Erholung nach Brexit-Verlusten - Nestlé schieben an

Der Schweizer Aktienmarkt steht am Dienstagmittag deutlich im Plus. Bereits am Morgen war der Leitindex SMI mit satten Gewinnen gestartet, wobei vor allem die schwergewichtigen Nestlé-Titel Schub gaben.
28.06.2016 13:35
Die Aktien von Nestlé sorgen am Dienstag für Schub im SMI.
Die Aktien von Nestlé sorgen am Dienstag für Schub im SMI.
Bild: Bloomberg

Der SMI erholt sich damit ein wenig von den in den vergangenen beiden Handelstagen erlittenen Verluste, die vom "Brexit-Schock" ausgelöst wurden. Neben Entspannungssignalen von den Rohstoffmärkten wird im Handel auch auf eine deutliche Abschwächung des Frankens zum Euro verwiesen.

Mit den Kursgewinnen geht auch die Nervosität zurück, wie dem Volatilitätsindex VSMI abzulesen ist (-12%). Dies allerdings von einem sehr hohen Niveau aus. Die mit dem Ausstiegsprozess der Briten verbundene Verunsicherung dürfte laut Händlern wohl noch wochen- oder gar monatelang auf den Märkten lasten. Im Tagesverlauf richten sich die Blicke nun auf Konjunkturdaten. In den USA stehen unter anderem der Case-Shiller-Hauspreisindex sowie Daten zur Konsumentenstimmung auf der Agenda.

SMI gewinnt über 2 Prozent

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt gegen 12 Uhr 2,21% auf 7'761,98 Zähler und notiert damit knapp 25 Punkte unter dem bisherigen Tageshoch. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, steigt um 2,07% auf 1'144,28 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 2,15% auf 8'380,81 Zähler. Von den 30 Blue Chips notieren bis auf CS alle in der Gewinnzone.

Die schwergewichtigen Nestlé-Titel fallen mit Aufschlägen von 3,6% auf. Der Nahrungsmittelkonzern hat für alle überraschend mit dem Deutschen Ulf Mark Schneider einen Externen zum neuen CEO berufen. Dieser war zuletzt CEO des Gesundheitsunternehmens Fresenius. Damit signalisiertNestlé nach Ansicht von Beobachtern, wo künftig stärkere Akzente gesetzt werden sollen. Bereits der 2015 neu zu Nestlé gestossene CFO François-Xavier Roger sei aus der Pharmabranche gekommen.

Stark nach oben geht es auch mit den Aktien der beiden Luxusgüterhersteller Swatch (+4,5%) und Richemont (+3,6%) sowie mit weiteren Zyklikern wie LafargeHolcim (+3,5%) und Dufry (+2,7%). Die Aktien der beiden letztgenannten Konzerne standen aufgrund eines relativ bedeutenden Geschäftsanteils in Grossbritannien zuletzt überdurchschnittlich unter Druck.

Auch die Versicherer Zurich (+3,2%) und Swiss Re (+3,2%) sind ganz oben im Tableau zu finden. Das gleiche gilt für die defensiven Swisscom(+3,2%).

Grossbanken hinken dem Markt nach

Die Grossbankenwerte, die mit dem Brexit-Votum heftig unter die Räder gekommen waren, nehmen an der Erholung nur bedingt teil: UBS legen 0,2% zu, Credit Suisse wechselten mittlerweile das Vorzeichen und verlieren 0,1%. Die Ungewissheit sei für die gesamte Finanzindustrie weiterhin sehr gross, hiess es im Handel. Zudem habe sich das konjunkturelle Umfeld mit dem Brexit erst einmal stark eingetrübt, womit Kreditausfälle drohten und die ohnehin angeschlagene Finanzbranche belasten könnte.

Unterdurchschnittlich schneiden auch die beiden Pharma-SchwergewichteRoche (+2,0%) und Novartis (+1,3%) ab. Die beiden Titel wurden vom Brexit viel weniger nach unten gerissen als der Gesamtmarkt, womit das Erholungspotenzial auch nicht so gross sei, hiess es von Händlern.Novartis verstärkt mit einem Lizenzabkommen mit der amerikanischen Xencor sein Immun-Onkologieportfolio. Roche wiederum hat von den beiden Zulassungsbehörden FDA in den USA und der EMA in Europa grünes Licht für seinen Antrag für das Mittel Ocrevus in der Behandlung von Multipler Sklerose erhalten.

Im breiten Markt steigen Ypsomed um 4,0%. Der Medizinaltechnikkonzern kooperiert mit der dänischen Novo Nordisk in der Insulintherapie. Der Aussenwerber APG (Aktie: +3,4%) meldete den Verkauf einer Immobilie, was den Gewinn um rund 18 Mio CHF aufblähen werde. Dank dieses Sondergewinns sei es nun denkbar, dass die Dividende noch höher ausfallen wird, kommentiert die ZKB.

Auch Valora (+7,2%) haben einen starken Lauf, nachdem Baader Helvea eine Kaufempfehlung für die Aktien ausgesprochen hat. Seit Jahresbeginn legten die Titel mittlerweile um knapp 25% zu. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt SPI notiert derzeit rund 7% tiefer.

Zu den grossen Verlierern gehören HBM Healthcare (-4,6%) im Zuge des heutigen Dividendenabgangs.

(AWP)