Enttäuschendes Schlussquartal - Abschiedsvorstellung von CS-Chef Thiam mit schiefen Tönen

Am Tag vor seinem Rücktritt legt Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam ein eher enttäuschendes Quartalsergebnis auf. Eine Vielzahl einmaliger Einflüsse verschleiern die tatsächliche Gewinnkraft. Die Börse reagiert verstimmt.
13.02.2020 13:10
Von Lorenz Burkhalter
CS-Chef Tidjane Thiam.
CS-Chef Tidjane Thiam.
Bild: Bloomberg

Es ist nicht die Abschiedsvorstellung, die man sich von Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam erhofft hatte: Es schleicht sich der eine oder andere schiefe Ton ein.

Auf den ersten Blick kann sich die Geschäftsentwicklung im Schlussquartal zwar sehen lassen. Die Grossbank erzielt beim Vorsteuergewinn im Jahresvergleich eine Verdoppelung auf 1,2 Milliarden Franken, beim Reingewinn sogar mehr als eine Verdreifachung auf 852 Millionen Franken. Dennoch werden die bei 1,38 Milliarden Franken beziehungsweise 881 Millionen Franken liegenden Schätzungen der Analysten klar verfehlt. Und das, obwohl die buchhalterische Aufwertung auf der SIX-Beteiligung (knapp 500 Millionen Franken, erwartet: 450 Millionen Franken) und ein Liegenschaftenverkauf (146 Millionen Franken, erwartet: 100 Millionen Franken) deutlich mehr zum Gewinn beigetragen haben als angenommen.

Nach einem frühen Rücksetzer auf 12,965 Franken erholt sich die CS-Aktie zur Stunde sogar um 0,3 Prozent auf 13,41 Franken.

Von Rückstellungen überschattet

Wie die UBS schreibt, präsentierte sich die Ertragslage zwischen Oktober und Dezember besser als gedacht. Die um 11 Prozent höheren Kosten hätten die 8 Prozent höher als erwartet ausgefallenen Erträge rückblickend jedoch zunichte gemacht, so die Grossbank weiter. Dennoch räumt sie den ermutigenden Aussagen zum Tagesgeschäft zur Zeit ein grösseres Gewicht ein und bekräftigt sowohl ihre Kaufempfehlung als auch das 15,70 Franken lautende 12-Monats-Kursziel.

Goldman Sachs gewinnt dem vorliegenden Zahlenkranz hingegen sowohl positive als auch negative Aspekte ab. Während die US-Investmentbank den überzeugenden Gewinnbeitrag aus dem Investment Banking und aus der Region Asien/Pazifik begrüsst, stösst sie sich an der Nettoneugeldentwicklung sowie am rückläufigen Buchwert. Goldman Sachs stuft die Aktie weiterhin mit "Buy" und einem 12-Monats-Kursziel von 18,10 Franken ein.

Die Zürcher Kantonalbank zeigt sich enttäuscht von den 326 Millionen Franken schweren Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Ihres Erachtens verunmöglicht es die hohe Anzahl an bedeutenden Einmaleffekten, das operative Ergebnis zuverlässig einzustufen. Die Zürcher Kantonalbank erhofft sich diesbezüglich klärende Worte der Firmenverantwortlichen anlässlich der Analystenkonferenz. Das Anlageurteil lautet vorerst "Übergewichten".

Auch für die Bank Vontobel stehen die ermutigenden Aussagen rund um den Jahresauftakt im Vordergrund. Wie die Zürcher Bank vorrechnet, entfallen vom Vorsteuergewinn von 4,7 Milliarden Franken für 2019 mehr als 1,1 Milliarden Franken auf einmalige Gewinnbeiträge. Sie stuft die Aktie deshalb nur mit "Hold" und einem Kursziel von 12,50 Franken ein.

Im Wealth Management besser als die UBS

Der Lichtblick – so ist man sich in Expertenkreisen einig – ist der Ergebnisbeitrag aus dem International Wealth Management. Mit 632 Millionen Franken liegt das Spartenergebnis auf Stufe Vorsteuergewinn über den durchschnittlich erwarteten 609 Millionen Franken. Das entspricht einem Zuwachs um fast 70 Prozent.

 

 

Damit stellt die Credit Suisse die ewige Erzrivalin UBS in diesem Bereich in den Schatten. Wie seit der zweiten Januar-Hälfte bekannt ist, steigerte letztere den Vorsteuergewinn im Global Wealth Management im Jahresvergleich um 3 Prozent auf umgerechnet 830 Millionen Franken, was rund 10 Prozent unter den Markterwartungen lag.

Beobachtern zufolge lässt sich allerdings nur ungefähr sagen, wie viele Millionen des Aufwertungsgewinns auf der SIX-Beteiligung bei der Credit Suisse ins Spartenergebnis für das International Wealth Management flossen. Zumindest am Nettoneugeld gemessen, habe die Credit Suisse (Zufluss knapp 10 Milliarden Franken) im Schlussquartal deutlich besser als die UBS (Abfluss umgerechnet 4,5 Milliarden Franken) abgeschnitten.

 

Ausgewählte Produkte auf CS Group

Symbol Typ Coupon PDF
MDGZJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 8.50% PDF
MDKLJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 8.45% PDF
MCLUJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 8.15% PDF

Investment-Ideen von Julius Bär