Fünf Bulgaren - drei Männer und zwei Frauen -, die seit Dienstag in London vor Gericht stehen, hätten ihre Befehle von Marsalek empfangen, sagte Staatsanwältin Kathryn Selby. Der seit der Pleite des Zahlungsabwicklers Wirecard im Juni 2020 flüchtige Österreicher wird in Russland vermutet. Er ist selbst in Grossbritannien keiner Straftat beschuldigt, wird aber in der Anklage gegen das Quintett aus Bulgarien als Mitverschwörer genannt. Marsaleks Anwalt wollte sich dazu auf Reuters-Anfrage nicht äussern.
Die Bulgaren werden beschuldigt, zwischen 30. August 2020 und dem 8. Februar 2023 «Informationen gesammelt zu haben, die direkt oder indirekt einem Feind dazu dienen sollten, der Sicherheit und die Interessen des Staates zu schaden», wie es in der Anklage heisst. Selby sagte, sie seien Teil eines Netzwerks, das im Auftrag Russlands Ziele ausgekundschaftet und ins Visier für mögliche Entführungen genommen habe. Die fünf Angeklagten, die sich weiter in Gewahrsam befinden, wurden am Dienstag per Videolink in den Gerichtssaal von Old Bailey zugeschaltet. Sie waren im Februar von der Terrorismusabwehr festgenommen worden.
Alle fünf lebten in London und Norfolk. Die Schaltzentrale habe sich in der Wohnung eines der Angeklagten befunden, sagte Selby. Drei von ihnen waren bereits wegen Fälschung von Ausweisdokumenten angeklagt worden. Grossbritannien verschärft seit einiger Zeit sein Vorgehen gegen Bedrohungen von aussen. Die Regierung hatte im Juli Russland als «akuteste Bedrohung» für die Sicherheit des Landes bezeichnet.
Marsalek hatte Berichten zufolge bereits während seiner Zeit bei Wirecard regelmässig Geheimdienstkontakte gepflegt. Er hatte sich abgesetzt, nachdem ein Milliardenloch in der Bilanz des Zahlungsabwicklers entdeckt worden war, worauf die damals im Leitindex Dax gelistete Firma Insolvenz anmelden musste.
Der damalige CEO Markus Braun und zwei andere Manager müssen sich zurzeit in München wegen Bandenbetrugs verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, das - von Marsalek verantwortete - Asien-Geschäft nur vorgespiegelt zu haben. Braun weist die Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft bekräftigte, ihre Ermittlungen gegen Marsalek dauerten an. Zu den Vorwürfen in Grossbritannien wollte sie sich nicht äussern.
(Reuters)
