Es herrscht Panik an Europas Aktienmärkten

Der Ausverkauf an den Aktienmärkten geht in eine neue Runde: Investoren warfen am Donnerstag vor allem Finanzpapiere aus ihren Depots und flohen in vermeintlich sichere Häfen wie Gold oder den japanischen Yen.
11.02.2016 12:58
Die Aktie von Société Générale fällt am Dienstag um 15 Prozent.
Die Aktie von Société Générale fällt am Dienstag um 15 Prozent.
Bild: Bloomberg

"Es herrscht Panikstimmung an den Börsen", sagte Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets. Viele Anleger fürchten inzwischen, dass die Weltwirtschaft ins Straucheln gerät, sich Kreditausfälle häufen und die Finanzwirtschaft deshalb Probleme bekommt.

Angeführt von deutlichen Verlusten bei der Deutschen Bank und der Commerzbank rutschte der Dax zeitweise um 3,5 Prozent auf 8699 Zähler und damit den tiefsten Stand seit Oktober 2014 ab. Seit Wochenbeginn hat der Leitindex bereits mehr als sechs Prozent verloren. Der EuroStoxx50 gab um bis zu 4,2 Prozent nach.

Aktien der Deutschen Bank fielen in der Spitze um knapp acht Prozent, die Commerzbank um sieben Prozent. Der europäische Bankendindex ging um 6,6 Prozent in die Knie und notierte auf dem tiefsten Stand seit dreieinhalb Jahren.

Besonders hart traf es Titel von Societe Generale, die sich um bis zu 15 Prozent verbilligten. Hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten drückten auf den Gewinn der zweitgrößten französischen Bank, die Prognose der Analysten wurde knapp verfehlt. Anteilsscheine der Credit Suisse sackten um fast neun Prozent auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren ab. Deutsche Bank und Commerzbank haben seit Jahresbeginn 30 beziehungsweise 20 Prozent an Wert verloren.

Sorge um den Zustand der Weltkonjunktur

Die Sorge um den Zustand der Weltkonjunktur hat sich in den vergangenen Wochen mehr und mehr verschärft. Nach einer Vielzahl enttäuschender Konjunkturdaten aus China zeigte auch die US-Wirtschaft zuletzt Schwächesignale. Vor allem die trübere Stimmung im wichtigen US-Dienstleistungssektor ließ zuletzt Befürchtungen aufkommen, dass die Konjunktur stärker an Schwung verliert als bislang angenommen.

Anleger setzen inzwischen darauf, dass die US-Notenbank bei der geplanten Straffung ihrer Geldpolitik nicht allzu sehr aufs Tempo drücken wird. US-Notenbank-Chefin Janet Yellen hatte bei ihrer Anhörung vor dem Repräsentantenhaus am Mittwoch keine konkreten Hinweise gegeben, wann weitere Zinserhöhungen anstehen könnten. Die Fed hatte den US-Leitzins im Dezember erstmals seit rund zehn Jahren wieder angehoben - auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Seitdem hält Yellen die Füße still.

Der Dollar - als Weltleitwährung einer der wichtigsten Gradmesser für den Zustand der Weltwirtschaft - gab zu anderen wichtigen Währungen deutlich nach. Anleger steuerten vor allem den Yen an - zur japanischen Landeswährung fiel der Greenback um zwei Prozent auf 111,02 Yen und markierte damit den tiefsten Stand seit Ende Oktober 2014. Der Euro kletterte zeitweise auf ein Vier-Monats-Hoch von 1,1355 Dollar. Der Franken bleib zum Euro bei 1,0979 einigermassen stabil, wertete sich aber bis auf 97 Rappen zum Dollar auf.

Raus aus Risikopapieren

Gefragt war - wie in Krisenzeiten meist - Gold. Der Preis für das Edelmetall stieg in der Spitze um 2,7 Prozent auf 1229,40 Dollar je Feinunze - der höchste Stand seit Mai vergangenen Jahres. "Die Investoren wollen nur noch raus aus Risikopapieren und rein in Sicherheit," konstatierte Paciorek.

Hoch her ging es am Donnerstag auch am Ölmarkt: Die Aussicht auf ein anhaltend hohes Überangebot schickte die Preise für Nordseeöl der Sorte Brent und das US-Leichtöl (WTI ) erneut in den Keller. WTI verbilligte sich um bis zu 3,4 Prozent auf ein Drei-Wochen-Tief von 26,52 Dollar je Fass.

Die Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass die Preise angesichts der Ölschwemme und der schwächeren chinesischen Konjunktur bis zum zweiten Halbjahr im Keller bleiben dürften. Sie rechnen in den kommenden Monaten mit stark schwankenden Preisen zwischen 20 und 40 Dollar je Fass. Der Ölpreis ist in den vergangenen 18 Monaten um etwa 70 Prozent eingebrochen. 

(Reuters)