Elektrotechnikkonzern - Sind die mageren Jahre bei ABB wirklich vorbei?

ABB blickt auf ein überraschend schwaches Schlussquartal zurück. Das weckt bei Analysten Zweifel an einer baldigen Rückkehr hin zu Wachstum und höheren Margen. Die Aktie steht unter Verkaufsdruck.
08.02.2018 15:16
Von Lorenz Burkhalter
ABB-Chef Ulrich Spiesshofer.
ABB-Chef Ulrich Spiesshofer.
Bild: cash

Aufgrund kursseitiger Vorschusslorbeeren und einer Abfolge von Kaufempfehlungen wäre ABB eigentlich dazu prädestiniert gewesen, am heutigen Donnerstag mit einem überzeugenden Jahresergebnis aufzuwarten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Der schweizerisch-schwedische Industriekonzern verfehlt die Analystenerwartungen im Schlussquartal 2017 sowohl beim Umsatz als auch beim Reingewinn ziemlich deutlich. 

Dementsprechend unterkühlt fällt die Reaktion der Anleger aus. An der Schweizer Börse SIX taucht die ABB-Aktie zur Stunde um fast 5 Prozent auf 23,50 Franken. Der cash Insider berichtet von grösseren Blockverkäufen seitens institutioneller Grossinvestoren.

Und mit Blick nach vorne will sich ABB wie üblich nicht so recht in die Karten blicken lassen. Allerdings deuten die Aussagen zum aktuellen Umfeld nur bedingt darauf hin, dass die mageren Jahre wohl gezählt sind.

Zwei wichtige Divisionen enttäuschen

Die Reaktionen vom Markt sind etwas unterkühlt. In einer ersten Stellungnahme bezeichnet der für die UBS Investmentbank tätige Analyst die Beobachtungen aus dem vierten Quartal als "durchwachsen". Er zeigt sich überrascht, dass Grossaufträge weitestgehend ausgeblieben sind. Steigende Basisaufträge hätten schlimmeres verhindert.

Den tiefer als erwartet ausgefallenen Reingewinn führt der UBS-Analyst auf ein eher schwaches Abschneiden in den Geschäftsbereichen Electronic Products und Robotics & Motion zurück. In beiden Geschäftszweigen habe das Unternehmen mit höheren Rohmaterialkosten zu kämpfen gehabt, so Peigneux Lojo.

Er rät weiterhin mit einem 21 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel zum Verkauf der ABB-Aktie.

Wie es in Expertenkreisen heisst, war das Schlussquartal bei ABB gleich von mehreren einmaligen Belastungen geprägt. Noch ist allerdings unklar, ob die Analysten sämtliche dieser Belastungen vorhergesehen haben.

Versöhnliche Worte findet hingegen sein Berufskollege von Barclays. Er gewinnt dem vorliegenden Zahlenkranz durchaus auch positive Aspekte ab und zeigt sowohl am starken Anstieg bei den Basisaufträgen als auch am soliden Cash Flow sichtlich Gefallen.

Hat das Tagesgeschäft die Talsohle durchschritten?

Was die Aussagen zum wirtschaftlichen Umfeld anbetrifft, so verspürt der Barclays-Analyst bei den Firmenvertretern etwas mehr Optimismus als zuvor. Wie gewohnt gebe das Unternehmen aber keine Aussagen zur diesjährigen Wachstums- und Margenentwicklung ab.

Gemäss dem Analysten dürfte ABB die Talsohle im Tagesgeschäft in den letzten Wochen durchschritten haben und im laufenden Jahr auf den Wachstumspfad zurückfinden. Er empfiehlt die Aktie deshalb wie bis anhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 30 Franken zum Kauf.

Dem widerspricht der für die US-Investmentbank tätige Graham Phillips. Wachstum erzielen zu können und gleichzeitig Margenverbesserungen hinzubekommen falle ABB sichtlich schwer, so lässt er durchblicken. Als Folge davon hegt der Analyst grosse Zweifel an der Erreichbarkeit der Mittelfristziele. Graham stuft die Aktie unverändert mit "Underperform" und einem Kursziel von gerademal 17,65 Franken ein, was um fast 30 Prozent unter den aktuellen Kursnotierungen liegt.

Als eine der ersten Banken nimmt Julius Bär das Anlageurteil "Hold" und das Kursziel von 25,50 Franken "in Überprüfung". Der für die Zürcher Bank tätigen Britta Simon zufolge steht ein durchwachsenes Schlussquartal ermutigenden Trends wie der Wachstumsbeschleunigung bei den Basisaufträgen gegenüber. Noch ist sich die Analystin allerdings nicht sicher, dass die Börse einfach so über den Zahlenkranz hinwegschaut.

 

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