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«Es spricht alles für Aktieninvestments»

Aktien sind die einzige Alternative, aber auch eine gute, sagt Bernhard Signorell von 3V Asset Management im cash-Börsen-Talk. Und er sagt, welche Titel Gewinnpotenzial zeigen.
13.06.2014 01:00
Von Frédéric Papp
Bernhard Signorell, CEO 3V Asset Management, im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Die Reduktion der globalen Wachstumsprognosen durch die Weltbank und wieder aufgeflammte Unruhen im Irak trübte die Stimmung an den Aktienmärkten jüngst etwas ein. Doch viel passiert ist noch nicht – Dax, Dow Jones und auch der Swiss Market Index notieren nahe ihrer Rekordstände. Von einer baldigen starken Korrektur ist denn auch nicht auszugehen.

"Es spricht alles für Aktieninvestments", sagt Bernhard Signorell, Fondsmanager und CEO bei 3V Asset Management, im cash-Börsen-Talk. Für den Schweizer Aktienmarkt sieht Signorell für die kommenden Monate ein Gewinnplus von mindestens 10 Prozent.

Signorells Optimismus für Aktien fusst auf drei Pfeilern. Zum einen seien die Märkte historisch betrachtet nicht überbewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für die hiesige Börse zum Beispiel liegt aktuell bei 16 und für kommendes Jahr bei 15. Teuer wäre ein KGV von 20.

Für Investitionen in Aktien spreche auch die tiefe Verzinsung bei den Eidgenossen, wo weniger als ein Prozent Rendite zu holen sei, so Signorell. Etwas besser sieht es bei Immobilien-Investments aus, doch mit Renditen von zwei bis drei Prozent sind auch diese den Aktien unterlegen. Letztere werfen im Schnitt 4 Prozent ab. Und: Das Rendite-Risiko-Verhältnis bei Aktien stimme, so der Fondsmanager, der privat selber zu 90 Prozent in Aktien investiert ist.

Hinzu kommt: "Die Schweizer Firmen haben ihre Lehren aus der Finanzkrise 2008 gezogen und sind heutzutage sehr gesund bilanziert", sagt Signorell. Die dicken Liquiditätspolster haben Schweizer Unternehmen bislang auch für Dividendenerhöhungen oder Aktienrückkaufprogramme verwendet.

Keine "Hausfrauen-Rally" in Sicht

Gefährlich wird die Situation für die Börsen dann, "wenn sie Tipps vom Coiffeur, dem Gärtner oder dem Beizer bekommen", sagt Signorell. Der Fondsmanager spricht die sogenannte "Hausfrauen-Rally" an. In diesem Stadium springt jeder auf den Börsenzug auf - in der Hoffnung auf den schnellen Gewinn. Dies treibt die Aktienkurse kurzzeitig hoch, bevor sie dann crashen. Letztmals war dies kurz vor der Finanzkrise 2008 der Fall. In Anbetracht der relativ dünnen Handelsvolumen, "sind wir von einer solchen Situation aber noch weit entfernt", sagt Signorell.

Auch sei nicht mit einem schnellen Anstieg der Zinssätze zu rechnen, so Signorell. Derzeit ist eher das Gegenteil der Fall. So senkte die Europäische Zentralbank den Leitzins letze Woche auf rekordtiefe 0,1 Prozent. Andere Anlageprofis wie zum Beispiel Jan Amrit Poser, Leiter Asset Management bei J. Safra Sarasin, gehen erst ab 2018 von Zinserhöhungen in der Schweiz aus (zum Artikel).

Aktiensegment mit Nachholbedarf

Nur, in welche Aktien soll man investieren? Gerade in den klein- und mittleren Unternehmen, den so genannten Small- und Mid-Caps, sieht Signorell Gewinnchancen. Dieses Aktiensegment hat gegenüber den grosskapitalisierten Firmen wie Roche oder Novartis noch Nachholbedarf. Über die letzen drei Jahre betrachtet, beträgt die Performancedifferenz zirka 15 Prozent. Laut Signorell könnte diese Lücke in den kommenden ein bis zwei Jahre geschlossen werden.

Viel Potenzial sieht Signorell, der 25 Jahre Erfahrung im Geschäft mit Schweizer Aktien hat, beim Firmenkonglomerat Conzzeta. Der Titel wurde bis vor kurzem von keinem Analysten abgedeckt, erscheint aber nun langsam auf dem Radar der grossen Finanzhäuser. Mit einem Cashbestand von 500 Millionen Franken und Immobilien im Wert von weiteren 500 Millionen Franken sei die Aktie definitiv ein Kauf, so Signorell. Conzzeta macht im Fonds von Signorell die grösste Position aus.

Zuspruch erhält Conzzeta auch von der MainFirst Bank. Diese empfiehlt die Inhaberaktien im Rahmen einer Erstabdeckung mit "Outperform" und einem Kursziel von 4000 Franken zum Kauf. Laut Signorell liegt hier noch einiges mehr drin. Derzeit notiert der Titel bei rund 3650 Franken. Zuversichtlich ist der Fondsmanager, der seit 14 Jahren die Leitung bei 3V Asset Management innehat, auch bei Cham Paper Group oder bei MCH Group.

 

Im Börsen-Talk sagt Signorell, wie er bei der Auswahl von Titel vorgeht. Zudem nennt er Sektoren, von denen sich Anleger eher distanzieren sollten.