen. Sorgen rund um den Austritt Grossbritanniens aus der EU hätten die jüngste Umfrage dominiert, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Die Entwicklung dürfte auch Auswirkungen auf die Geldpolitik der britischen Notenbank haben. Nach wie vor ist es offizielle Linie der Bank of England, dass eine Reaktion auf einen ungeregelten EU-Austritt des Landes sowohl in einer Zinserhöhung als auch einer Zinssenkung bestehen könnte. Vor wenigen Tagen hatte sich jedoch der für eine äusserst straffe Haltung bekannte Notenbanker Michael Saunders anderweitig geäussert. Selbst im Falle eines geregelten Brexit hält er mittlerweile eine Zinssenkung für denkbar.

(AWP)