Enttäuschender Ausblick - (Kurzfristige) Auftragsflaute lässt AMS-Aktie tauchen

Der Apple-Zulieferer AMS wartet mit einem durchwachsenen Zahlenkranz und ernüchternden Quartalsvorgaben auf. Viele Analysten reagieren entspannt - dennoch wird die Aktie deutlich tiefer gehandelt.
24.04.2018 11:39
Von Lorenz Burkhalter
Alexander Everke, CEO AMS (Feb. 2017)
Alexander Everke, CEO AMS (Feb. 2017)
Bild: cash

Was kreisten im Vorfeld der Quartalsergebnispräsentation nicht alles für Spekulationen um den Sensorenhersteller AMS? Das Jubiläumsmodell iPhone X von Apple sei ein Ladenhüter, so hiess es zuerst. Das wiederum weckte bei Zulieferern wie AMS Ergebnisängste.

Daraufhin folgten Berichte aus Asien, wonach der US-Grosskunde bei seinen Zulieferern früher als sonst Komponenten für die zukünftige Generation des Smartphones aufrufe und der Ausblick für das zweite Quartal bei AMS wohl gar nicht so schwach ausfallen werde (cash berichtete).

Seit Montagabend besteht nun endlich Klarheit: Der Sensorenhersteller erfüllt die Analystenerwartungen an den Umsatz im ersten Quartal nur knapp. Beim bereinigten sowie beim effektiven operativen Gewinn (EBIT) werden diese hingegen verfehlt.

Gleichzeitig wartet das Unternehmen mit überraschend schwachen Zielvorgaben für das zweite Quartal auf. Der Umsatz dürfte zwischen 220 und 250 Millionen Dollar liegen. Das entspricht gegenüber dem vergangenen Quartal einem Rückgang um fast 50 Prozent. Folglich müssen die Analysten ihre bei 370 Millionen Dollar liegenden Umsatzschätzungen mit dem Rotstift überarbeiten.

An der Schweizer Börse SIX wird die AMS-Aktie zur Stunde mit einem Minus von 10,4 Prozent auf 85,65 Franken abgestraft. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 82,44 Franken. Beobachter berichten dabei von auffälligen Abgaben aus dem Ausland.

Zielvorgaben verfehlen selbst die pessimistischsten Annahmen

Wie die britische Grossbank Barclays in einem Kommentar schreibt, kommen die schwachen Zielvorgaben für das zweite Quartal einer materiellen Enttäuschung gleich. Denn obwohl die Absatzerwartungen für das iPhone X des Grosskunden Apple seit Dezember kontinuierlich nach unten revidiert worden seien, verfehle der Umsatz im laufenden Quartal selbst die pessimistischsten Annahmen, so der Autor.

Der Barclays-Analyst streicht seine Gewinnschätzungen für das gesamte 2018 um gut 20 Prozent zusammen. In Erwartung, dass die Auftragslage in der zweiten Jahreshälfte eine deutlich Verbesserung erfährt, hält er sowohl an der "Overweight" lautenden Kaufempfehlung als auch am Kursziel von 140 Franken für die AMS-Aktie fest.

Hohe Abhängigkeit vom Grosskunden Apple rächt sich

Seinem Berufskollegen bei der Credit Suisse zufolge bewegt sich der Zahlenkranz für die Zeit von Anfang Januar bis Ende März weitestgehend im Rahmen der Erwartungen. Allerdings räumt der Analyst ein, dass der bereinigte operative Gewinn (EBIT) am unteren Ende der firmeneigenen Zielvorgaben

Er führt die schwachen Zielvorgaben für das zweite Quartal auf die nur geringe Kapazitätsauslastung der Produktionsstätte in Singapur sowie auf ausbleibende Aufträge seitens des Grosskunden Apple im Zusammenhang mit dem iPhone X zurück. Rein rechnerisch müssten die Lieferungen an das US-Kultunternehmen im laufenden Quartal gegen Null tendieren, so der Analyst. Dennoch empfiehlt auch er die Aktie von AMS mit "Outperform" und gar einem Kursziel von 150 Franken zum Kauf.

Bessere zweite Jahreshälfte erwartet

Gemäss Schätzungen der Credit Suisse war der Grosskunde Apple bei AMS im ersten Quartal für fast die Hälfte des Umsatzes verantwortlich. Dem war nicht immer so, ist die Abhängigkeit des Sensorenherstellers seit der Übernahme des Sensorenherstellers Heptagon doch kräftig gestiegen. Kurzfristig rächt sich das nun.

In einem Punkt ist man sich in Expertenkreisen einig: Ab der zweiten Jahreshälfte sollten bei AMS wieder im grossen Stil Aufträge seitens von Apple eingehen.

Als erster seiner Berufsgruppe nimmt der für die Bank Vontobel tätige Analyst das 137 Franken lautende Kursziel in negative Revision. Eigenen Angaben zufolge will er seine diesjährigen Gewinnschätzungen um rund 50 Prozent zusammenstreichen. Angesichts der weiterhin positiven Aussichten hält jedoch auch die Bank Vontobel an ihrer Kaufempfehlung für die AMS-Aktie fest. Für den Berufskollegen von J.P. Morgan ist weniger der Ausblick für das zweite Quartal als vielmehr die schwache Bruttomarge im ersten Quartal die eigentliche Enttäuschung. Auch er rät jedoch mit "Overweight" und einem Kursziel von 135 Franken zum Kauf der Aktie.