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«Es gibt Zweifel an den hohen Aktienkursen»

Caroline Hilb nimmt aufgrund der zuletzt verunsicherten Börsen ihre Prognose für den SMI zurück. Die Anlagestrategin der St. Galler Kantonalbank sieht dennoch kaum Alternativen zu Aktien und nennt ihren SMI-Favoriten.
08.08.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Caroline Hilb ist Leiterin Anlagestrategie bei der St. Galler Kantonalbank.
Bild: cash

Seit Wochen sind die Schweizer Anleger im Verkaufsmodus. Alleine in den letzten sechs Wochen hat der Swiss Market Index (SMI) mehr als 4 Prozent eingebüsst. Im Vergleich zum Jahresanfang blickt der Index somit nur noch auf ein Plus von etwa 1 Prozent zurück.

"Der SMI spürt die Unruhen, die von der Ukraine nach Europa kommen", sagt Caroline Hilb im cash-Börsen-Talk. Zudem sei in der Schweiz die Skepsis gegenüber den Höchstständen an den Börsen besonders gross. "In Gesprächen mit Kunden spüre ich immer wieder Zweifel an den hohen Levels", so die Leiterin der Anlagestrategie bei der St. Galler Kantonalbank. Im Juni war der SMI auf den höchsten Stand seit Anfang 2008 geklettert.

SMI-Prognose und Aktienfavorit

Von konjunktureller und von geldpolitischer Seite her sieht Hilb zwar grundsätzlich weiterhin Unterstützung für den Schweizer Aktienmarkt. Auch die anziehende chinesische Wirtschaft dürfte in der zweiten Jahreshälfte dabei behilflich sein. Doch SMI-Höhenflüge erwartet die Anlagestrategin nicht. "Wir haben zwar die Sektoren Technologie und nichtzyklischen Konsum übergewichtet. Aber ich sehe keinen Sektor, der besonderes Aufholpotenzial bietet."

Dennoch hat Hilb einen Aktienfavoriten. "Ich mag Swatch. Einerseits ist es eine überzeugende Marke und andererseits wird das Unternehmen von der wirtschaftlichen Erholung in Asien profitieren." Dabei ist Swatch eines der Sorgenkinder am Schweizer Markt. Die Aktie hat in diesem Jahr gut 18 Prozent verloren - mehr als alle anderen SMI-Titel.

Für den Gesamtmarkt ist Hilb vorsichtiger als auch schon. Im letzten Februar hatte sie einen Jahresschlussstand des SMI von 8800 Punkten prognostiziert. Weil sich die Situation mittlerweile eingetrübt habe, revidiert Hilb nun ihre Prognose: "Ich erachte einen Jahresendstand von 8500 Punkten als realistisch." Das wäre beim aktuellen Wert von 8340 Punkten ein Plus von 2 Prozent.

Aktien haben noch Potenzial

Auch an den internationalen Finanzmärkten sind die historisch hohen Kurse ein wichtiges Thema. "Die Anleger beschäftigen momentan vor allem drei Themen: die Geldpolitik in den USA, die geopolitischen Risiken rund um die Ukraine und die Höchststände an den Börsen." So ist neben dem breiten US-Index S&P 500 und dem deutschen Dax auch der britische FTSE 100 zurzeit auf Rekordjagd.

Trotzdem ist laut Hilb das Potenzial von Aktien noch nicht ausgereizt. "Die Alternativen zu Aktien sind sehr dünn gesät." Beispielsweise sei es bei Obligationen sehr schwierig, Produkte zu finden, die einen guten Preis hätten und einigermassen sicher seien. Auch die allmählich wegfallende Unterstützung der amerikanischen Geldpolitik sei kein Grund, um das Portfolio neu auszurichten. "Entscheidend ist, dass die Fed prognostizierbar handelt."

Im cash-Börsen-Talk sagt Caroline Hilb zudem, auf welche Währungen Anleger setzten sollten und wann sie in Europa die Zinswende erwartet.