Elektroautohersteller - Was für Teslas Entscheidung zugunsten von Deutschland spricht

Die Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk, bei Berlin eine E-Auto-Fabrik zu bauen, überraschte eine ganze Branche. Warum Deutschland, und warum ausgerechnet Berlin?
17.11.2019 09:55
Der neue Tesla Y bei der Präsentation in Hawthorne, Kalifornien (15.3.2019).
Der neue Tesla Y bei der Präsentation in Hawthorne, Kalifornien (15.3.2019).
Bild: Bloomberg

So abwegig, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Entscheidung nicht. Hier eine Reihe möglicher Beweggründe:

«Made in Germany»

Elon Musk selbst lobte bei der Ankündigung seiner Pläne die deutsche Ingenieurskunst. "Made in Germany" ist ein Etikett, das auch bei Kunden zieht. Zudem kann Tesla in Deutschland auf eine starke Zulieferindustrie mit einer grossen Zahl hochqualifizierter Beschäftigter, auch in der Digitalbranche, setzen. Nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) profitiert auch die deutsche Autobranche von der Entscheidung.

Grüner Strom

Die Bundesregierung sieht in der Energiewende einen entscheidenden Punkt bei der Standortwahl. Tesla wolle Energie allein durch Erneuerbare Energien beziehen, erklärte das Bundesumweltministerium. Dies sei offenbar ein Punkt gewesen, der für Deutschland gesprochen habe.

E-Auto-Offensive in Deutschland

Die Bundesregierung und die deutsche Autobranche haben sich vor Kurzem auf einen massiven Ausbau der Elektromobilität geeinigt. Ein Milliardenpaket von Staat und Autoindustrie für Elektroautos soll den Durchbruch auf dem Weg zum klimaschonenden Verkehr bringen. Die Kaufprämien für E-Autos werden deutlich erhöht, das noch sehr lückenhafte Netz an Ladestellen soll bis Ende des kommenden Jahrzehnts dichter geknüpft werden.

Subventionen

Staatliche Geldmittel spielten nach Angaben der Bundesregierung keine Rolle bei der Entscheidung von Tesla. Über Subventionen sei bisher nicht gesprochen worden, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Zudem unterliegen Finanzhilfen strengen EU-Regularien. Allerdings können Länder und Gemeinden einem Investor nach Angaben von Branchenkennern Standorte mit Infrastrukturhilfen, Bereitstellung von Wohnplätzen und anderem schmackhaft machen.

Batteriezellen

Teslas traditioneller Lieferant für Batteriezellen ist der japanische Hersteller Panasonic. Für die geplante Fabrik in Shanghai war Tesla Insidern zufolge jedoch auch mit LG Chem aus Südkorea und CATL aus China im Gespräch. Der chinesische Zellenspezialist baut gerade eine Fabrik bei Arnstadt in Thüringen auf.

Siemens

Der Münchner Industriekonzern, der bereits mit Tesla zusammenarbeitet, hat Berlin zu einem zentralen Standort seines Geschäfts mit der Industriedigitalisierung gemacht. Siemens-Vizechef Roland Busch bezeichnete Tesla-Chef Elon Musk jüngst als "visionär" und schwärmte von gemeinsamen Projekten in den USA und China, wo Tesla Fabriken errichtet. Siemens gilt deshalb als aussichtsreicher Kandidat bei der Errichtung der Tesla-Fabrik nahe Berlin.

(Reuters)