Erste Rede: Trump greift Establishment an

Der neue US-Präsident Donald Trump hat seine Antrittsrede zu einem Angriff auf das politische Establishment und eine Bekräftigung seiner harten aussenpolitischen Politik genutzt.
20.01.2017 18:35
US-Präsident Donald Trump ist neuer Präsident der USA.
US-Präsident Donald Trump ist neuer Präsident der USA.
Bild: Bloomberg

Es werde an diesem Tag nicht nur die Macht von einer Regierung an die nächste weitergegeben, erklärte Trump am Freitag nach seiner Vereidigung vor dem Kapitol in Washington. Vielmehr werde die Macht aus der Hauptstadt an die Bevölkerung zurückgegeben. Seine Amtszeit werde der Regel folgen: "Amerika zuerst". Er werde das Land wieder "groß machen".

Trump hat angekündigt, noch am selben Tag erste Erlasse zu unterzeichnen, um Teile der Politik seines Vorgängers Barack Obama aufzuheben. 

Erste Schaulustige machten sich bereits in den Morgenstunden trotz schlechten Wetters auf den Weg zum Kapitol, wo der 70-Jährige den Amtseid ablegen sollte. Trump und sein Vize Mike Pence begannen den Tag der Amtsübernahme mit einem Gottesdienst. 28.000 Polizisten, Nationalgardisten und Militärangehörige waren im Einsatz, um in einem etwa acht Quadratkilometer grossem Gebiet im Zentrum der Hauptstadt Washington für Sicherheit zu sorgen. Mindestens 900.000 Zuschauer wurden erwartet, darunter Tausende Demonstranten.

Auch ausserhalb der USA machten Gegner des künftigen Präsidenten mobil: In London hängten sie an der Tower Bridge ein Banner mit der Aufschrift "Baue Brücken nicht Mauern" auf. In Berlin wollten sie zum Brandenburger Tor marschieren, wo auch die US-Botschaft liegt. Kleinere Proteste gab es zudem in Tokio und auf den Philippinen.

Bereits am Vorabend der Vereidigung des 45. US-Präsidenten kam es zu ersten Auseinandersetzungen auf den Strassen Washingtons. Die Polizei setzte Reizgas gegen Demonstranten ein, die festlich gekleidete Gäste einer Pro-Trump-Party mit Müll bewarfen. Trump rief via Twitter noch einmal zur Einheit auf. Er zitierte seinen Wahlkampfslogan und äusserte sich überzeugt, "gemeinsam" mit seinen Mitbürgern "Amerika wieder gross zu machen".

Philosopie und Trump

Bislang teilen diese Meinung jedoch viele Amerikaner nicht. Trumps Zustimmungswerte liegen laut Umfragen bei 40 Prozent. Seit Jimmy Carter 1977 war kein Präsident beim Amtsantritt so unbeliebt. Durch die Bevölkerung zieht sich ein tiefer Graben. Und auch im Ausland und an den internationalen Finanzmärkten ist die Verunsicherung gross angesichts Trumps kritischer Äusserungen über Freihandelsabkommen und Militärbündnisse wie die Nato, seinen Plänen für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko und seinen zahlreichen Ausfällen - etwa gegen Frauen, Muslime, Einwanderer oder die Medien.

(Reuters)