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«Es ist peinlich, was die CS bietet»

cash-Guru Alfred Herbert geht nicht von einem länger anhaltenden Abwärtszyklus an den Aktienmärkten aus, wie er im Börsen-Talk sagt. Über die Strategie der Credit Suisse hat er eine klare Meinung.
24.03.2016 08:32
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im Web-TV-Studio von Ringier bei der Aufzeichnung des cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

"Die Börsianer haben einen Hangover". Das ist das knappe Urteil von cash-Guru Alfred Herbert mit Blick auf die Entwicklung der Aktienmärkte in den letzten Wochen und Monaten. Nach der Börsen-Rally, die 2009 angefangen hatte und die Ende 2015 ein vorläufiges Ende fand, ist die Luft bei den meisten Börsianern tatsächlich draussen. Rund zehn Prozent hat der Swiss Market Index bislang im ersten Quartal verloren, es war zweitweise sogar einiges mehr, doch nach einer Erholung im Februar dümpelt der SMI seit Woche vor sich her.

Herbert merkt den "Börsen-Hangover" bei sich selber auch, wie er im cash-Börsen-Talk sagt: "Ich fahre seit zwei bis drei Wochen auf Sparflamme. Es gibt Momente, in denen ich tagelang keine Transaktionen mache. Das ist ungewöhnlich."

Wie Herbert sind derzeit viele Marktteilnehmer auf Lauerstellung und versuchen, neue Trends auszumachen. Beobachtet werden Aussagen und Daten zum Zustand der chinesischen Wirtschaft und ob daraus eine weitere Abwertung der chinesischen Währung erfolgt. Auf dem Radar sind aber auch Statements und Einschätzungen, ob und wann die US-Zentralbank den Leitzins weiter erhöhen wird. Beide Entwicklungen haben entscheidenden Einfluss auf die Börsenentwicklung im laufenden Jahr. 

Laut Herbert spielt auch die Erholung der Wirtschaft in Europa eine wichtige Rolle. Hier ist er einigermassen optimistisch. Daher sieht er die Börsen auch nicht in einem klassischen, länger anhaltenden Abwärtszyklus, es finde vielmehr eine Neubewertung statt. Und: "Wir gehen auf ein bescheideneres Wachstum zurück. Das ist halt nicht sehr sexy."

Die CS und das Hinterherhinken

Den Hangover der Anleger im ersten Quartal und das damit geringere Handelsvolumen spüren auch die Banken. "Dies waren im Bankensektor die beiden schlechtesten Anfangsmonate eines Jahres, die ich persönlich erlebt habe", sagte etwa Marcus Schenck, der Finanzchef der Deutschen Bank, Anfang dieser Woche. 

Am Mittwoch brachte die Credit Suisse, deren Aktie im ersten Quartal über einen Drittel ihres Wertes verloren hat und damit die schlechteste SMI-Aktie stellt, den Nachweis eines miesen ersten Quartals für Banken. Die zweitgrösste Schweizer Bank gab eine markante Beschleunigung ihrer Restrukturierung bekannt, das Geschäft soll schneller und umfassender den neuen Marktrealitäten angepasst werden. Das kapitalintensive Investment Banking läuft schleppend, weshalb weitere ausserordentliche Abschreibungen drohen. 

Die beschleunigte Redimensionierung der Investmentbank, ihre stärkeren Anbindung an die Vermögensverwaltung und die Stärkung der gesamten Kapitalbasis erfolgt bei der CS häppchenweise. Die neue Strategie war ja schon im Oktober 2015 vorgestellt worden. Nun muss man sie angesichts der schlechter gewordenen Bedingungen an den Märkten fast schon überstürzt umsetzen.

Alfred Herbert bezeichnet das Vorgehen der CS und das ständige strategische Hinterherhinken hinter der UBS als "peinlich", wie er im Börsen-Talk sagt. Man müsse sich auch gewisse Fragen beim "Leadership" stellen, allen voran beim Verwaltungsrat. Schon im Februar sagte ein Fondsmanager von Schweizer Aktien zu cash: "Der Verwaltungsrat der CS hat in meinen Augen versagt. Ohne personelle Veränderungen auf dieser Ebene ist die Aktie für mich kein Investment". Immer in der Kritik steht dabei Präsident Urs Rohner. 

Immer noch kein Investment

Auch wenn viele Banken die Investoren schon für ein schlechtes erstes Quartal vorbereitet haben und bereits viel Negatives in den Aktien eingepreist sein müsste, und auch wenn ein Analyst von Goldman Sachs bei der Aktie der Credit Suisse ein theoretisches Kurspotenzial von 55 Prozent sieht, rät Herbert weiterhin vom Kauf von Bankaktien ab. "Ich sage einmal mehr: Hände weg davon. Ich rechne nicht bloss im ersten Quartal mit schlechten Resultaten bei Banken, sondern das ganze Jahr."

Ein Lichtblick hingegen ist - ziemlich überraschend - die Entwicklung der ABB-Aktie im ersten Quartal. Sie könnte mit ein paar wenigen Prozenten Plus nächste Woche zum SMI-Klassenprimus in den ersten drei Monaten werden. Für Herbert ist das durchaus ein Kaufsignal.

Im cash-Börsen-Talk erläutert Alfred Herbert seine positive Einstellung zur ABB-Aktie, er beurteilt auch das schlechte Abschneiden der Pharmatitel Novartis und Roche und die Aussichten für Swatch und Richemont.