Es führt kein Weg an Gold vorbei

Auf der Suche nach Sicherheit flüchten viele Investoren in Gold. Doch auch mit anderen Anlagen konnten Schweizer in diesem Jahr gut Geld verdienen.
20.07.2016 06:53
Von Ivo Ruch
Viel Geld fliesst in Gold-Anlagen: Bild aus einer südafrikanischen Goldschmelze.
Viel Geld fliesst in Gold-Anlagen: Bild aus einer südafrikanischen Goldschmelze.
Bild: cash

Gold überstrahlt in diesem Jahr alles. Keine Anlageklasse hat seit Anfang Jahr besser rentiert als die Aktien von Goldminen-Betreibern. Mit einem durchschnittlichen Wertzuwachs von 135 Prozent waren sie auch einiges beliebter als Investments in physisches Gold: Der Preis pro Unze verteuerte sich immerhin um 23 Prozent.

Grund für diesen Goldsturm ist die anhaltende Verunsicherung an den Finanzmärkten, ausgelöst etwa durch den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union oder die ungewisse Zukunft von Chinas Wirtschaft. Diese Unberechenbarkeiten lassen Anleger neben Gold auch in andere als sicher bekannte Anlagen flüchten. Zum Beispiel in Staatsanleihen von Industriestaaten.

Das hat dazu geführt, dass die Renditen etlicher Staatsobligationen stark unter Druck kamen und in den negativen Bereich gerutscht sind, wie der nächste Chart zeigt: Die Rendite für zehnjährige Anleihen Japans steht derzeit bei -0,23 Prozent, jene Deutschlands bei -0,04 Prozent und in der Schweiz müssen Investoren gar einen Negativzins von -0,57 Prozent in Kauf nehmen – weltweit der tiefste Wert.

Chart von misesde.org

 

Schweizer Immobilien im Hoch

Analog zu den sinkenden Renditen sind die Anleihenkurse in den letzten Monaten in die Höhe geschossen. Dementsprechend gehören Obligationen aus dem Yen-Raum, aber auch auf globaler Ebene zu den Anlageklassen mit den grössten Kurssprüngen, wie eine Zusammenstellung des Vermögensverwalters Hinder Asset Management zeigt, die täglich aktualisiert wird.

Die Schweiz taucht auf Rang vier erstmals auf. Es sind Schweizer Immobilienaktien, die als Anlageklasse knapp 14,7 Prozent an Wert dazugewinnen konnten. Der Anlagenotstand und die historisch tiefen Hypothekenzinsen machten hiesiges Wohneigentum noch einmal attraktiver.

Anstatt selbst eine Immobilie zu erwerben, weichen viele Anleger auf Aktien börsenkotierter Immobilienfirmen aus: Titel wie Intershop (+14 Prozent in diesem Jahr), Peach Property (+18 Prozent), Plazza (+16 Prozent) oder Zug Estates (+12 Prozent) eilen in vielen Fällen von Rekord zu Rekord. Ein Trend, der nicht so schnell abebben dürfte.

In diesem Fahrwasser bewegen sich auch die Schweizer Immobilienfonds, die auf eine durchschnittliche Rendite von knapp 8 Prozent kommen. Ganz im Gegensatz zum Schweizer Aktienmarkt in seiner Gesamtheit. Wer zu Jahresbeginn auf den Swiss Performance Index (SPI) gewettet hatte, muss aktuell 3,5 Prozent des eingesetzten Geldes verloren geben. Gar 8,2 Prozent sind es beim Leitindex SMI.

Kaum jemand setzt auf Europa-Aktien

Viel stärker hat sich der amerikanische Aktienmarkt erholt. Zu Beginn des Jahres noch tief im Minus, sind Dow Jones und S&P 500 erst kürzlich auf neue Bestmarken geklettert. Obwohl US-Aktien mittlerweile stolz bewertet sind, steigen die Kurse munter weiter.

Weit hinten in der Rangliste der Anlageklassen reihen sich japanische Aktien ein. Der Leitindex Nikkei steht im laufenden Jahr 12 Prozent im Minus, wobei vor allem der starke Yen den Anlegern Sorgen bereitet.

Noch schlechter platziert sind nur noch Aktien aus Europa. Trotz nach wie vor sperrangelweit geöffneten Geldschleusen der Europäischen Zentralbank kommt die Wirtschaft nicht recht in Schwung. Hinzu kommen Anti-europäische Tendenzen in vielen Ländern sowie eine Krise in Italiens Banksystem, die Investoren das Vertrauen entziehen.

Das Schlusslicht bildet der britische Geldmarkt. Die Anlageklasse, die sich am 3-Monats-Libor der Bank of England orientiert, hat sich aus Schweizer Sicht vor allem deshalb so schwach entwickelt, weil das britische Pfund seit dem Brexit-Votum gegenüber dem Franken mehr als 10 Prozent an Wert verloren hat.

Die besten Anlageklassen weltweit seit 1. Januar 2016

Anlageklasse Rendite in %
Goldminen +135
Gold Bullion +23
Obligationen JPY +19
Immobilien Schweiz +15
Geldmarkt JPY +12
Immobilien USA +11
Obligationen Global +10
Obligationen High Yield USA +9
Immobilien Asien +9
Aktien Schwellenländer +8

Die schlechtesten Anlageklassen weltweit seit 1. Januar 2016

Anlageklasse Rendite in %
Geldmarkt GBP -12
Aktien Europa - Small Caps -10
Aktien Europa - Large Caps -8
Aktien UK - Large Caps -5
Aktien Japan - Large Caps -3
Aktien Schweiz - Large Caps -3
Aktien Japan - Small Caps -3
Geldmarkt USD -1
Aktien USA - Technologie -1
Geldmarkt CHF -0,4

Quellen: Hinder Asset Management, Bloomberg; Stand 18. Juli 2016; Kurse in CHF