Enttäuschung bei Julius Bär bleibt aus - Aktie zieht weiter

Allen Unkenrufen zum Trotz wartet Julius Bär mit einem soliden Zwischenbericht auf. Nachdem die Aktie in den letzten Tagen einen starken Lauf hatte, legt sie dank Anschlusskäufen weiter zu.
17.11.2016 13:02
Von Lorenz Burkhalter
Der Zwischenbericht ist bei Julius Bär von Licht und Schatten geprägt. Im Bild: Firmenchef Boris Collardi.
Der Zwischenbericht ist bei Julius Bär von Licht und Schatten geprägt. Im Bild: Firmenchef Boris Collardi.
Bild: Bloomberg

Die Rivalin UBS hatte bei Julius Bär nur Tage vor der Veröffentlichung des Zwischenberichts für die ersten zehn Monate des Geschäftsjahres 2016 noch vor einer möglichen Enttäuschung gewarnt. Auch andere Banken rechneten mit von Licht und Schatten geprägten Aussagen zur Geschäftsentwicklung.

Diesen negativen Einschätzungen zum Trotz weiss die traditionsreiche Zürcher Bank in den ersten zehn Monaten allerdings zu überzeugen. Obschon sich die Bruttomarge in den Monaten Juli bis Oktober gegenüber der ersten Jahreshälfte abgeschwächt hat, bewegt sie sich mit 91 Basispunkten knapp im Rahmen der Analystenerwartungen. Dasselbe gilt für das bei knapp 4 Prozent liegende Neugeldwachstum. Ein Lichtblick, da sind sich die Experten einigt, sind aber vor allem die auf der Kostenseite erzielten Fortschritte. Die im Sommer eingeleiteten Sparmassnahmen entfalten bereits ihre Wirkung.

Alles das kommt an der Börse gut an. An der Schweizer Börse SIX wird die zuletzt gefragte Aktie von Julius Bär von Anschlusskäufen erfasst. Zur Stunde gewinnt sie 2,1 Prozent auf 44,83 Franken. Beobachter berichten von auffälligen Käufen aus dem Ausland.

Der für die Bank Vontobel tätige Analyst gewinnt dem vorliegenden Zahlenkranz sowohl positive als auch negative Aspekte ab. Seines Erachtens fallen die verwalteten Kundenvermögen nach zehn Monaten höher als von ihm erwartet aus, was er begrüsst. Das Nettoneugeldwachstum und das Kosten-Ertrags-Verhältnis entwickelten sich hingegen wie von ihm erwartet.

Geringe Kundenaktivitäten drücken auf die Bruttomarge

Als Schwachpunkt bezeichnet der Experte hingegen die Bruttomarge. Diese habe sich von knapp 95 Basispunkten im ersten Halbjahr auf etwas mehr als 91 Basispunkte für die ersten zehn Monate abgekühlt, so schreibt er. Der Analyst selber ging bislang für das Gesamtjahr von einer Bruttomarge von 92 Basispunkten aus. Mit einem grösseren Anpassungsbedarf bei seinen Schätzungen rechnet er dennoch nicht. Die Aktie wird deshalb weiterhin mit "Hold" und einem Kursziel von 43 Franken eingestuft.

Kursentwicklung der Julius-Bär-Aktie im bisherigen Tagesverlauf, Quelle: www.cash.ch

Auch dem Berufskollegen der UBS Investmentbank bietet nur die rückläufige Bruttomarge Angriffsfläche. Seinen Berechnungen zufolge ist die Marge in den Monaten Juli bis Oktober auf 86 Basispunkte gefallen, was unter den 88 Basispunkten aus dem Vorjahr liegt. Für die besagten vier Monate errechnet er ein Kosten-Ertrags-Verhältnis von 71,7 Prozent, was über der Zielbandbreite von 68 bis 69 Prozent liegt. In Anbetracht der Verpflichtung neuer Kundenberater erachtet der Analyst die Kostenentwicklung jedoch sogar als positiv. Er empfiehlt die Aktie weiterhin mit einem 12-Monats-Kursziel von 45 Franken zum Kauf.

"Nicht ganz so düster wie befürchtet"

In einem Kommentar von Baader Helvea findet der Autor hingegen sichtlich Gefallen am starken Vermögenswachstum in einem solch schwierigen Umfeld. In dieses Bild passen seines Erachtens auch die ermutigenden Aussagen zur zukünftigen Nettoneugeldentwicklung. Das Zielband von jährlich 4 bis 6 Prozent sei einer der Grundpfeiler für seine positive Einschätzung der mit "Buy" empfohlenen Aktie, so gibt der Experte zu bedenken. Auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes erhöht er das Kursziel auf 50 (48) Franken.

Auch sein für die Zürcher Kantonalbank tätiger Berufskollege räumt ein, dass der Zwischenbericht "nicht ganz so düster wie befürchtet" ausgefallen sei. Nachdem die Aktie im Zuge grösserer Branchenrotationen innerhalb weniger Tage von 38 auf 44 Franken hochgeschnellt sind, erachtet er das weitere relative Kurspotenzial als begrenzt. Er hält deshalb am "Marktgewichten" lautenden Anlageurteil fest.