Es droht eine tiefe Zinskluft zwischen USA und Europa

Der Einzug von Donald Trump ins Weisse Haus wird aller Voraussicht nach zu einer Zäsur in der Geldpolitik führen. Denn die Zinskluft zwischen den USA und der Euro-Zone dürfte sich jetzt rasch verstärken.
14.01.2017 08:00
Bereits warnen Beobachter vor einer Überhitzung der US-Wirtschaft.
Bereits warnen Beobachter vor einer Überhitzung der US-Wirtschaft.
Bild: Pixabay

Seit der weltweiten Finanzkrise war die US-Zentralbank Fed bestrebt, die Wirtschaft mit einer laxen Geldpolitik wieder auf Kurs zu bringen - mit einigem Erfolg. Nun könnte sie aber bremsen: Billionenschwere Staatsinvestitionen, radikale Steuersenkungen und Deregulierungen à la Trump versprechen einen Extra-Schub für die Wirtschaft just zu einer Zeit, da die Konjunktur bereits rund läuft und der Jobmarkt fast leer gefegt ist. Höhere Löhne und steigende Inflation werden die Fed wohl auf den Plan rufen. Dagegen hat die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt, ihre Nullzinspolitik aufgrund der immer noch schwachen Konjunktur noch länger beizubehalten.

"Der Politik-Mix von Trump kreiert viel Unsicherheit und rückt den Dollar-Raum zinspolitisch noch weiter weg vom Euro-Raum und auch von anderen Währungsräumen wie Japan", sagt Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Die Fed hatte erst im Dezember die Schrauben angezogen und den Schlüsselsatz zur Geldversorgung der Banken um einen Viertelpunkt angehoben - auf jetzt 0,5 bis 0,75 Prozent. Zudem stellte sie drei weitere Schritte nach oben für dieses Jahr in Aussicht.

Heinemann zufolge wäre für die USA jetzt eigentlich die Zeit, ihr Defizit abzubauen und Schulden zu tilgen. Trump gehe aber in die andere Richtung. "Natürlich wird dann die Geldpolitik dagegen halten müssen, wenn die Fiskalpolitik sich so unangemessen verhält". Im November lag die Teuerungsrate dort bereits bei 1,7 Prozent und damit nahe an dem von der Fed angestrebten Zielwert von zwei Prozent. Eine Wirtschaft zu stimulieren, die bereits unter Vollbeschäftigung laufe, berge die Gefahr, dass die Konjunktur überhitze, warnt auch der Chefökonom des französischen Investmenthauses Oddo Securities, Bruno Cavalier. Die Preise würden dann kräftig anziehen. Ökonom Markus Herrmann von der Landesbank Baden-Württemberg erwartet, dass die Inflation 2017 "spürbar ansteigen wird - in der Spitze auf drei Prozent".

Zuletzt hatte bereits der US-Währungshüter Eric Rosengren eine schnellere Gangart bei Zinserhöhungen gefordert. Angesichts von Vollbeschäftigung und dem in Sichtweite gerückten Inflationsziel sei mehr Tempo als in den beiden Vorjahren angebracht, als die Fed jeweils nur einen Schritt nach oben wagte. Dabei müsse sie aber wohl nicht so rastlos wie in den Jahren von 2004 bis 2006 vorgehen, als die Zinsen fast im Monatstakt stiegen - von 1,0 auf 5,25 Prozent. Dennoch schlitterte damals die Welt in die Finanzkrise. Fed-Chefin Janet Yellen dürfte daraus ihre Lehren ziehen, meint Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner: "Die Fed hat damals womöglich zu stark gebremst. Dann kam der grosse Knall."

Eine Chance für die Euro-Zone?

Von Überhitzungsproblemen kann die Euro-Zone momentan nur träumen. Die Arbeitslosenquote liegt immer noch rund doppelt so hoch wie in den USA. Dazu ist auch die Inflation mit 1,1 Prozent im Dezember noch deutlich niedriger als den Frankfurter Währungshütern lieb sein kann. Ihre Zielmarke von knapp zwei Prozent liegt nach wie vor weit entfernt. Der Dollar hat nach dem Trump-Sieg bereits entsprechend reagiert: Die US-Währung zog seit dem 8. November um rund vier Prozent an. Wegen der Aussicht auf Zinserhöhungen werden die USA attraktiver für Investoren, die daher einen Teil ihres Kapitals von Euro- in Dollar-Anlagen umschichten.

Dies wirkt nach Einschätzung des Fed-Experten der Landesbank Hessen-Thüringen, Patrick Franke, auch impulsgebend für die Wirtschaft der Euro-Zone: "Ein schwächerer Euro hat den positiven Effekt, dass dies die Konjunktur stimuliert und auch bei den Importpreisen her in die richtige Richtung wirkt." Die EZB würde dies tendenziell begrüssen, weil damit ihre Zielerfüllung schneller heranrücke. Der Experte warnt aber vor zu viel Optimismus: "Was gut für die US-Wirtschaft ist, muss sich nicht unbedingt in guten Wachstumszahlen in Italien, in Frankreich und Deutschland niederschlagen." Der Euro-Raum profitiere zwar über die Exporte. "Aber nur, wenn nicht gleichzeitig eine massiv protektionistische Politik gemacht wird."

Noch ist vieles nur Ankündigung

Viele Ökonomen weisen ausserdem darauf hin, dass die Euphorie an den Finanzmärkten nach dem Trump-Sieg bislang nur auf Ankündigungen beruht. Commerzbank-Volkswirt Weidensteiner geht deshalb nicht davon aus, dass es in den USA mit Zinserhöhungen "nun Schlag auf Schlag" geht: "Die Fed wird abwarten, bis Trump die ersten Massnahmen durch den Kongress gebracht hat." Im Juni und Dezember könne sie dann die Zinsen erhöhen. Womöglich werde ihr auch ein starker Dollar einen Teil der Arbeit abnehmen. Eine starke Währung bremst die Inflation etwas. Zugleich werden die Exporteure belastet, was konjunkturdämpfend wirkt.

Börsianer rechnen für 2017 derzeit mit ein bis zwei Zinsschritten in den USA. Nach den Prognosen der Fed-Mitglieder könnte der Schlüsselsatz zum Jahresende bei 1,375 Prozent liegen. Dagegen dürfte in der Euro-Zone bis dahin der Leitzins aller Voraussicht bei null Prozent verharren. So weit über dem europäischen Niveau lag der US-Zins zuletzt kurz vor der Finanzkrise im Jahr 2007.

(Reuters)