Elektroautos - Übernahmen und Kooperationen: Was bedeuten die Gerüchte für die Tesla-Aktie?

Spekulationen zufolge ist VW bei Tesla an einer Beteiligung oder gar Übernahme interessiert. Selbst wenn diese Informationen falsch sind - sie sind für Aktionäre des Elektrobauers ein wichtiger Anhaltspunkt.
26.08.2019 14:28
Von Marc Forster
Das Logo von Tesla: VW ist angeblich am Batterie- und Software-Know-how interessiert.
Das Logo von Tesla: VW ist angeblich am Batterie- und Software-Know-how interessiert.
Bild: Bloomberg

Das Unternehmen Tesla macht einen chaotischen Eindruck: Produktions- und Markteinführungsprobleme treten immer wieder auf, dazu setzen die Allüren von Firmengründer Elon Musk dem Image des Unternehmens zu. Einmal sinniert er darüber, die Firma von der Börse zurückzukaufen und holt sich damit die Finanzaufsicht ins Haus. Ein anders Mal lässt er Twitter-Tiraden vom Stapel, die an den Stil von US-Präsident Donald Trump erinnern.

Ein besonders angenehmer Chef ist Musk dem Vernehmen nach nicht. Und Tesla in die Profitabilität zu führen, hat er bisher auch nicht vermocht. Ein Analyst der Grossbank J.P Morgan bezweifelte in der Vergangenheit schon, dass der Elektroautobauer je Geld verdienen werde.

Und doch ist Tesla einzigartig. Der Name steht für leistungsstarke, alltagstaugliche Elektroautos schlechthin. Auch wenn Elon Musks Fähigkeiten als Firmenchef angezweifelt werden können - diese entscheidende technologische Hürde hat er mit Tesla geschafft. Alle anderen Autohersteller der Welt sind damit beschäftigt, technologisch zu Tesla aufzuschliessen.

Aktienkurs leidet

Tesla hat die Autobranche verunsichert, weil der Name für Disruption steht. Genauso weckt der technologische Erfolg des US-Unternehmens naturgemäss Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz. Wenn die etablierten Autobauer bei der Technologie Tesla hinterherhinken, ist die Lage in Sachen Finanzkraft umgekehrt.

Vergangene Woche spekulierte das deutsche "Manager-Magazin" darüber, dass der Volkswagen-Konzern gerne Anteile an Tesla übernähme. VW habe es vor allem auf die Batterie- und Softwarekompetenz bei Tesla abgesehen. Die Spekulationen, wie sie das Manager-Magazins anstellte, wurden von Tesla und VW dementiert, wie dies in solchen Fällen üblich ist. Und doch zeigt das Gerücht an, wohin die Reise bei gehen könnte.

Für Tesla-Aktionäre sind es sehr interessante Informationen: Der Aktie würde ein neuer Schub guttun. Nachdem die Nasdaq-kotierte Aktie im Dezember vergangenen Jahres noch 379 Dollar gekostet hatte, liessen diverse Probleme beim Unternehmen den Titel deutlich sinken (cash berichtete).

Analysten und Marktbeobachter sprechen von einem "schrecklichen Sommer" bei Tesla. Von einem Mehrjahrestief im Juni bei 177 Dollar hat sich der Titel etwas erholt und kostet derzeit 211 Dollar. Ein wirklicher Kurssprung ist dies allerdings noch nicht.

Die Tesla-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten (Grafik: cash.ch). 

Die VW-Einstiegs-Gerüchte hatten zunächst etwas Einfluss auf den Kurs, haben die Aktie in den letzten Handelstagen aber nicht massiv angetrieben. Die vermuteten Begehrlichkeiten von VW zeigen aber, wie sehr Tesla für Partnerschaften ausersehen ist.

Der VW-Konzern liess bisher erst den Audi e-Tron auf die Strassen rollen. Dieses grosse, schwere und teure Auto kann nur bedingt mit den vier Tesla-Modellreihen S, X, 3 und Y konkurrieren, die inzwischen auch das Mitteklassesegment abdecken.

 

 

Um als E-Autohersteller massentauglich zu werden, wäre Tesla-Technologie in kleineren, erschwinglicheren Autos ein massiver Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Und das bei allen Herstellern: Nicht nur VW, sondern auch BMW und Daimler könnten ihre Fühler zu Tesla ausstrecken, um ihre Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor zu reduzieren.

Bei den französischen Herstellern könnte eine Zusammenarbeit mit Tesla als Frage des nationalen Interesses vorangetrieben werden. Jaguar Land Rover wiederum könnte an einer anglo-amerikanischen E-Auto-Allianz interessiert sein, nachdem mit dem Jaguar E-Pace zumindest ein direkter Konkurrent zum Luxusmodell Tesla S lanciert worden ist. US-Autokonzerne werden genauso Planspiele anstellen wie die asiatischen Hersteller.

Gerüchte wird es weiter geben

Das Manager-Magazin schrieb, VW-Chef Herbert Diess sei der "grösste Tesla-Fan der Autoszene". Trotz Konzerndementis: Das Kapitel Zusammenarbeit oder gar eine spätere Übernahme durch einen grossen Autokonzern ist für Tesla noch nicht abgeschlossen – im Gegenteil. Und ein Käufer würde sich Tesla wohl auch etwas kosten lassen.

Für Aktionäre heisst dies: Ein Engagement bei Tesla, so chaotisch und chronisch unprofitabel das Unternehmen ist, könnte sich mit Blick auf eine Übernahmeprämie durchaus noch lohnen.

 
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