Einstiges Sorgenkind - GAM übertrifft selbst kühnste Erwartungen - Aktie tiefer

GAM blickt auf eine starke erste Jahreshälfte zurück. Der Vermögensverwalter übertrifft die Analystenerwartungen sowohl beim Gewinn als auch beim Neugeld kräftig. Dennoch setzen Gewinnmitnahmen der Aktie zu.
03.08.2017 14:03
Von Lorenz Burkhalter
Der Zürcher Prime Tower, Sitz der Vermögensverwalters GAM.
Der Zürcher Prime Tower, Sitz der Vermögensverwalters GAM.
Bild: Roland Fischer/Wikimedia/CC-BY-SA-3.0 Unported

Was Fondsstatistiken schon seit Wochen hatten erahnen lassen, ist seit dem frühen Donnerstagmorgen Gewissheit: Der Vermögensverwalter GAM findet in die Spur zurück.

Sowohl beim operativen Reingewinn als auch beim Nettoneugeld übertrifft das einstige Sorgenkind in der ersten Jahreshälfte selbst die kühnsten Analystenerwartungen. Der Lichtblick - so ist man sich in Expertenkreisen einig - ist der Zufluss neuer Kundenvermögen in Höhe von über 6 Milliarden Franken. Zur Erinnerung: Im letzten Jahr zogen Kunden mehr als 10 Milliarden Franken ab, nachdem sich die wichtigsten Fonds des Vermögensverwalters enttäuschend entwickelt hatten.

An der Schweizer Börse SIX fällt die im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung sehr starke GAM-Aktie Gewinnmitnahmen zum Opfer. Zur Stunde verliert sie 1,3 Prozent auf 15,50 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 15,15 Franken. Dennoch errechnet sich alleine eine seit Jahresbeginn ein beachtliches Kursplus von fast 35 Prozent.

GAM habe die erwartete Erholung beim Neugeld sowie bei den erfolgsabhängigen Verwaltungsgebühren gezeigt und in beiden Bereichen die Erwartungen sogar etwas übertroffen, so heisst es in einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank. Letzteres gilt dem Autor zufolge auch für die operativen Gesamtkosten. Seines Erachtens rühren die Verbesserungen fast ausschliesslich aus dem Festverzinslichen-Bereich, während das Unternehmen an allen anderen Fronten weiter eher in der Defensive scheint.

Kräftige Erholung bei den erfolgsabhängigen Gebühren

Die diesjährigen Gewinnerwartungen sieht der Analyst im Anschluss an die Ergebnisveröffentlichung folglich nur marginal steigen. Zudem gibt er zu verstehen, dass die Aktie von GAM die beobachtete Geschäftsbelebung mit dem Kursanstieg seit März dieses Jahres mehr als vorweggenommen hat. Das Anlageurteil lautet deshalb wie bis anhin "Marktgewichten".

Eher zurückhaltend äussert sich auch sein für die UBS Investmentbank tätige Berufskollege. Er sieht den Vorsteuergewinn bei GAM zwar um gut 10 Prozent über den Markterwartungen liegen, räumt gleichzeitig allerdings ein, dass seine eigenen Gewinnschätzungen gerademal erfüllt worden seien. Wie der Analyst weiter schreibt, kann der Vermögensverwalter insbesondere bei den erfolgsabhängigen Verwaltungsgebühren punkten. Die Aktie wird bei der UBS Investmentbank weiterhin mit "Neutral" eingestuft. Das 12-Monats-Kursziel von 13,40 Franken wird vermutlich nach oben genommen.

Auch bei der Bank Vontobel wird mit den höher als erwartet ausgefallenen erfolgsabhängigen Gebühren argumentiert. Der zuständige Analyst nimmt das 9,60 Franken lautende Kursziel sowie die Einstufung "Hold" in Revision. Er sei der Meinung, dass das auf den ersten Blick positive Halbjahresergebnis nicht die zuletzt sehr starke Kursentwicklung rechtfertige, so lässt er durchblicken.

Oppositioneller Grossaktionär zu früh ausgestiegen

In einem Kommentar aus dem Hause RBC Capital Markets wird auf die eher mässige Ergebnisqualität hingewiesen. Tatsächlich unterliegen die erfolgsabhängigen Gebühren für gewöhnlich starken Schwankungen. Zudem argumentiert der Autor mit der stolzen Bewertung der Aktie nach der seit März beobachteten Kurserholung. Er hält deshalb an der "Underperform" lautenden Verkaufsempfehlung fest.

Das Nachsehen hat der ehemalige Grossaktionär Rudolf Bohli mit seinem Hedgefonds RBR. Bohli war Ende Februar mit rund 3,3 Prozent bei GAM eingestiegen und hatte mit Forderungen für Wirbel gesorgt. Neben einschneidenden Kostensenkungen verlangte der für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen bekannte Finanzinvestor ein Köpferollen bei Geschäftsleitung und Verwaltungsrat.

Nachdem er an der ordentlichen Generalversammlung im April bei den anderen Anteilseignern auf taube Ohren stiess, stieg Bohli Ende Juni in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wieder aus und verkaufte das Aktienpaket zu je 13,15 Franken. Rückblickend hätte sich noch sehr viel mehr Geld machen lassen.