Erbitterter Kampf um die Swisscom-Aktie

Swisscom verfehlt die Gewinnerwartungen, hält aber am Ausblick fest. Während sich die Analysten mehrheitlich wohlwollend äussern, liefern sich Anleger in der Aktie einen heftigen Schlagabtausch
05.11.2015 11:40
Von Lorenz Burkhalter
Bekommt immer öfter den Wettbewerb zu spüren: Swisscom-Chef Urs Schaeppi.

Das sind sich die erfolgsverwöhnten Swisscom-Aktionäre nicht gewohnt: Selbst unter Ausklammerung einer Rückstellung für ein Bussgeld fällt die Gewinnentwicklung schwächer als erwartet aus.

Erste Anhaltspunkte für einen intensiveren Wettbewerb im Heimmarkt Schweiz sowie die Tatsache, dass der Telekommunikationskonzern die Höhe der Dividende vom Erreichen der diesjährigen Umsatz- und Ertragsziele abhängig macht, sorgen in Händlerkreisen für heisse Köpfe.

An der Schweizer Börse SIX erholt sich die Aktie zur Stunde noch um 0,5 Prozent auf 516 Franken. Im bisherigen Tagesverlauf bewegte sich der Kurs zwischen 510 und 519 Franken, was auf einen erbitterten Kampf zwischen positiv und negativ gestimmten Anlegern hindeutet. Derzeit scheinen erstere die Oberhand zu halten.

Resonanz mehrheitlich positiv

Wie der Analyst der Zürcher Kantonalbank in einem Kommentar schreibt, konnte Swisscom die bankeigenen Erwartungen um Sonderbelastungen bereinigt sogar leicht übertreffen. Das nicht zuletzt dank einem guten Kostenmanagement. Dank einem rückläufigen Nettoumlaufvermögen habe sich zudem der freie Cash Flow unerwartet stark erhöht. Aufgrund des Bewertungsabschlags zum fairen Wert von 541 Franken wird die Aktie weiterhin mit "Übergewichten" eingestuft.

Von einem "Ergebnis am unteren Ende der Erwartungen" spricht der Berufskollege von J. Safra Sarasin. Er rechnet allerdings damit, dass das Unternehmen die eigenen Umsatz- und Ertragsprognosen erreichen und eine im Jahresvergleich unveränderte Dividende von 22 Franken je Aktie entrichten wird. In Anbetracht des Bewertungsabschlags gegenüber anderen europäischen Rivalen wird die Aktie unverändert zum Kauf empfohlen.

Dividende gilt als sicher

Bei der Deutschen Bank legt man das Schwergewicht auf der Millionenbusse. Um diese bereinigt, sei die Geschäftsentwicklung zumindest zufriedenstellend ausgefallen, so der Analyst. Er rechnet damit, dass die im Oktober um das Bussgeld angepassten Jahresprognosen erreicht werden. Insgesamt bezeichnet er den vorliegenden Zahlenkranz als "in den Erwartungen liegend". Die Aktie stuft er hingegen mit "Hold" und einem Kursziel von 558 Franken ein.

Versöhnliche Töne schlägt auch der für die Bank Vontobel tätige Analyst an. Er räumt zwar ein, dass die Erwartungen im dritten Quartal verfehlt worden seien, bezeichnet das Ergebnis aber dennoch als solide. Er hält die Dividende von 22 Franken je Aktie trotz rückläufigen Gewinnen für sicher und bekräftigt das Anlageurteil "Hold". Dennoch wird das 573 Franken lautende Kursziel in negative Überprüfung gesetzt.