Enttäuschende Bilanz für Schweizer Firmen

Die Berichterstattung für das Geschäftsjahr 2015 ist in ganz Europa in vollem Gange. Eine Zwischenbilanz zeigt: Schweizer Firmen fallen gegenüber der ausländischen Konkurrenz zurück.
29.02.2016 08:41
Von Lorenz Burkhalter
Firmen aus der Schweiz haben es aufgrund des starken Frankens schwerer als solche aus dem umliegenden Europa.

Obschon das neue Jahr schon fast zwei Monate alt ist, ist die Unternehmensberichterstattung für das Geschäftsjahr 2015 noch immer in vollem Gange. Bisweilen haben 387 der 600 im viel beachteten Stoxx Europe 600 Index vertretenen Firmen ihre Zahlenkränze vorgelegt.

Für die Aktienstrategen der britischen Grossbank Barclays ein guter Zeitpunkt, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Diese fällt sehr viel erfreulicher aus, als die Börsenentwicklung vermuten liesse: Von den 387 Unternehmen konnten nicht weniger als 68 Prozent die Konsensschätzungen auf Stufe Umsatz erfüllen oder gar übertreffen. Beim Gewinn je Aktie waren es immerhin noch 66 Prozent, so die Experten.

Die Schweiz bleibt ein Sonderfall

Insgesamt wurden die Erwartungen auf Stufe des Gewinns je Aktie durchschnittlich um knapp ein Prozent übertroffen. Dazu trugen vor allem Vertreter aus den Sektoren Automobile, Investitionsgüter, Nahrungsmittel, Technologie und Telekommunikation sowie Unternehmen aus Frankreich und Schweden bei.

Anders in der Schweiz: Von den 54 von Barclays mitverfolgten Firmen liegt mittlerweile bei 29 das Jahresergebnis vor. Dabei hielten sich die positiven und die negativen Überraschungen in etwa die Waage. Neun Unternehmen übertrafen die bankeigenen Umsatzerwartungen, acht verfehlten diese hingegen. Beim Gewinn je Aktie legten allerdings nur vier Firmen ein besser als erhofftes Resultat vor. In acht Fällen kam es zu Gewinnenttäuschungen.

Weitere Zahlenkränze zu erwarten

Auf Stufe Umsatz wurden die Erwartungen der britischen Grossbank über alle 29 Firmen hinweg insgesamt erfüllt, beim Gewinn je Aktie hingegen um gut 4 Prozent verfehlt. In kaum einem anderen europäischen Land wurden die zukünftigen Konsensschätzungen im Anschluss an die Jahresergebnispräsentation derart stark zurückgenommen wie in der Schweiz. Das hat seine Gründe: Denn während Unternehmen aus dem umliegenden Ausland im letzten Jahr vom schwachen Euro profitieren konnten, hatten jene aus der Schweiz nach der Aufgabe des SNB-Mindestkurses mit einem starken Franken zu kämpfen.

Im Laufe dieser Woche werden zahlreiche weitere im Stoxx Europe 600 Index berücksichtigte Firmen aus der Schweiz ihre Ergebnisse vorlegen. Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf den Lebensversicherungskonzern Swiss Life und das Transportunternehmen Kühne + Nagel. Bei Swiss Life rechnen Analysten mit einem im Jahresvergleich um 2 Prozent höheren Reingewinn von 836 Millionen Franken und bei Kühne + Nagel auf das Schlussquartal bezogen mit einem leichten Gewinnrückgang um 3 Prozent auf 159 Millionen Franken. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Resultate in die bisherigen Beobachtungen der Barclays-Strategen einreihen.